Τρίτη, 5 Δεκεμβρίου 2017

Istanbul im Advent. Von Watte-Weihnachtsmännern und mystischen Hochzeitsnächten







Von Heinz Gstrein

Die heimliche Hauptstadt der Türkei am Bosporus bietet nur selten Adventstimmung. Vorbei sind die Zeiten, als sie noch eine knappe Mehrheit an Christen unter dem letzten Sultan bis 1922 bewohnte. Auch viele der früher zahlreichen Juden sind abgewandert, so dass ihr Lichterfest Hanukka seinen Glanz verloren hat. Nur da und dort, in steilen Gassen von Galata oder draußen beim Wunderrabbi in Ortaköy flammt aus manchem Fenster ein siebenarmiger Leuchter in die Winternacht hinaus. Sonst ist es nur Schnee, der eine helle Decke über die schwarzgraue Altstadt wirft, „der Menschen Not und Schmerz verhüllt“ – wie das die junge Dichterin Fatma Balci in ihrer Elegie „Kar“ (Schnee) beschreibt. 

Diesmal hat immerhin der Besuch von Kardinal Kurt Koch in Istanbul auf den ersten Adventssonntag für mehr weihnachtliche Stimmung gesorgt. Zu seinen Auftritten in der katholischen Heilig-Geist-Kathedrale hoch oben im modernen Sisli oder im griechisch-orthodoxen Fener drunten am Goldenen Horn strömten viel mehr Christinnen und Christen herbei als jene paar Tausend, die noch in der 15-Millionen-Stadt ansässig sein dürften. Es waren Scharen von Flüchtlingen aus dem Irak und Syrien, die ihre Lager, Massenquartiere und Kellerlöcher verließen, um den Papst zu sehen, um sich ihm und der Welt mit ihrem Elend zu zeigen. Sie sind jetzt von der Weihnachtshoffnung erfüllt, dass sich ihre verzweifelte Lage in der Türkei doch bessern wird.
In den Jahrzehnten äußerlicher Europäisierung der Türkei durch Atatürk und seine ersten Nachfolger hatte sich in Istanbul und anderen Großstädten der kommerzielle Weihnachtsrummel aus dem Westen ausgebreitet. Lichterketten  und blinkende Christbäume eroberten die Istiklal Caddesi und anliegende Geschäftsstraßen. Natürlich gab es dabei kein Christkind. Man erfand einen echt türkischen Weihnachtsmann „Pamukbaba“, das „Baumwollväterchen“ mit seinem weißen Wattebart. Im Zug der heutigen Re-Islamisierung ist aber das alles am Rückzug. 
Umso mehr leben Muslim-Bräuche auf, die früher verboten oder zu Touristenattraktionen verkommen waren: Die Tänze und Gesänge der Derwische zu Ehren ihres am 17. Dezember 1273 verstorbenen Ordensstifters Dschelal ad-Din Rumi, genannt „Mevlana – Unser Meister“. Jetzt darf er schon ab Anfang Dezember mit bunten Laternen, Fahnen, Umzügen und dem „Sema“ gefeiert werden: Dem entrückenden Drehen um die eigene Achse bis zur Ekstase. Ob im alten Mevlevi-Kloster an Istanbuls ältester U-Bahn, dem Tünel, oder in der schlichten Tom-Tom-Moschee von Cukurcuma steigert sich die Stimmung auf den Todestag Mevlanas hin, zur „Sab-i Arus“, der Hochzeitsnacht des Mystikers mit dem Göttlichen. Von einem Ende der Stadt zum anderen erklingt dann der Derwisch-Hymnus:

       Schlage die Trommel mit Bedacht,

Würze die Noten mit dem Salz deiner Tränen!

Ach, wie geschwollen vom Rundtanz sind meine Füße.

Eingeschlagen wie ein Nagel beim Sema der Derwische,

       Das Gesicht durchsiebt. – Doch: selig die mystische

                          Brautnacht…

      Sanft rühr’ dem Kanun an die Saiten…






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