Παρασκευή, 15 Δεκεμβρίου 2017

Schlupfloch für verbotene türkische Filme. „Documentarist“ würdigt Kurden, Demonstranten und Armenier







 
Von Heinz Gstrein

Istanbuls Kulturszene wartet mit einer richtigen Sensation auf: Das 10. Internationale Dokumentarfilmfestival zeigt erstmals bisher in der Türkei ganz verbotene oder fast zur Unkenntlichkeit zensurierte Streifen. Die offizielle Türkei leugnet beharrlich historische und frische Untaten vom Genozid an den Armeniern vor rund 100 Jahren bis zur brutalen Polizeigewalt gegen die grün-alternativen Demonstranten vom Istanbuler Gezi-Park im Sommer 2013. Obwohl in Fülle Bild- und Tondokumente von diesen und anderen obrigkeitlichen Verbrechen vorliegen und auch filmisch verwertet sind, durften sie bisher am Bosporus nie öffentlich gezeigt werden. Auch bei den Istanbuler Spielfilm-Festivals der letzten Jahre verhinderte die staatliche Zensur systematisch, oft erst im letzten Moment ihre Aufführung.
Beharrlich suchten aber türkische Filmschaffende und –freunde, Zeitgeschichtler oder Menschenrechtsaktivistinnen nach dem Ausweg. Sie fanden ihn in einer Gesetzeslücke, von der die öffentliche Aufführung verbotener Werke zu „Dokumentationszwecken“ gestattet wird. Kurz entschlossen richtete das diesjährige Dokumentarfilmfestival „Documentarist“ eine Sachkategorie „Zensur am Werk“ ein. Zunächst ließen sich dort nicht weniger als 22 bisher verbotene Filme ansetzen. Nach diversen Drohungen und Einschüchterungen wurde aber im Endeffekt nur die Aufführung von fünfen gewagt.

Immerhin erlebte nun in Istanbuls „Kulturviertel“ Beyoglu das historische Ses-Tiyatrosu (Theater der Stimme) aus dem Jahr 1885 einen neuen Höhepunkt seiner ruhmreichen Geschichte. Das Publikum drängt sich nur so, um bisher verschlossene Blicke ins Lagerleben der aufständischen Kurden vom PKK zu werfen.  Das macht jetzt der vom diesjährigen Istanbuler Spielfilmfestival noch ausgeschlossene Streifen „Kuzey“ (Der Norden) mit dem gleichbedeutenden kurdischen Titel „Bakur“ möglich.

Mit seinem zweiten Beitrag „38“ hat Regisseur Cayan Demirel überhaupt neun Jahre warten müssen, bis er nun gezeigt werden darf. In ihm kommen letzte Überlebende der großen Kurdenerhebung von 1937/38 gegen Atatürk zu Wort. Bei ihrer Niederwerfung wurden zehntausende Menschen getötet oder zwangsumgesiedelt.

Mit den Auseinandersetzungen vor vier Jahren von Polizisten des Erdogan-Regimes und Protestierern gegen eine Verbauung des Istanbuler Gezi-Parks beschäftigt sich Regisseurin Reyan Tuvi in „Yeryüzü Askin...“ (Liebe kann die Welt verwandeln). Ihre erschütternden Bilder vom regelrechten „Tränenvergasen“ junger Menschen kommen erstmals an die Öffentlichkeit. Sie lösen im Saal des „Ses“ spontane Proteste aus.

Der Film „Berivan“ (Hirtenmädchen) vom Massaker zum kurdischen Nevruz-Neujahr im März 1992 in Cizre am Tigris ist ein Beispiel für die Doppelzüngigkeit von Ankaras Propaganda. Das Werk des Regisseurs Aydin Orak wurde 2011 als offizieller türkischer Beitrag nach Cannes geschickt, blieb aber im Land selbst bis heute verboten.

Am aktuellsten zum Gedenken an die Armeniermorde 1915-18 natürlich der Film „Köpeklerden Nefret Ederim“ (Ich hasse Hunde). In ihm erinnert sich ein uralter armenischer Christ an die Schrecken seiner Kindheit. Das schon 2005, es dauerte zwölf geschlagene Jahre, bis das erschütternde Dokument in die Türkei kommen konnte. Es durfte aber nur in einer einzigen Vorstellung gezeigt werden...

 

 

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