Δευτέρα, 18 Δεκεμβρίου 2017

Brief aus Istanbul. Viel Lärm am Bosporus. Eine oft lästige, manchmal bezaubernde Tonkulisse


 


 


Von Heinz Gstrein


Die meisten, und gerade südliche Großstädte sind für ihre beständige Geräuschkulisse bekannt. Sie wird meist nur als Dröhnen, Rauschen oder Sausen wahrgenommen und verstummt auch während der Nacht nicht. Die einzige Pause pflegt früh am Morgen einzutreten. Geräuschempfindliche Gemüter brauchen daher Ohrverschlüsse, Oropax und ähnliches, um Schlaf und Ruhe zu finden. So verhält es sich auch in Istanbul mit seinen heute über 15 Millionen Einwohnern. Doch fehlt einem dann in den Ferien irgendwo in einem stillen Alpendorf genau dieser Unterton, an den wir uns nicht nur gewöhnt, den wir lieb gewonnen haben, ohne uns das meist bewusst eingestehen zu wollen!

Mitte Oktober wurden in der Alten Oper in Frankfurt die Werke von vier Komponisten aufgeführt, die durch Istanbuls Klangkulisse  inspiriert sind. Im Auftrag des Goethe-Instituts und gefördert von Siemens haben der Russe Vladimir Tarnopolski, der in Paris geborene Mark Andre, der israelische Araber Samir Odeh-Tamimi und der Schweizer Beat Furrer den letzten Sommer am Bosporus verbracht und dort die Tonwelt des Summens und Brummens dieser gewaltigen Metropole eingefangen. So schön, interessant – oder beides – ihre Werke geworden sind, lässt sich die reale Vorlage aus den zwangsläufig verfremdeten Kompositionen nur erahnen.

Dazu muss man selbst nach Istanbul kommen, sich auf eine Bank am Ufer des Goldenen Horns setzen, die Augen schliessen und die Ohren spitzen. Wie klingt da Istanbul? Der Klang, der stets schlaflos scheinenden geschichtsträchtigen Metropole mit nicht nur geografischen Wurzeln in Asien und Europa – ewig hin- und her gerissen zwischen Ost und West, Tradition und Moderne – ist so unterschiedlich wie die verschiedenen Teile und Viertel der Stadt und deren jeweilige Bewohner selbst. So einfach ist dieser Sound nicht sofort zu (er)fassen. Immerhin handelt es sich bei diesem Klang der Stadt um ein äußerst umfangreiches ganzes Gemisch von Klängen das sich aus den unterschiedlichsten, teilweise schrillen Geräuschen, aber auch wundersam anmutenden Tönen zusammensetzt.

Dem fremden Besucher der Riesenstadt prägen sich vielleicht am schnellsten die Rufe der Muezzins  ein: Dreimal am Tag und zweimal bei Nacht erschallen sie erstaunlich vielstimmig von den Minarett-Türmen der um die 2000 Moscheen von Istanbul. Verstärkt durch Lautsprecher, die nicht mit Lärmimmissionen geizen, schallen diese Gebetsrufe über die Stadt.

Dann das stete Gehupe der unzähligen dahin rasenden oder auch nur Stau stehenden, nichts vorwärts kommenden Autos, der Omni- und Minibusse, der Taxis und Fernlaster, oder das Geheul von Ambulanz-, Polizei-, Feuerwehrsirenen. Sogar Istanbuls Straßenbahn ist hupend und nicht klingelnd unterwegs.

Allgegenwärtig, auf den Straßen und Plätzen, in den Geschäften, auf den Basars und Märkten: das Geschnatter und Geschrei von Passanten, das laute Feilschen der Händler, die ihre Ware – was immer es auch sei – loswerden möchten: ja: des nötigen Gewinnes wegen sogar müssen. Meer und Wind vermengen alle diese Laute in einzigem Zusammenklang zu einer Symphonie der Disharmonie, wie sie für Istanbul typisch ist.

Hier am Goldenen Horn erlebt man dieses unglaubliche, sich aus unzähligen Stimmen und Tönen zusammensetzende Klangkonglomerat dann quasi nur noch als permanentes Großes Rauschen des geliebten und verhassten Molochs Istanbul. Ein Gemulm, wenn man so will, welches einen zusammen mit dem herrlichen Blick fast zum Eindösen bringt. Nur das Geschrei vorbei fliegender, ins Wasser klatschender Möwen verhindert das, die auf Futter aus sind,.

Unvergesslich die Istanbuler Abende im Ramadan, wenn sich die Strassen geleert haben, alle daheim oder im Restaurant auf den Moment des Fastenbrechens warten, sich die Abgasschwaden verziehen und von reinem Himmel Mond und Abendstern strahlen. Aus dieser ungewohnten Stille ertönt dann der Ruf des Muezzins als Kunde von einer besseren Welt…

 

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