Κυριακή, 26 Νοεμβρίου 2017

Reisende in Sachen Muslim-Christen-Dialog. Klare Zeichen für Saudi-Arabiens immerhin religiöse Öffnung








Von Heinz Gstrein

Nasch seiner spätherbstlichen Befreiung aus den Händen der Saudis durch Frankreichs auch in dieser Sache flink beweglichen Staatschef Emanuel Macron hat Libanons trotz allem Noch-Regierungschef Saad al-Hariri zunächst in Paris gedankt und Frankreichs Rückhalt getankt. Dann ist er zum Jahrestag der libanesischen Unabhängigkeit vom 22. November 1943 nach Beirut heimgekehrt. Dann schien nach seiner Rücktrittschleife über Riad an die Seine wieder alles von vorn zu beginnen. Denn der libanesische Präsident Michel Aoun hat einer Ablösung Hariris erst vor Ort zugestimmt. 

Politische Beobachter in der libanesischen Hauptstadt sind aber davon überzeugt, dass sich seit Beginn des saudischen Druckes Anfang November so gut wie alles verändert hat, in politischer wie in religionspolitischer Hinsicht. Zwar ist es dem mächtigen Saudi-Kronprinzen Mohammed Bin Salman im ersten Anlauf nicht gelungen, das infolge des syrischen Bürgerkriegs aus dem Einfluss von Damaskus in den Sog der Schiitenvormacht Iran geratene Libanon unter die Vormundschaft des extrem sunnitischen Riad zu bringen. Und zwar mit Hilfe des von ihm vor allem wirtschaftlich abhängigen Großunternehmers Hariri, der sich im Endeffekt doch als der Schlauere und Zähere erwiesen hat: Statt in die ihm bei seinem Besuch in Saud-Arabien abverlangte Entwaffnung und damit Entmachtung von Teherans fünfter Hisbollah-Kolonne in Libanon einzuwilligen, warf er das Demissionshandtuch, stellte sich glaubwürdig als Geisel der Saudis hin und spielte auf Mitleid, bis ihm Macron zu Hilfe kam.
Dafür hat in Beirut Hariri bei seiner Rückkehr kaum jemand Dank bekundet. Die politische Laufbahn des schmaler geratenen Sohnes vom 2005 ermordeten „großen“ Rafik al-Hariri dürfte vorerst zu Ende sein. Tatsache bleibt, dass sein Lavieren Libanon aus dem einseitigen politischen Gefälle Richtung Schiitenayatollahs von Nasrallah bis Khamenei herausgerissen hat und fortan zu freiem Schaukelspiel zwischen Riad und Teheran befähigt. Was seinen immerhin noch 40% Christen nur willkommen sein kann.
Der katholisch-maronitische Präsident Aoun, der selbst während seiner ersten politischen Karriere in den 1980er Jahren syrisch-iranischem Druck bis zur bitteren Neige der Flucht nach Frankreich ausgeliefert war, zeigt sich fest entschlossen, die neue Handlungsfreiheit nun voll zu nutzen. Er wird sich ebenso wenig ganz mit Teheran überwerfen wie Libanon den Saudis ans Messer liefern, von denen das einzige wirklich demokratische und multireligiöse arabische Land politisch auch wenig Gutes zu erwarten hat. In seinem Schwiegersohn und Außenminister Gebran Bassil – ebenfalls Maronit -- hat Aoun dabei seine wichtigste Stütze. 
Mindestens ebenso wichtig wie die neue politische Konstellation und durchaus positiv erweist sich Saudi-Arabiens aktuelle religionspolitische Öffnung, mit der es Libanons Christen, ja eine weitere christliche Welt im Machtkampf mit der Islamischen Republik Iran um die Vorherrschaft im Nahen und Mittleren Osten auf seine Seite zu ziehen versucht. Bisher hatten sowohl Vatikan wie der Ökumenische Rat (ÖRK) oder etwa auch auf bilaterale Ebene direkt die Schweizerische Katholische Bischofskonferenz ausgesprochen nur gute und rege Kontakte zum von Teheran geführten Schiitentum. Offiziell war Rom zwar auch an dem 2011 in Wien gegründeten saudischen König-Abdullah-Dialogzentrum (KAIICID) beteiligt, doch hatte sich dieses bisher angesichts eines in Saudi-Arabien selbst ganz und gar nicht gepflegten Gesprächs der Religionen bisher als umstrittene Totgeburt erwiesen.  
Der Besuch von Maroniten-Patriarch Bischara Butros ar-Rai aus Libanon in Saudi-Arabien am 13./14. November kam als erste große Bestätigung dafür, dass in der bisher auch erklärt christenfeindlichen Saudi-Vormacht eines besonders radikalen Wahhabiten-Islams über Systemumbau und mehr Frauenrechte hinaus ein religionspolitischer Wandel zu greifen beginnt.  Bisher durfte es in dem Wüsten- und Erdölreich für seine schätzungsweise zwei Millionen christlichen Migranten und Gastarbeiter – unter ihnen an die 300 000 katholischen Maroniten - weder Kirchen und Geistliche noch Bibeln oder Rosenkränze geben. Für die Einladung eines so hohen Vertreters der Orientchristen, der noch dazu Kardinal der römischen Kirche ist, war erst recht kein Platz. 
Nur Vertreter des betont arabisch-nationalen und muslimfreundlichen griechisch-orthodoxen Patriarchats von Antiochia hatten es schon zu näherer Tuchfühlung mit den Saudis gebracht. Erstmals Elias IV. (1970-1979), der im Februar 1974 am Islamischen Gipfeltreffen von Lahore teilnehmen und dabei König Feisal (1964-1975) begegnen durfte. Aber eben auf pakistanischem nicht auf saudi-arabischem Boden, der nach wahhabitischer Auffassung christlichen Geistlichen strikt verwehrt war. Doch wurde dann im Januar 1981 für Patriarch Ignatios IV. (1979-2012) eine Ausnahme gemacht, damit er zum 3. Islamischen Gipfelkonferenz in die saudi-arabische Sommerresident Taif reisen konnte. Das Königreich etablierte dort seinen Anspruch, in Nahost und am Golf nach dem Umbruch in Iran und der sowjetischen Invasion Afghanistans als neue Ordnungsmacht ernst genommen zu werden. Dafür brauchten die Saudis möglichst breite Unterstützung, die arabischsprachigen orthodoxen Christen eingeschlossen.
Der schon Ende Oktober nach Saudi-Arabien eingeladene Rai wollte an der Reise zu den Saudis ungeachtet der seitdem aufgebrochenen politischen Krise zwischen Beirut und Riad dennoch festhalten. Dass sich Kardinal Rai dazu entchlossen hat, bewies Überzeugung von der Ernsthaftigkeit der interreligiösen Öffnung Saudi-Arabiens durch seine Reformerriege um Kronprinz Muhammad Bin Salman. Das betrifft neben den Nahostchristen inzwischen auch die Juden, wie erstmals eine israelfreundliche Erklärung des höchsten saudischen Muslim-Funktionärs zeigt, von Großmufti Abdel Aziz Al Seheich.
Inzwischen hat Kardinalpatriarch Rai in Rom die Ergebnisse seiner Mission nach Saudi-Arabien vorlegt. Konkreter Erfolg scheint die Eröffnung einer ersten Kirche des Landes in der Erdölregion Al-Hasa am Golf, wo auch die meisten christlichen „Gastarbeiter“ leben. Es handelt sich um Mitte der 1980er Jahre entdeckten Ruinen eines Gotteshauses aramäischer Tradition in Nähe der Stadt Jubail. Archäologen datieren die Kirchenruinen ins 4. Jh., als sich das ostsyrische Christentum auch zu den Arabern auszubreiten begann. Bei einem Lokalaugenschein von 2016 waren die Überreste noch in relativ gutem Zustand. Da das islamische Recht – und das besonders in seiner strikten wahhabitischen Auslegung – den Neubau christlicher Kirchen verbietet, aber die Wiederherstellung früher bestehender zulässt, scheint ein gangbarer Weg gefunden zu sein. An dieser Kirche soll zugleich ein erster christlich-islamischer Begegngungsort auf saudischem Boden erstehen.

