Παρασκευή, 3 Νοεμβρίου 2017

Ευλογία! JUBILÄUMS(AUS)GABE FÜR GRIGORIOS LARENTZAKIS ZUM 75. GEBURTSTAG









Mit Beiträgen von Arsenios Kardamakis, Erich Leitenberger, Hans Marte, Heinz P. Gstrein, Hermann Miklas, Wilhelm Krautwaschl und aus der Ökumenischen Information (öki)



Zum Geleit



In der Welt der Wissenschaft war es üblich, Jubilare mit Festschriften zu ehren, bei manchen schon zum 50. Geburtstag. Der 75er war jedoch ein Muss für solche Glückwunschgaben durch Fachkolleginnen und –kollegen. Die allgemeine finanzielle und geistige Krise hat diesem würdigen Brauch jedoch jäh den Boden entzogen. Die Orthodoxe Nachrichtenagentur ONA will daher dem hochverdienten Theologen und Ökumene-Pionier Prof. DDr. Grigorios Larentzakis mit dieser Sonderausgabe wenigstens einen kleinen Beitrag zu seiner verdienten Würdigung beisteuern.

Axios  Axios  Axios!




INHALTSVERZEICHNIS



Lebenslauf Univ.-Prof. DDr. Dr.h.c. Grigorios Larentzakis 4                                   

Arsenios Kardamakis, Metropolit von Austria: Unermüdlicher Brückenbauer für die Ökumene 8

Erich Leitenberger, Stiftung Pro Oriente: Gesamte ukrainische Christenheit byzantinischer Tradition 10                                              

Hans Marte, Präsident der Stiftung Pro Oriente: Glücksfall für die Wissenschaft – Botschafter der Versöhnung 13

Heinz P. Gstrein, Wetzikon/Wien: Mein Schulbankkamerad – Begegnungen mit Grigorios Larentzakis 16

Hermann Miklas, Superintendent, Graz: Mit ungebrochener Energie    20

Wilhelm Krautwaschl, Bischof von Graz-Seckau: Χρόνια πολλά 23         

Ökumenische Information (öki), Berlin, über neueste Aktivitäten des Jubilars:

Konzil von Kreta verteidigt 25

Das Wunder von Istanbul 28

Prüfstein für orthodoxe Einheit 30                                                                     



Lebenslauf

Univ.-Prof. DDr. Dr.h.c. Grigorios Larentzakis

Geboren 1942 in Loutraki - Chania – Kreta - Griechenland

Studien:

- Orthodoxe Theologie in Chalki (Konstantinopel); 1961-1965 (Dipl.- u. Mag. der Orthodoxen Theologie), Thessaloniki Dr. der orth. Theologie 1983.

- Katholisches Theologiestudium in Salzburg (1965-1966) und Innsbruck (1966-1969); Doktor der kath. Theologie 1969. Das erste Doktorat eines nichtkatholischen Theologen an einer katholischen Fakultät in Österreich.

- Habilitation für Klassische Philologie in Graz.

- Habilitation für Ökumenische Theologie in Graz 1982 und seit 1987 Universitätsprofessor.

Lehrtätigkeit:

- Universität Graz Orthodoxe und Ökumenische Theologie 1970-2007.

- Universität Wien (Katholisch-Theologische Fakultät) 1970-1975.

- Universität Linz (Päpstliche Theologische Fakultät) 1983-1984.

- Universität Genf (Bossey) im Ökumenischen Institut mehrmals Blockvorlesungen und Seminare für orthodoxe und ökumenische Theologie.

- Kirchlich-Pädagogische Hochschule Wien 2007-2016.

- Gastvorlesungen und Seminare an mehreren Universitäten (Salzburg, Wien -Evangelische Fakultät-, München -Evangelische und Katholische Fakultät bzw. Ausbildungseinrichtung für Orthodoxe Theologie-, Marburg (Deutschland), Athen, Thessaloniki, Sofia, Belgrad, Cluj, Sibiu).



Funktionen:

- Seit 1990 Leiter der Abteilung für Ostkirchliche Orthodoxe Theologie (seit Juni 2001: „Sektion für Orthodoxe Theologie“) an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Graz.

