Τρίτη, 7 Νοεμβρίου 2017

Neue Nahost-Drehscheibe Saudi-Arabien. Kronprinz Mohammed setzt sich auch im Inneren durch






Von Heinz Gstrein

In und um Saudi-Arabien überschlagen sich auch diese Woche die stürmischen Entwicklungen: Nach einer ganzen Riege libanesischer Politiker zum Monatswechsel mit dem inzwischen zurückgetretenen Premier Saad al-Hariri an der Spitze traf montags Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas in Riad ein. Inzwischen gibt es intern im bisher mit Verhaftungen und Absetzungen geführten Machtkampf zwischen dem neuen starken Mann der Erdölgroßmacht, Kronprinz Mohammed Bin Salman, und den bisher tonangebenden Vertretern der Saud-Dynastie den ersten Todesfall: Prinz Mansur Bin Mukrin verunglückte am Sonntag in der Rotmeerpovinz Asir mit seinem Hubschrauber. Tödliche Helikopterabstürze waren und sind im Orient ein beliebtes Mittel zur Beseitigung politischer Gegner. Umso mehr, als es sich bei dem Verunfallten um einen Sohn von Saudi-Arabiens eigentlichem Kronprinzen Mukrin Bin Abdulaziz handelt, den König Salman schon 2015 gestürzt hatte. Zuvor war er als Geheimdienstchef einer der mächtigsten Männer des Landes. Seine Absetzung als Kronprinz stellte den ersten Bruch mit Saudi-Arabiens erstarrtem Regierungssystem dar.


Mit Mohammed Ben Salman wurde dann plötzlich im letzten Sommer ein Sohn des herrschenden Königs als Nachfolger designiert und damit nach saudischem System auch zum Mitregenten gemacht. Ein Vierteljahrtausend lang musste die Herrscherwürde im Bruderkreis reihum gehen. Wie das nur im Mittelalter beim Großfürstentum Kiew der Fall war. Mit dem Unterschied, dass die saudische Haremswirtschaft viel mehr potentielle Erbprinzen hervorbrachte als anderswo. So liegt die Führung der Erdölgroßmacht schon seit 1953 bei einem der vielen Söhne von Abdel Aziz Ibn Saud, zur Zeit bei König Salman, der 2015 erst als 80jähriger an die Reihe kam.  
Trotz seines hohen Alters wurden von ihm Reformen erwartet, die aber bis zu dieser neuen Nachfolgeordnung auf sich warten ließen. Ihr Nutznießer, der erst 32jährige Mohammed Bin Salman, stand zunächst in gar keinem guten Ruf: Als Verteidigungsminister war er treibende Kraft hinter der brutalen Invasion im Jemen, dem einzigen Land auf der Arabischen Halbinsel, das sich schon seit den 1930er Jahren der Saudi-Expansion rundum erfolgreich widersetzt: Im Bund mit Mussolini, Ägyptens Nasser und heute dem Iran. Doch dann ließ der Kronprinz plötzlich die Leuehtrakete von Führerscheinen ab 18 und 2018 für Saudi-Arabiens bisher auch am Steuer diskriminierte Frauen hochglühen.
Anfangs wurde das noch als eine ihm von einer seiner Gespielinnen abgeschmeichelte Konzession heruntergemacht. Doch inzwischen gewährte Mohammed Bin Salman sportbegeisterten Saudi-Schönen ab kommenden Jahr auch den Zugang zu Stadien der Großstädte Riad, Dschiddah und Damman. Als nächstes soll die männliche Bevormundung aller Frauen durch Vater, Onkel, Bruder oder Ehemann zu Fall kommen, die bisher etwa erlauben müssen, ob ihre weiblichen Familienmitglieder studieren oder reisen dürfen.

Darüber hinaus verkündet Mohammed Bin Salman überhaupt eine allgemeine Abkehr seines Landes vom bisher staatstragenden Wahhabismus, einer besonders radikalen Richtung des Islam. Auf ihrer Durchsetzung beruhte seit 1735 die Eigenart und das Sendungsbewusstsein der Saudis in einer gemäßigter sunnitischen und Schiitenumwelt. Doch ein Konzept, das eigentlich schon seit den 1920er Jahren mit Eroberung der heiligen Muslimstädte Mekka und Medina und damit der Führung im Weltislam überholt war. Das saudische Vorbild wirkte längst nur mehr für fanatische Außenseiter wie Al-Kaida oder die IS-Terrormilizen wegweisend. Das in Wien 2011 errichtete Dialogzentrum KAICIID widersprach jeder saudischen Realität. Das könnte jetzt anders, das heißt glaubwürdiger werden.

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