Παρασκευή, 22 Δεκεμβρίου 2017

Am Bahnhof nach Jerusalem. Auch Istanbuler Heilig-Land-Pilger nannten sich „Hadschi“





 
 
Von Heinz Gstrein

In Istanbul tagte zuletzt eine Islamische Weltkonferenz zum Thema Jerusalem. Das ist schon seit Kreuzrittertagen ein weltpolitischer Brennpunkt. Zuletzt war es vor fast genau 40 Jahren Ägyptens Präsident Anwar as-Sadat, der mit seiner mutigen Jerusalem-Reise den Friedensprozess zwischen Arabern und Israelis eingeleitet hat. Ein bis heute unvollendetes Werk, dessen Weiterführung aber nun Donald Trump mit Parteinahme für Israels Jerusalem-Position neue Schwierigkeiten bereitet. Sein Alleingang zur Anerkennung der Heiligen Stadt von Juden, Christen und Muslimen als einzig Israels Hauptstadt hat rundum einhellig Widerspruch gefunden.  Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan entwickelt sich zum politischen Hauptnutznießer der Jerusalemkrise. Immerhin waren die Türken über 400 Jahre lang für die Heilige Stadt zuständig. Bis zum Frieden von Lausanne 1923. Wenn Erdogan jetzt ganz massiv dessen Revision fordert, geht es ihm nicht nur um Zypern oder neue Grenzen zu Griechenland: Er will auch in Jerusalem wieder mitreden.
Seine Jerusalemkonferenz findet jetzt nicht irgendwo anders, sondern ausgerechnet in Istanbul statt, weil dieses zu Jerusalem in einem besonderen Verhältnis steht. Hier befindet sich am asiatischen Ufer des Bosporus seit 1908 in Kadiköy der Kopfbahnhof Haydarpasa für die von der Firma Philipp Holzmann aus dem Offenbacher Dreieichenhain erbaute Anatolischen Eisenbahn. Sie führte nach Jerusalem, ein östlicher Zweig ab Aleppo bis Bagdad. Holzmann hatte sich schon 1854 beim Bau der Main-Spessart-Bahn als Eisenbahnspezialist profiliert. Die Glasfenster von Istanbuls „Jerusalem-Bahnhof“ stammen ebenfalls vom Main, sind Werke von Otto Linnemann aus Frankfurt. Seit drei Jahren wird der Zugsverkehr allerdings von einer moderneren Anlage abgewickelt, der alte Bahnhof besteht aber als Kulturzentrum weiter. 

Jerusalem als dritte heilige Stadt des Islams entwickelte sich besonders während der türkischen Herrschaft in Palästina ab 1517 zu einem mit Mekka und Medina konkurrierenden Wallfahrtsort.  Es lag wesentlich näher und war leichter zu erreichen als die fernen Hauptpilgerstätten drunten am Roten Meer. Daran änderte sich auch nicht viel, als ab 1909 zur Anatolischen Eisenbahn die Hedschas-Bahn hinzugefügt wurde. Ihr Erbauer Heinrich August Meißner (1862-1940) aus Leipzig wurde auf Istanbuls Protestanten-Friedhof von Feriköy am Goldenen Horn beigesetzt. Sein Grabmal ist neben dem Bahnhof von Haydarpasa das zweite Baudenkmal, das auch im Istanbul von heute an die „Jerusalemer Vergangenheit“ der Stadt ernnert.  

Auch Meissners „Pilgerbahn“ wurde weiter mehr Richtung Jerusalem als Mekka benützt, da sie wegen des Esten Weltkriegs nur Medina erreichte. Unter ihren Fahrgästen waren neben Muslimen auch zahlreiche Istanbuler Christen. Sie machten damals noch fast die Hälfte der Einwohner aus. Parallel zum islamischen „Hadsch“ nach Mekka und eben auch Jerusalem hatte in der osmanischen Türkei ein christlicher Pilgerstrom nach Jerusalem eingesetzt. Wer dort gewesen und im Jordan „wiedergetauft“ war, bezeichnete sich ebenfalls wie die Muslime als „Hadschi“. Das ist heute noch an vielen Istanbuler Familiennamen griechischer und bulgarischer Herkunft  erkennbar, die mit Hadschi- (Haci) beginnen.

 

 

 

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