- Leiter (zeitweise) und Leiter Stv. des Instituts für Ökumenische Theologie, Ostkirchliche Orthodoxie und Patrologie.

- Mitglied und mehrmals Vorsitzender des "Interkonfessionellen Arbeitskreises Ökumene in der Steiermark" (IAS), jetzt „Ökumenisches Forum christlicher Kirchen in der Steiermark“.

- Konsultor der Ökumenischen Stiftung PRO ORIENTE (Wien).

- Leiter Stv. der ökumenischen Stiftung PRO ORIENTE, Sektion Graz.

- Mitglied verschiedener Kommissionen und des Zentralausschusses der Konferenz Europäischer Kirchen (Genf).

- Mitglied der Kommission des Ökumenischen Patriarchates beim bilateralen Theologischen Dialog mit der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

- Mitglied der Kommission des Ökumenischen Patriarchates beim bilateralen Theol. Dialog mit der Altkatholischen Kirche.

- Vertreter der Metropolis von Austria in Graz.

- Vorsitzender des österreichischen Lokalkomitees für die Zweite Europäische Ökumenische Versammlung in Graz (23.-29.Juni 1997).

- Mitherausgeber der "Grazer Theologischen Studien" und des "Ökumenischen Forums" (Graz).

- Mitherausgeber der Zeitschrift „Ökumenische Rundschau“ (Deutschland).

- Koordination des „Grazer Prozesses“ zur Förderung der ökumenischen Kooperation der Theologischen Fakultäten in Europa

- Intensive Vortragstätigkeit im In- und Ausland.

- Organisierung und Leitung von mehreren ökumenischen Reisen und Fakultäts-Exkursionen in Länder, in denen sich hauptsächlich die Orthodoxen Kirchen befinden, zur Förderung der internationalen und interkonfessionellen Beziehungen.

- Zahlreiche Radio- und Fernsehsendungen im Österreichischen Rundfunk (ORF) und im Ausland.

-Zahlreiche Publikationen in mehreren Sprachen. (Griechisch, Deutsch, Englisch, Italienisch, Spanisch, Rumänisch, Slowenisch)

- Ehrungen:

- "Archon Megas Protonotar" des Ökumenischen Patriarchates von Konstantinopel

- Ehrenkreuz des Rumänisch-Orthodoxen Patriarchates

- Ritter des Ordens des Papstes Gregor des Großen (Vatikan)

- Goldenes Kreuz des Ordens der Ehre des griechischen Staatspräsidenten

- Österreichisches Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse des Österreichischen Bundespräsidenten

- Ehrenzeichen der Landeshauptstadt Graz in Gold

- Großes Goldenes Ehrenzeichen des Landes Steiermark

- Ehrenkreuz der Kirche von Kreta

- Ehrenkreuz der Metropolis von Rhodos

- Ehrenkreuz der Metropolis von Beroia

- Ordentliches Mitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaften und der Künste, (Salzburg)

- Ehrensenator der Universität Sibiu (Rumänien)

- Ehrendoktorat der Theologischen Fakultät der Universität von Thessaloniki

- Ehrenmitglied der Österreichisch-Griechischen Gesellschaft in Graz

- Ehrenmitglied des Griechischen Vereins für Studenten und Akademiker in Graz

- Ehrenmitglied der Ökumenischen Stiftung PRO ORIENTE (Wien)

- Ökumenischer Preis, Abt-Emmanuel-Heufelder, Niederalteich Deutschland.



-          Verheiratet mit Dr. Rosa Margund Larentzakis geb. Vogl; 2 Kinder, Emanuela und Antonios und drei Enkelkinder, Emmanuel, Grigorios, Helena.






