Παρασκευή, 17 Νοεμβρίου 2017

Nach dem Kirchensturm im türkischen Diyarbakir: Wenigstens armenisch-evangelisches Gotteshaus im Wiederaufbau









Von Heinz Gstrein

In der osttürkischen Grossstadt Diyabarkir wird von allen dort vor drei Jahren durch die Truppen von Präsident Erdogan zerstörten Kirchen wenigstens das Armenisch-Evangelische Gotteshaus wieder aufgebaut. Das berichtet Mitte November in grosser Aufmachung die Regierungzeitung Sabah (Der Morgen). Im Spätherbst 2015 waren im alten Christenviertel „Sur“ bei Militäraktionen zur vorgeblichen Kurdenbekämpfung ein Dutzend zum Teil urchristliche Kirchen in Schutt und Asche gesunken. Ihre Ruinen, zum Teil nur mehr Schuttflächen, wurden darauf 2016 verstaatlicht. Angeblich, um „ihren geordneten Wiederaufbau“ sicher zu stellen. Es wurde jedoch gleichzeitig angekündigt, dass die Wiederherstellung dieser orthodoxen, katholischen und auch evangelischen Gotteshäuser von Aramäern und Armeniern nicht zu Kultzwecken, sondern nur für die Verwendung als museale Touristenattraktionen erfolgen werde.

Als bisher einzige ist nun die Kirche der evangelischen Armenier von Diyarbakir im Wiedererstehen. Es handelt sich um das jüngste aller zerstörten christlichen Bauwerke: aus den 70er Jahren des 19. Jh. In dieses geht die Entstehung einer evangelischen Gemeinschaft unter den Armeniern im osmanischen Türkenreich zurück. Dieses war damals toleranter als das benachbarte zarische Russland, wo bis zur ersten Revolution in St. Petersburg von 1905 nur die orthodoxe Armenisch-Apostolische Kirche zugelassen blieb.

Die evangelischen Armenier verstanden sich von ihren Anfängen um 1820 an – und verstehen sich auch heute noch – nicht als neue Konfession neben den Orthodoxen, sondern sehen sich als reformatorische Erneuerungsbewegung in deren Mitte. Sie sind unter dem geistlichen Einfluss des Pietismus und mit Anleitung amerikanischer Bibel- und Schulpioniere aus Erweckungsgruppen innerhalb der armenischen Intelligenz der Städte Istanbul und Izmir sowie von Trabzon am Schwarzen Meer hervorgegangen.

Eine Schlüsselrolle spielte dabei das 1828 vom reformfreudigen armenisch-orthodoxen Patriarchen Garabet III. am Bosporus gegründete Priesterseminar Surp Hac (Ehrwürdiges Kreuz). Unter seinen Zöglingen bildete sich eine „Pietistische Union“, die unvoreingenommenes Studium der Bibel und Diskussionsrunden zur Erneuerung des kirchlichen Lebens organisierte. Der nachfolgende Patriarch Stepanos II. Zacharian verhielt sich dazu in seiner ersten Amtszeit von 1831 bis 1839 wohlwollend. Nachdem er selbst jedoch 1840/41 als „pro-protestantisch“ von der Kirchenführung entfernt war, ging er bei seiner Rückkehr zu den „Pietisten“ auf Distanz. Nach ihm belegte Matheos II. aus ihrem Kreis 37 führende Männer und drei Frauen sogar mit dem Kirchenbann. Um weiterbestehen zu können, mussten sie sich als eigentändige kirchliche Gemeinschaft deklarieren, die 1847 vom Sultan anerkannt wurde. Als Armenische Evangelische Kirche besteht sie bis heute in der Türkei und zunehmend in der Diaspora, so in der Schweiz im Rahmen der „Armenisch-Evangelische Gesellschaft Europas“.

In der Türkei spielen wechselnde Regime – vom Sultan über Atatürk bis zu Erdogan – die armenischen Evangelischen gern und gezielt gegen andere christliche Minderheiten aus. Nach dem Grundsatz der alten Römer: Divide et impera – Teile und herrsche! In diesem Zusammenhang ist jetzt gewiss auch zu sehen, dass ausgerechnet die verschwindend kleine Schar der evangelischen – um die heute nur 2000 neben 70 000 orthodoxen und etwa 5000 katholischen – Armenier beim kirchlichen Wiederaufbau in Diyarbakir als vorerst einzige zum Zug kommt. Da es sich aber sonst bei den türkischen Evangelischen meist um besondere Prügelknaben von Ankara im Unterschied zu den privilegierteren Katholiken und Orthodoxen handelt, wird diese Entwicklung vor Ort als durchaus positiv beurteilt.


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