Τρίτη, 12 Δεκεμβρίου 2017

Jerusalems viele Herren. Trump stößt neben Muslimen auch orthodoxe Christen vor den Kopf




 
 
Von Heinz Gstrein

Jerusalem ist schon seit Kreuzrittertagen ein nahöstlicher Brennpunkt. Zuletzt war es vor fast genau 40 Jahren Ägyptens Präsident Anwar as-Sadat, der mit seiner mutigen Jerusalem-Reise den Friedensprozess zwischen Arabern und Israelis eingeleitet hat. Ein bis heute unvollendetes Werk, dessen Weiterführung aber nun Donald Trump mit Parteinahme für Israels Jerusalem-Position neue Schwierigkeiten bereitet. Sein Alleingang zur Anerkennung der Heiligen Stadt von Juden, Christen und Muslimen als einzig Israels Hauptstadt hat rundum einhellig Widerspruch gefunden. Das nicht nur von islamischer Seite oder auch aus dem Vatikan. Besonders heftig reagieren die Orientchristen als unmittelbar Betroffene sowie die Orthodoxen überhaupt. Das hat auch weltpolitische Folgen, da sich das heutige Russland unter Vladimir Putin als ihr globaler Schutzherr versteht.
Sonst entwickelt sich der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan zum politischen Hauptnutznießer der Jerusalemkrise. Er hat wegen Trump für den 13. Dezember eine Islamische Weltkonferenz nach Istanbul einberufen. Immerhin waren die Türken über 400 Jahre lang für die Heilige Stadt zuständig. Bis zum Frieden von Lausanne 1923. Wenn Erdogan jetzt ganz massiv dessen Revision fordert, geht es ihm nicht nur um Zypern oder neue Grenzen zu Griechenland: Er will auch in Jerusalem wieder mitreden.

Dessen Rolle als dritte heilige Stadt des Islams nach Mekka und Medina ist religiös eher schwach begründet. Im Koran kommt es noch gar nicht vor. Erst nach Jerusalems Eroberung und der Verschiebung des arabischen Reichszentrums von Mekka nach Damaskus zur Mitte des 7. Jh. wurde die heilige Stadt der Juden und Christen auch islamisch aufgewertet. Das umso mehr, als Mekka vorübergehend in der Hand eines Gegenkalifen verblieb. Nun entstand eine reiche theologische Literatur zur Bedeutung von Jerusalem samt der Legende von Mohammeds einnächtiger Himmelfahrt aus dem Felsendom in Jerusalem.  Dessen Verlust an die Kreuzfahrer rückte es dann vom späten 11. bis ins 13. Jh. erst recht in den Blickpunkt der gesamten islamischen Welt. Dasselbe war dann wieder in unserer Zeit ab dem Ersten Weltkrieg der Fall.  Jüdische Einwanderung und dann 70 Jahre Palästinakonflikt mit Israel haben Jerusalem emotionell überhaupt an die erste Stelle für alle Muslime gerückt.
Auch während der langen türkischen Herrschaft im Heiligen Land ab 1517 war die Muslim-Wallfahrt nach Jerusalem bis zum Bau der Medina-Bahn zur vorletzten Jahrhundertwende praktisch bedeutsamer als der „Hadsch“ ins ferne Mekka. Parallel dazu entwickelte sich aus allen Reichsteilen der osmanischen Türkei bis zum Balkan und in die heutige Ukraine ein christlicher Pilgerstrom nach Jerusalem. Wer dort gewesen und im Jordan „wiedergetauft“ war, bezeichnete sich ebenfalls wie die Muslime als „Hadschi“. Das ist heute noch an vielen griechischen und bulgarischen Familiennamen ersichtlich, die mit Hadschi- beginnen.

Aus der Ukraine übernahm bald auch das orthodoxe Russland die Wallfahrtsehnsucht nach Jerusalem. Die letzten Zaren machten diese zu einem Angelpunkt ihrer Orientpolitik. Für diesen Zweck gründeten sie die „Kaiserliche Palästina-Gesellschaft“ mit Niederlassungen im ganzen Nahen Osten, in Istanbul und auf dem Berg Athos. Vladimir Putin hat diese Organisation neu errichtet. Er bewegt sich schon seit seiner Intervention im syrischen Bürgerkrieg wieder ganz auf den Spuren zaristischer Expansionspolitik.
Bei den orientalischen Christen hat Jerusalem vor allem für Armenier, Kopten und Äthiopier größte Bedeutung. Seit dem Mittelalter gibt es in der Heiligen Stadt neben dem Jüdischen, Muslimischen und Christlichen noch ein eigens Armenisches Viertel. Kopten und Äthiopier müssen sich mit dem Dach der Grabeskirche begnügen. Umso heftiger ist die koptische Ablehnung jeder israelischen Herrschaft über die heiligen christlichen Stätten. In Kairo weigert sich  Patriarch Tawadros II. nach der Trump-Erklärung, auf Weihachten wie geplant den amerikanischen Vizepräsidenten Mike Pence zu empfangen. Die christlichen Äthiopier betrachten sich überhaupt als die wahren Herren von Jerusalem, da sie ihren Ursprung bis auf König Salonon aus einer Verbindung mit der Königin von Saba zurückführen.

 

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