Arsenios Kardamakis, Metropolit von Austria, Wien



Unermüdlicher Brückenbauer für die Ökumene

Ansprache aus Anlass der Verleihung des Goldenen Verdienstkreuzes der Metroplis von Austria am 29. Oktober 2017 in Graz

-           

Exzellenz,

Sehr geehrter Herr Professor Larentzakis, Lieber Grigorios,

Sehr geehrte Festversammlung,



Ein freudiges Ereignis hat uns heute in Graz vereint, weil wir einen sehr guten Freund, langjährigen Begleiter und treuen Diener der Metropolis von Austria und der Orthodoxen Kirche in Österreich feiern und ehren möchten. Herr Professor Larentzakis ist als national und international berühmter und anerkannter Theologe seit Jahrzehnten in unserem Land tätig. Er ist ohne Zweifel ein Brückenbauer zwischen den Menschen, Kulturen und Religionen.

Sein Studium und seine wissenschaftliche Tätigkeit hat er in den 1960er Jahren in Österreich fortgeführt beziehungsweise begonnen und wurde umgehend ein treuer Wegbegleiter der verewigten Metropoliten Chrysostomos Tsiter und Michael Staikos sowie meiner Person seit dem Jahre 2011. Seine unermüdliche Arbeit in der orthodoxen Kirchengemeinde in Graz, an der Universität Graz, an Universitäten im In- und Ausland, an der Orthodoxen Akademie von Kreta, im Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel und vor allem im weltweiten Ökumenischen Dialog im Zeichen der Liebe und Einheit sprechen für sich. Wenn wir an die lebendige Ökumene in Österreich denken, fällt uns umgehend der Name unseres geliebten und überaus geschätzten Grigorios ein.

Ein weitere Meilenstein seiner Tätigkeiten sind seine zahlreichen theologischen beziehungsweise wissenschaftlichen Publikationen in verschiedenen Sprachen, mit denen er die Orthodoxie einem breiten Leserpublikum europa- und weltweit näherbringt. Damit ist er seit über vierzig Jahren mit ganzem Herzen und ganzer Seele in der Vermittlung der orthodoxen Glaubensinhalte und Theologie tätig.

Persönlich habe ich Herrn Professor Larentzakis seit meiner Inthronisation als aufrichtigen Wegbegleiter schätzen gelernt und freue mich nunmehr sehr, dass wir seine Treue zu unserer Kirche und zu unserer Gemeinschaft in Österreich mit dem Goldenen Verdienstkreuz der Metropolis von Austria und des Exarchates von Ungarn würdigen können. Auch seiner Frau Dr. Margund Larentzakis möchte ich herzlich danken.

Dieses Verdienstkreuz wird an all jene Frauen und Männer verliehen, die durch ihren persönlichen Eifer, ihre großherzige Unterstützung und ihre unermüdlichen Bemühungen die Werke der Metropolis von Austria unterstützen und fördern, was Kriterien sind, die unser heutiger Ausgezeichneter, Herr Professor Larentzakis, in jeder Hinsicht, vorbildhaft und auf eindrucksvolle Weise erfüllt.






Erich Leitenberger, Stiftung „Pro Oriente“, Wien

Gesamte ukrainische Christenheit byzantinischer Tradition

Revolutionärer Vorschlag aus Graz für die Kircheneinheit in der Ukraine



Einen neuen Vorschlag zur Lösung der ukrainischen Kirchenkrise hat der emeritierte Grazer orthodoxe Theologe Prof. Grigorios Larentzakis unterbreitet. Larentzakis, dessen 75. Geburtstag am Sonntag, mit einem Festkonzert in Graz und der Überreichung des goldenen Verdienstkreuzes der Metropolis von Austria durch den Wiener orthodoxen Metropoliten Arsenios (Kardamakis) begangen wird, plädiert auf dem Hintergrund seiner Kenntnis der Kirchengeschichte dafür, auch in der Ukraine alle Einmischungsversuche der Politik beiseite zu lassen und einen genuin kirchlichen Weg zu beschreiten, wie er gegenüber dem Pressedienst der Stiftung "Pro Oriente" betont. Sein Vorschlag: ein Zusammenschluss aller Christen byzantinischer Tradition zu einer unabhängigen - autokephalen - Kirche.



