Τετάρτη, 13 Δεκεμβρίου 2017

Fernbleiben von Bartholomaios – Bußgang von Filaret nach Moskau







Kräftiger Schlagabtausch, doch kein Bruch zwischen Konstantinopel und russischer Kirche – Erdogan darf Patriarchen und thrakische Muftis nicht auf eine Stufe stellen

Von Heinz Gstrein

Die schon länger wegen Bokoyttierung des orthodoxen Konzils von Kreta (21. bis 27. Juni 2016) durch Moskau und der Unterstützung von Konstantinopel für die Bemühungen der Ukraine um auch kirchliche Verselbständigung von Russland gespannten Beziehungen zwischen Ökumenischem Patriarchat und der Russischen Orthodoxen Kirche scheinen auf einem Tiefpunkt angelangt:
Bartholomaios I. brüskierte die Russen als einziger Patriarch der Orthodoxie – vom kranken Georgier Elia II. abgesehen - mit Abwesenheit vom 100järigen Jubiläum der Wiedererrichtung ihres Patriarchats, worauf bei diesem eine bisher aus Rücksicht auf den Phanar zurückgehaltene scharfe Kritik an Durchführung und Beschlüssen der „Teilsynode“ von Kreta verlautbart wurde.
Den eigentlichen Tiefschlag für Konstantinopel brachte jedoch die Vergebungsbitte    des selbsternannten Kiewer  „Patriarchen“ Filaret Denisenko an die in Moskau versammelten Bischöfe der russischen Kirche. Bisher war er bei Bartholomaios der Hauptbewerber um die Gewährung der kirchlichen Selbständigkeit (Autokephalie) an eine ukrainische Patriarchalkirche unter seiner Leitung.

Inzwischen sieht es aber danach aus, dass das Verhältnis zwischen Konstantinopel und Moskau gar nicht so dramatisch ist, dass vielmehr Filaret seinen „Bußgang“ sogar auf Anraten von Bartholomaios angetreten hat.

Jedenfalls hatte erst unmittelbar vor den Moskauer Jubiläumsveranstaltungen samt ihrer Fortsetzung in Jekaterinenburg und St. Petersbug im ganzen ersten Dezemberdrittel der Phanar weitere Zeichen seiner Verbundenheit mit dem auch kirchlichen Unabhängigkeitsstreben der Ukraine gesetzt: So stand Bartholomaios I. am 26. November dem Gedenkgottesdienst einer neuen „ukrainischen Gemeinde“ in Istanbul für die Opfer des „Todes durch Hunger“ (Holodomor) vor. Ihm waren 1932/33 in der Ukraine Millionen Menschen zum Opfer gefallen, wofür die Bolschewiken bzw. auch russischer Nationalismus verantwortlich gemacht werden.

Abgesehen von diesem moskaukritischen Anlass hatte es Ukrainer-Bistümer und Gemeinden unter Konstantinopler Jurisdiktion nur in der westlichen  Diaspora samt Deutschland und Österreich gegeben. Nicht so im unmittelbaren Bereich des Ökumenischen Patriarchats, wo bisher in der Türkei nur russische Botschafts- und Touristenpfarreien sowie Niederlassungen der Russenklöster vom Heiligen Berg Athos bestanden hatten. Am 30. November wurde aber vom Patriarchat die Fialialkirche des russischen Athos-Skits (Eremitage) St. Andreas „allen Orthodoxen slawischer Sprache“ übergeben und ein griechischer Pfarrer eingesetzt.

Als Bartholomaios gleichzeitig sein Fernbleiben an den Moskauer Feierlichkeiten bekannt gab und nicht einmal Vetreter bestellte, zusätzlich seinen Athener Amtsbruder Erzbischof Hieronymos Liapis zu demselben Schritt bewog, schien das eine offene Parteinahme für die ukrainischen Gegner der russischen Kirchenhegemonie in Kiew mit Filaret an der Spitze zu bedeuten. Umso katastrophaler musste dann dessen überraschende Rückwendung zu Moskau im Phanar einschlagen.

Wie aber seitdem bekannt wurde, war der Kiewer „Patriarch“ von Bartholomaios selbst darauf hingewiesen worden, dass er eine ukrainische Autokephalie nie gegen die russische Kirchenführung, sondern nur im Einvernehmen mit dieser verkünden wolle. Der Weg für Filaret zur Bestätigung als Patriarch durch Konstantinopel müsse daher über Moskau führen.

Die Glaubwürdigkeit dieser Sicht der Dinge scheint auch die positive Aufnahme der Botschaft zu bestätigen, die Batholomaios I. immerhin an die russische Festversammlung gesandt hat. Sie wurde auf der Schlusssitzung verlesen, worauf sich Patriarch Kyrill bedankte und seinem „würdigen“ Amtsbruder alles Gute bei „Erfüllung seiner besonderen interorthodoxen Aufgaben“ wünschte, was einer weiteren Anerkennung für Konstantinopels Mittlerrolle innerhalb der orthodoxen Kirchenfamilie gleichkommt.

