Πέμπτη, 16 Νοεμβρίου 2017

Unterwegs zu einer Hariri-Rückkehr. Libanon-Patriarch ortete bei den Saudis Reformwillen.








Von Heinz Gstrein

Mit einer Zusage des libanesischen Regierungschefs Saad al-Hariri im Gepäck, nach Beirut zurückzukehren und seine Demission zu überdenken, ist Mitte der Woche Maronitenpatriarch Bischara Butros ar-Rai nach seiner spektakulären Saudiarabien-Reise im Vatikan eingetroffen, um dort dem Papst von dieser Aussicht auf Entspannung in der akuten Libanon-Krise zu berichten. Die Maroniten sind Libanons stärkste Konfession unter etwa 40% Christen, politiwsch ziemlich rechtslastig, mit dem päpstlichen Rom und Frankreich verbunden. Ihr jeweiliger Patriarch spielt auch politisch seit der ersten Libanonkrise von 1958 und dann  besonders ab den Bürgerkriegsjahren 1975-1990 eine Schlüsselrolle.

Der Besuch von Rai in Riad am 13./14. November kam auch als erste große Bestätigung dafür, dass in der bisher erklärt christenfeindlichen Saudi-Vormacht eines besonders radikalen Wahhabiten-Islams über Systemumbau und mehr Frauenrechte hinaus ein religionspolitischer Wandel zu greifen beginnt.  Bisher durfte es in dem Wüsten- und Erdölreich für seine schätzungsweise zwei Millionen christlichen Migranten und Gastarbeiter – unter ihnen an die 300 000 katholischen Maroniten - weder Kirchen und Geistliche noch Bibeln oder Rosenkränze geben. Für die Einladung eines so hohen Vertreters der Orientchristen, der noch dazu Kardinal der römischen Kirche ist, war erst recht kein Platz.

Der schon Ende Oktober nach Saudi-Arabien eingeladene Rai wollte an der Reise zu den Saudis ungeachtet der seitdem aufgebrochenen politischen Krise zwischen Beirut und Riad dennoch festhalten. Dabei geht es vordergründig um den dort unter noch ungeklärten Umständen zurückgetretenen libanesischen Ministerpräsidenten Saad al-Hariri. Dahinter steht jedoch das Bestreben von Saudi-Arabien und seinem Verbündeten USA, die jüngste Ausweitung des Einflusses von Teheran im Irak, Syrien und Jemen zumindest von Libanon fern zu halten. Dort bekennt sich etwa ein Drittel der Bevölkerung zur iranischen Form der so genannten „Zwölfer-Schia“, was einen Unsicherheitsfaktor darstellt.

Dass sich Kardinal Rai vor diesem brisanten geopolitischen Hintergrund dennoch entschlossen hat, an seiner Reise festzuhalten, zeigt seine Überzeugung von der Ernsthaftigkeit der interreligiösen Öffnung Saudi-Arabiens durch seine Reformerriege um Kronprinz Muhammad Bin Salman. Das betrifft neben den Nahostchristen inzwischen auch die Juden, wie eine am Montag veröffentlichte, erstmals israelfreundliche Erklärung des höchsten saudischen Muslim-Funktionärs zeigt, von Großmufti Abdel Aziz Al Scheich.

Schon die Einsetzung von Muhammad Bin Salman als Kronprinz war dort eine Abkehr vom erstarrten System: Plötzlich im letzten Sommer wurde der Sohn des herrschenden Königs als Nachfolger designiert. Ein Vierteljahrtausend lang musste die Herrscherwürde im Bruderkreis reihum gehen. So kam der letzte in ihm, der derzeitige König Salman, erst 2015 als 80jähriger auf den Thron. Trotz seines hohen Alters wurden von ihm Reformen erwartet, die aber bis zur neuen Nachfolgeordnung auf sich warten ließen: Der Kronprinz zündete plötzlich die Leuehtrakete von Führerscheinen für Saudi-Arabiens bisher auch am Steuer diskriminierte Frauen.

Seitdem hat Muhammad Bin Salman auch drei Fußballstadien für weibliche Fans geöffnet und verkündet allgemeine Abkehr seines Landes vom bisher staatstragenden Wahhabismus, einer besonders unerbittlichen Richtung des Islam. Auf ihrer Durchsetzung beruhte seit 1735 die Eigenart und das Sendungsbewusstsein der Saudis in einer gemäßigteren islamischen Umwelt. Doch ein Konzept, das eigentlich schon seit den 1920er Jahren mit Eroberung der heiligen Muslimstädte Mekka und Medina und damit der Führung im Weltislam überholt war, da es diesem die Engstirnigkeit der wahhabitischen Sondersekte aufzuzwingen versuchte. Da war schon längst die jetzige Öffnung Saudi-Arabiens zu einem weltoffenen und toleranteren Islam fällig. Das saudische Vorbild wirkte längst nur mehr für fanatische Außenseiter wie Al-Kaida oder die IS-Terrormilizen wegweisend.








Δεν υπάρχουν σχόλια:

Δημοσίευση σχολίου