Dabei sei ihm bewusst, so Larentzakis, dass viele Politiker in der Ukraine und außerhalb ihrer Grenzen nicht verstehen, dass die Kirche nach ihren eigenen Gesetzen leben muss, die keine "vergänglichen politischen Gesetze sind, sondern spirituelle, unverletzliche". Sein Ansatz gehe deshalb weit über die üblichen, aus dem Kleingeld des politischen und geopolitischen Alltags geborgten Vorstellungen über "Kämpfe" zwischen Konstantinopel und Moskau usw. hinaus.



Der Blick von Larentzakis richtet sich auf die gesamte ukrainische Christenheit byzantinischer Tradition: Die autonome ukrainisch-orthodoxe Kirche des Moskauer Patriarchats (die einzige derzeit von der Weltorthodoxie anerkannte Jurisdiktion), das "Kiewer Patriarchat" (an dessen Spitze "Patriarch" Filaret steht, einst russisch-orthodoxer Bischof in Wien, dann Metropolit von Kiew und Aspirant auf den Moskauer Patriarchenstuhl), die "autokephale ukrainisch-orthodoxe Kirche" (die auf Bestrebungen der 1920er Jahre zurückgeht), die ukrainischen Eparchien der Diaspora in Nordamerika (die dem Ökumenischen Patriarchat zugeordnet sind) und die ukrainische griechisch-katholische Kirche (die auf der Union von Brest des Jahres 1596 beruht). Der revolutionäre Ansatz des aus Kreta stammenden Grazer orthodoxen Theologen besteht nun darin, dass er eine Einigung aller fünf Jurisdiktionen anpeilt. Dabei ist ihm bewusst, dass eine solche Einigung der Zustimmung sowohl des Moskauer Patriarchen als auch des römischen Papstes bedarf.



Wenn dies gelänge und eine umfassende ukrainische Kirche der byzantinischen Tradition die Autokephalie mit allen Rechten erhielte, würde das zum einen die volle Kirchengemeinschaft mit der Gesamtorthodoxie bedeuten, womit ein großes innerorthodoxes Probleme beseitigt wäre. Zugleich würden auch die besten "hoffnungsvollen Voraussetzungen" auf dem Weg zur "vollen Communio mit Rom" geschaffen, so Larentzakis. Denn dann wäre auch einer der gravierendsten Stolpersteine auf dem Weg zur Einheit zwischen katholischer und orthodoxer Kirche aus dem Weg geräumt: der "Uniatismus".



Eine umfassende ukrainische Lösung könnte Vorbildwirkung auch für andere Kirchengebiete erlangen, ohne alte und neue Wunden aufzureißen oder das Grundrecht auf Religionsfreiheit in Frage zu stellen, befindet der orthodoxe Theologe.



Er räumt ein, dass seine Vision auf den ersten Blick utopisch erscheinen mag, was ihm trotzdem den Mut gebe, diesen Weg vorzuschlagen, sei die tiefe Gläubigkeit und Frömmigkeit der Menschen in der Ukraine, "die trotz der grauenhaften Prüfungen, von denen ihre Heimat ab 1914 betroffen war, nie ihr Gottvertrauen verloren haben".



Larentzakis sieht in der ukrainischen Problematik eine schmerzliche Streitfrage, die nicht nur die Einheit der "Kirche von Kiew" torpediert, sondern auch die der ganzen Orthodoxie bedroht. Daher müsse gehandelt und der mühsame Weg der geduldigen, spirituell geprägten synodalen Unterhandlung beschritten werden.



Dass Konstantinopel dabei eine besondere Rolle und Verantwortung zukommt, ist für den dem Ökumenischen Patriarchat zugehörigen und aus der Schule von Chalki kommenden Theologen selbstverständlich. Larentzakis zitiert die Worte des Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. in dessen Ansprache an in der Georgskathedrale im Phanar versammelte ukrainische Journalisten am 2. Juli dieses Jahres: "Wir beten für Frieden in der Ukraine. Unsere Hoffnung ist, dass der brudermörderische Krieg aufhört. Die Geschichte der Ukraine sollte für das ukrainische Volk heute eine Lehre sein, damit die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholt werden."



