Σάββατο, 16 Δεκεμβρίου 2017

Muslime unter uns: Reibungen und Berührungen in Österreich. Der neuen Regieung ins Stammbuch


 


 






Von Heinz Gstrein



Immer mehr selbsternannte Islamexperten fordern heute: Christen sollten den Muslimen gegenüber ein gesundes Misstrauen haben. Es liege an diesen, uns erst einmal zu beweisen, dass sie nicht reaktionäre Fundis, sondern demokratiefähig, tolerant und dem Westen gegenüber aufgeschlossen sind. Wir haben uns in der westlichen Welt – zum Teil sogar gegen die Macht der Kirchen - unsere hohen Güter wie etwa die Glaubens- und Meinungsfreiheit erkämpfen müssen. Wir dürften es jetzt nicht zulassen, dass diese durch einen militanten Islam wieder gefährdet werden.

Andererseits ist es einfach eine Tatsache, dass es in der Schweiz bisher zu keinen Attentaten gekommen ist. Die meisten Muslime sind wirklich darum bemüht, sich hier zu integrieren und die Grundregeln unserer Gesellschaft zu akzeptieren. Es gibt in Österreich auch weniger parallelgesellschaftlichen Ghettos wie etwa in Deutschland, Frankreich oder Grossbritannien. Das gilt nicht nur für den Islam: auch das ostjüdische, chassidische „Schtettl“ in der Leopoldstadt ist bei all seiner Eigenart voll in das Leben und die Eigenart von Wien integriert.

Das vorwiegend positive Bild schliesst aber nicht aus, dass gerade muslimische Jugendliche oft erschreckende Grössenphantasien haben und sie in Konfliktsituationen ihre Aggressionen gegenüber der Mehrheitsgesellschaft offenbaren: "Wartet nur bis wir in Östereich die Mehrheit und die Macht haben!". In solchen Kreisen, und die gibt es leider, hat sogar ein Bin Laden Helden- und Kultstatus, geniesst oft auch schon eine regelrechte Heiligenverehrung.

Dennoch: Die multikulturelle Gesellschaft ist bei uns eine Tatsache. Es gibt kein Zurück. Und es gibt keine Alternative zum konstruktiven Dialog. Ja, in den Dialog sind sogar politislamische Kreise, die sich gegen die Gewalt aussprechen, mit einzubeziehen. Die Aufgabe der Kirchen ist es, Brücken zu bauen und das gegenseitige Verständnis zu fördern. Es geht dabei um ein hohes Gut: um den religiösen Frieden.

Um nicht als Rassisten dazustehen und um uns nicht mit unangenehmen Problemen auseinander setzen zu müssen, haben wir aber auch eine falsche Toleranz gepredigt. Heute müssen wir klar Grenzen benennen. Ein Beispiel dafür sind etwa von den Eltern arrangierten Ehen, die in Muslimfamilien auch in Östereich noch immer gang und gäbe bleiben. Ehen, die gegen den Willen der Frau arrangiert werden, sind unter Strafe zu stellen.

Natürlich gibt es eine richtige und eine falsche Toleranz. Die zentrale Frage ist aber nicht so sehr die Frage nach der Toleranz. Die Kategorie der Toleranz bleibt an der Oberfläche. Das Problem ist tiefgründiger. Es geht hüben und drüben um gegenseitige Ängste. Die Muslime haben Angst, durch den westlichen Konsumismus und Libertinismus ihre Moral, ihre Werte und ihre Identität zu verlieren. Und wir Christen haben davor Angst, dass ein militanter Islam die westlichen Gesellschaften unterwandert, destabilisiert und erpresst.