Schon die Einsetzung von Muhammad Bin Salman als Kronprinz war eine Abkehr vom erstarrten saudisch-wahhabitischen System: Plötzlich im letzten Sommer wurde der Sohn des herrschenden Königs als Nachfolger designiert. Ein Vierteljahrtausend lang musste die Herrscherwürde im Bruderkreis reihum gehen. So kam der letzte in ihm, der derzeitige König Salman, erst 2015 als 80jähriger auf den Thron. Der neue Kronprinz zündete dann in diesem Herbst zunächst die Leuchtrakete von Führerscheinen für Saudi-Arabiens bisher auch am Steuer diskriminierte Frauen. 
Seitdem hat Muhammad Bin Salman darüber hinaus drei Fußballstadien für weibliche Fans geöffnet und verkündet allgemeine Abkehr seines Landes vom bisher staatstragenden Wahhabismus, einer besonders unerbittlichen Richtung des Islam. Auf ihrer Durchsetzung beruhten seit 1735 die Eigenart und das Sendungsbewusstsein der Saudis in einer gemäßigteren islamischen Umwelt. Doch ein Konzept, das eigentlich schon seit den 1920er Jahren mit Eroberung der heiligen Muslimstädte Mekka und Medina und damit der Führung im Weltislam überholt war, da es diesem die Engstirnigkeit der wahhabitischen Sondersekte aufzuzwingen versucht. Da war schon längst die Öffnung Saudi-Arabiens zu einem weltoffenen und toleranteren Islam fällig. Das saudische Vorbild wirkte längst nur mehr für fanatische Außenseiter wie Al-Kaida oder die IS-Terrormilizen wegweisend.


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