Die historische Bekehrung zum Christentum möge aus vor allem politischen Gründen erfolgt sein, aber die Annahme der Religion diente dazu, die Bedingungen für Frieden und Stabilität zu schaffen, damit Kultur und geistliche Entwicklung aufblühen konnten, erinnerte der Patriarch. Und das gelte auch für heute. "Einheit und Frieden sind für das Volk und die Kirche der Ukraine überaus erwünscht und essenziell", so Prof. Larentzakis mit den Worten von Patriarch Bartholomaios.



Die Ukrainer hätten - wie alle anderen Ostslawen - die Taufe von der Mutterkirche Konstantinopel empfangen, erinnert Prof. Larentzakis weiter. Das Ökumenische Patriarchat in Konstantinopel sorge sich deshalb "wie eine Mutter" um die Christen am Dnjepr. Aber das Patriarchat wolle das zweifellos nicht "gegen irgendjemand" tun, sondern nur in brüderlicher Eintracht "mit allen, die für die Christen der byzantinischen Tradition in der Ukraine Verantwortung tragen".



Im zweiten Jahrtausend seien - etwa mit der Proklamation des Moskauer Patriarchats im 16. Jahrhundert - autokephale orthodoxe Kirchen entstanden, denen die Autokephalie (Selbständigkeit) vom Ökumenischen Patriarchat eröffnet wurde, so der Grazer Theologe. Das damals wie heute Entscheidende sei, den Irrweg des "Phyletismus" (des religiös überhöhten Ethnonationalismus) zu vermeiden. "Dieser Irrweg wurde bereits bei der Synode von Konstantinopel 1872 feierlich als Häresie verurteilt", betont Prof. Larentzakis.









Hans Marte, Präsident der Stiftung „Pro Oriente“, Wien



Glücksfall für die Wissenschaft – Botschafter der Versöhnung

Grußwort anlässlich des Festaktes zum 75. Geburtstag von Univ.-Prof. Dr. Grigorios Larentzakis am 29. Oktober 2017



Eminenz, Exzellenzen, Herr Superindendent

und Ehrenmitglied Verehrter Prof. Larentzakis, lieber Freund der Stiftung Pro Oriente!

Die Geschichte meiner Begegnungen mit unserem Jubilar begann mit einem Buch: „Die orthodoxe Kirche, ihr Leben und ihr Glaube“ präsentiert 2001 im Festsaal des Schottenstiftes in Wien in Anwesenheit von Kardinal Franz König. Das Vorwort schrieb Kardinal Schönborn. Dort nannte er den Autor, Prof. Dr. Dr.Dr.h.c. Grigorios Larentzakis, einen Glücksfall für die Wissenschaft. Das ist er in der Tat. Seine umfangreiche Lehr- und Vortragstätigkeit, sein Engagement bei akademischen Organisationen und ökumenischen Großereignissen z. B. bei der Zweiten Europäischen Ökumenischen Versammlung in Graz und ihrer Frucht der Charta Oecumenica machten ihn schon bald zur „Stimme der Orthodoxie“ europaweit.

Aber er ist für uns mehr: Statt Glücksfall möchte ich hier lieber von Fügung und/oder Gottesgeschenk sprechen, um auszudrücken was er für PO und auch für die Ökumene war und ist.

Grigorios Larentzakis ist ein Brückenbauer und dafür besonders qualifiziert, weil er auch als Doktor der katholischen Theologie – er war der allererste – sein Gegenüber sehr gut kennt und ihm etwas zu sagen hat. Es ist nicht nur Interesse an der Orthodoxie, das erweckt, er versteht es, die Liebe zur den geistlichen Schätzen der Orthodoxie zu entzünden. Diese Verdienste anerkannte im vergangenen Jahr auch die Aristoteles Universität Saloniki, indem sie ihn als „Botschafter der Versöhnung“ für sein Lebenswerk auszeichnete.