Die beste Antwort auf einen erstarkenden Islam ist eine Stärkung des Christentums. Statt Wischiwaschitheologie und Versöhnungsromantik zu pflegen, müssen wir ein starker, selbstbewusster Dialogpartner werden. Starke Dialogpartner werden mehr geschätzt und erhalten letztlich mehr Respekt. Doch sollten wir unsere Rolle nicht überschätzen. Allein die Muslime sind es, die den Islam verändern und mit der Moderne versöhnen können. Und wir können ihnen helfen dabei. Die grosse Frage ist, ob es den Muslimen in Europa gelingen wird, eine Art inkulturierter Islam, einen 'Euro-Islam' zu entwickeln, bei dem sie die Hauptzüge ihre religiöse Identität bewahren und zugleich die westlichen Grundwerte bejahen und unterstützen können. Die Kirchen sollten diejenigen Muslime fördern, die einen 'modernen' Islam anstreben.

Wichtig wäre auch eine neue Reflexion des Verhältnisses zwischen der Haltung der Liebe und der Praxis der Konfrontation. Als Kirchen haben wir leider seit Jahrzehnten die Kategorie der Konfrontation in Luft aufgelöst. Zugleich müssen wir aber aber den totalitären, ja faschistoiden Charakter der islamistischen Bewegungen beim Namen nennen. Es ist  wirklich vielsagend, dass in der Türkei zum Beispiel Hitlers Buch 'Mein Kampf' seit einigen Jahren ein immer mehr gelesener Bestseller ist.

Doch die Art und Weise wie der Islam seit dem 11. September 2001 pauschal schlecht gemacht, ja verteufelt wird, ist genauso totalitär. Viele Vorurteile und Stereotype, die in der Vergangenheit den Juden angelastet wurden, werden nun den Muslimen zugeschrieben. So produzieren wir nur Verblendung und Hass produziert. So werden dann unschuldige Muslimas, die aus Traditionsverbundenheit ein Kopftuch tragen, als Zumutung empfunden und öffentlich beschimpft. Der Weg zu Brandanschlägen gegen Moscheen wie in anderen europäischen Ländern ist dann auch nicht mehr weit. Andererseits haben sich Schleier und Kopftuch in Algerien gegen die französische Kolonialherrschaft und in Iran zum Sturz des Schah als politische Kampfmittel erfolgreich bewährt: Sie sind also doch nicht ganz so harmlos!

Dem möchte ich noch etwas ganz Entscheidendes hinzufügen: Wir dürfen nie darauf vergessen, dass der christliche Verkündigungsauftrag auch den Musliminnen und Muslimen gegenüber unaufgebbar ist. Wir hören auf, Christen zu sein, wenn wir darauf vergessen: Christus ist der Heiland aller, auch der Muslime! Das heisst nicht, dass wir ihnen ein im Abendland geprägtes in allen Einzelheiten fixfertiges Christentum aufzuschwätzen oder gar aufzuzwingen versuchen. Auch im Islam findet sich ein Strahl jener Wahrheit, die alle erleuchtet. Wenn die christlichen Kirchenväter sogar in den Philosophien und dem Polytheismus des heidnischen Altertums ein „zerstreutes Gotteswort“ (den Logos Spermatikos) entdeckten, ist es nur legitim, diesen Logos auch im Koran und im ganzen Islam aufzuspüren und die Muslime von ihren eigenen Wurzeln zur Erfüllung im einen und einzigen Heiland Jesus Christus hinzuführen. Das ist vielleicht sogar der heilsgeschichtliche Sinn der Einpflanzung so vieler Muslimas und Muslime in unsere christlich-abendländisch Welt.

So verstanden kann und muss der Dialog mit den Muslimen im rechten Sinn missionarisch werden. Bevor wir aber mit diesem Glaubensgespräch beginnen können, muss es einen Dialog des Lebens geben. Das heisst, zuerst zusammen zu arbeiten und sich zu verständigen. Vielleicht wird man dann von verschiedenen Seiten, die ihre Motive mit politischen oder religiösen Vorwänden bemänteln, als verdächtig eingestuft. Dennoch gilt es, weiter zu machen, im Vertrauen auf den anderen, im Vertrauen auf Ihn, den Herrn, der noch unsichtbar in unserer Mitte steht. Die neue islamische Diapora mitten in Österreich, mitten im traditionell christlichen Europa, sollte ein besonderes Bewährungsfeld für diese Art Dialog werden.

                                            

                                                                        










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