Das hat aber nicht zu bedeuten, dass bei den Russen und auch anderen Orthodoxen das Fernbleiben ausgerechnet des Ökumenischen Patriarchen nicht gewisse Verbitterungen hinterlassen hätte. Vor allem die Tatsache, dass er einem akademischen Anlass in Israel den Vorzug vor diesen großen Tagen der russischen Schwesterkirche gegeben hat.

Böse Zungen werfen Barthomolaios I. daher jetzt überhaupt vor, er vernachlässige seine direkten kirchlichen und interorthodoxen Pflichten zugunsten vor immer häufigeren Auftritten bei internationalen Tagungen und dem Einheimsen von Ehrendoktoraten sowie anderen Auszeichnungen.

In Kreisen des Phanars wird allerdings die tatsächlich überhandnehmende Abwesenheit des Ökumenischen Patriarchen von seinem Amtssitz mit dem unter dem Regime Erdogan zunehmend unerfreulichen religionspolitischen Klima in Zusammenhang gebracht. So hat der türkische Staatschef bei seinem jüngsten Besuch in Griechenland am 7./8. Dezember die angeblich gute Behandlung der griechisch-orthodoxen Minderheit in der Türkei mit  Diskriminierung der griechischen Muslime vergleichen und Repressalien gegen Bartholomaios angedeutet.

Dabei stellte Recep Tayyip Erdogan den Patriarchen in Istanbul mit den islamischen Geistlichen (Mufti) in Griechenlands Westthrrazien auf dieselbe Stufe. Dagegen hat inzwischen das dem Phsnar nahestehende Athener Kirchenportal „Amen.gr“ Einspruch erhoben: Wenn sich das Ökumenische Patriarchat mit seiner gesamtorthodoxen und christlich-ökumenischen Bedeutung überhaupt mit einer Muslim-Institution vergleichen lasse, könnten das nur der Azhar in Kairo, nicht aber einer ode mehrere Provinz-Muftis sein.

Ausserdem wird im Phanar darauf hingewiesen, dass sich Brtholomaios I. wie kein anderer vor ihm um die Erneuerung des griechisch-orthodoxen geistlichen und baulichen Restbestandes in der Türkei verdient macht. So zuletzt mit Erneuerung der Friedhofskirche von Sisli in Istanbul und der Kapelle in den Ruinen des Gefängnisses der Hl, Barbara im kleinasiatischen Isnik (Nikomedia).

Was als echter Stolperstein zwischen Konstantinopel und Moskau und Beeinträchtigung gesamtorthodoxer Eintracht zurückbleibt, ist die definitive russische Ablehnung des aus ihrer Sicht nur „so genannten“ Konzils von Kreta. Bartholomaios habe sich zu dessen „Durchpeitschung“ trotz aller Vorbehalte verleiten lassen, um sein gleichzeitig 25jähriges Patriarchat doch noch mit einem Erfolg zu schmücken.

Bei seinen sonstigen Hauptzielsetzungen, einer Wiedereröffnung der seit 1971 von der türkischen Obrigkeit geschlossenen Theologischen Hochschule von Chalki auf einer Insel vor Istanbul und einem rascher greifbaren Gelingen des orthodoxen Dialogs mit der katholischen Kirche habe der Ökumenische Patriarch Schiffbruch erlitten. So sei ihm als Scheinerfolg nur mehr das „Scheinkonzil“ übrig geblieben – kommentieren sogar nicht-russische Teinehmer in Moskau den Tenor der Verlautbarung durch den Leiter des kirchlichen Außenamtes Metropolit Hilarion Alfejev von Volokalmsk.

Besonders gewichtig erscheint ihnen die Unterstreichung der Tatsache, dass es keinen gesamtorthodoxen Konsens zur Anhaltung des Konzils gegeben habe, weshalb dieses nur als „Teilsynode“ eingestuft werden müsse. Der Konsens der vom anitochenischen Patriarchen Johannes X. geführten Kirchengruppe aus dem sonst noch russischen, bulgarischen und georgischen Patriarchat sei auch heute nicht gegeben. Daher könne die Synode von Kreta nicht einmal als Beginn eines gesamtorthodoxen konziliaren Prozesses dienen, wie das inzwischen aus Konstantinopler Sicht dargestellt wird.

Das gelte auch inhaltlich für eine Reihe von „Komzilsbeschlüssen“. Besonders, was die auf Kreta verabschiedeten Dokumente „Die orthodoxe Diaspora“ und „Die orthodoxe Kirche und die übrige christliche Welt“ angeht. Darin zeigten sich Spuren eines Konstantinopler Primatsdenkens, wie sie der synodalen Orthodoxie fremd wären.

 

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