Τρίτη, 19 Δεκεμβρίου 2017

Gavroglu-Initiative für Mufti-Wahl. Griechisches Entgegenkommen hilfreich für Chalki-Öffnung?







 
Von Heinz Gstrein

In Griechenland geht die Diskussion um die Muslimminderheit im nordöstlichen Thrakien weiter. Dabei zeichnen sich erstmals Anzeichen für das Eingehen Athens auf wiederholt vorgebrachte Wünsche der Türkei ab. Das erweckt Hoffnungen auf entsprechendes Entgegenkommen Ankaras an das griechisch-orthodoxe Ökumenische Patriarchat in Istanbul. Besonders, was eine Wiedereröffnung von dessen seit 1971 durch die türkische Obrigkeit geschlossenen Theologischen Hochschule von Chalki angeht.

Die alte Streitfrage, ob es sich im griechischen Westthrakien um eine religiöse oder ethnische Minorität handelt sowie den Disput um freie Wahl oder staatliche Ernennung ihrer Geistlichkeit hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan bei seinen Besuchen in Athen und im westtrakischen Komotini (osmanisch: Gümücine) am 7. und 8. Dezember frisch aufgeworfen. Es gehe nicht an, die Volkstürken im griechischen Thrakien weiter nur religiös als Muslime anzuerkennen und ihre geistlichen Oberhäupter (Muftis) von staatswegen und nicht innerhalb ihrer Gemeinschaft zu bestellen.
In ersten griechischen Stellungnahmen dazu wurde noch unterstrichen, dass es sich bei den Muftis von Gümülcine, Iskece (Xanthi) und Demotika in erster Linie um Richter und nicht so sehr um Geistliche – das sind die Moschee-Imame – handelt. In Griechenland besteht für die islamische Minderheit das alte osmanische System der „Religionsvölker“ (millet) weiter, obwohl es in der Türkei längst abgeschafft ist. Nach diesem werden personal- und familienrechtliche Angelegenheiten von Ehescheidungen bis zu Erbschaftsfragen nicht vor öffentlichen Gerichten, sondern nach dem jeweiligen Religionsrecht – in diesem Fall der Scharia – durch geistliche Richter entschieden. Bei diesen handle es sich also im weiteren Sinn um griechische Justizbeamte, die sehr wohl von staatswegen einzusetzen sind. Ähnlich stehe es auch mit dem thrakischen Muslim-Millet, das keine ethnische Volksgruppe darstelle, sondern sich aus islamischen Südslawen (Pomaken) sowie Roma und nur zum Teil aus Nachkommen von ab dem 14. Jahrhundert eingewanderten Türken zusammensetzt.
Inzwischen äußert sich aber der griechische Unterrichts- und Kultusminister Kostas Gavroglou erstmals positiv zu dem türkischen Anliegen von freier Wahl der Muftis durch ihre islamischen Glaubensgemeinschaften. Gavroglou, der selbst aus der griechischen Minderheit von Istanbul stammt, kündigte im Athener Parlaments-Fernsehen die Aufnahme eines Dialogs mit der Muslimminderheit in dieser Frage an. Dabei müsse das „seit Jahrzehnten festgefrorene Eis“ zwischen Griechenlands jeweiligen Regierungsverantwortlichen und den etwa 130 000 westthrakischen Muslimen gebrochen werden. Allerdings sei nicht an eine allgemeine Mufti-Wahl durch die islamischen Gläubigen, sondern an die Schaffung eines spezifischen Bestellungsgremiums zu denken. Wie es in der Türkei der Heilige Synod von Istanbul für die griechisch-orthodoxe Patriarchenwahl darstellt.

 

 

 

Δεν υπάρχουν σχόλια:

Δημοσίευση σχολίου