Für Pro Oriente ist Grigorios Larentzakis, ich wiederhole, nicht nur die Stimme der Orthodoxie. Für uns ist er das Gesicht einer ökumenisch offenen, der ganzen Christenheit und der Welt zugewandten Orthodoxie. Geprägt von der einst berühmten theologischen Hochschule auf Chalki beurteilt er den derzeitigen Zustand der Ökumene keineswegs unkritisch. Sein Blick in die Zukunft führt gleichzeitig in die Vergangenheit:

Dort erinnert er an den vom II Vatikanischen Konzil einst ausgelösten ökumenischen Enthusiasmus, ferner an die Begegnungen des in seiner ökumenischen Bedeutung so sehr unterschätzten Papstes Paul VI mit Patriarch Athenagoras. Zu erinnern ist an dessen „Breve Anno Ineunte“, das nach Aussage von P. Emmanuel Lanne OSB beim legendären PO-Kolloquium Koinonia 1974 die volle kirchliche und sakramentale Gemeinschaft ermögliche. Vergessen ist auch der Fußkuss des Papstes am Delegierten ökumenischen Patriarchen Metropolit Meliton am 7.Dez.1975 in der Sixtinischen Kapelle und dessen herzliche Umarmung mit den Kardinälen König und Willebrands beim 1. Symposium von PO 1965.

Und gerne erinnern möchte ich auch an die Schlussworte des Festvortrages von Metropolit Damaskinos Papandreou beim bereits erwähnten PO Kolloquium 1974. Auch ein Prof. Ratzinger war anwesend. Ich zitiere „(Wir dürfen) nicht nur fragen, ob wir miteinander kommunizieren dürfen, sondern auch: Dürfen wir einander die Kommunion verweigern. Denn auch dies darf doch nur geschehen, wenn wirklich das Wesentliche des Glaubens und der Kirchenordnung dazu zwingt.“

Ich frage mich ernstlich, ob wir damals nicht schon weiter waren wie heute.



Die größte ökumenische Sünde sei das Vergessen, heißt es, bewusst oder unbewusst. Solche Worte könnten aus dem Mund unseres Jubilars stammen. Und die Erfahrung von PO gäbe ihm vollkommen recht.



Lieber verehrter Professor, PO hat zu danken. Seit Sie 1966 von Kardinal König in unsere Stiftung aufgenommen wurden, sind Sie unser Weggefährte, Mitstreiter, Konsultor, langjähriger, stellvertretender Vorsitzender der PO-Sektion Graz und tragende Säule der Gesamtstiftung, und als Ehrenmitglied aller Ehren würdig. Ein aufrichtiges und herzliches Vergelt´s Gott für alles, was Sie für PO und im Sinne PO´s getan haben. Bleiben Sie uns mit Gottes Hilfe noch lange erhalten.



Ich darf schließen mit einem Aufruf seiner Allheiligkeit Patriarch Athenagoras aus dem Jahre 1967: „Die Zeit für den Mut der Christenheit ist gekommen. Wir lieben einander, wir teilen denselben Glauben. Lasst uns vorwärts schreiten zur Herrlichkeit des einen Altars!“



Weit oben im hohen Norden, in Island in einem Klosterhof hat sein ökumenebewegter, hochgeschätzer Nachfolger  Patriarch Bartholomaios unlängst drei Bäumchen gepflanzt als Symbol für die Zusammenarbeit von Orthodoxen, Katholiken und Protestanten. Mögen die Bäumchen mithilfe des Hl. Geistes wachsen und gedeihen!



Heinz Panteleymon Gstrein, Kirchenpublizist, Wetzikon/Wien



Mein Schulbankkamerad

Begenungen mit Grigorios Larentzakis



Theologische Hochschule Chalki, Oktober 1961



Warten auf die Kreter vor Beginn des Studienjahres auf der

Prinzeninsel Heybeli im Meer von Marmara. Alle andern sind schon da in

dieser Kaderschmiede Chalki des Ökumenischen Patriarchats von

Konstantinopel: Phanarioten und Imbrier, geistlicher und

Theologennachwuchs aus den Orientpatriarchaten von Alexandrien,

Antiochia und Jerusalem samt dem Armenier Onnig und einem ganz jungen Syrisch-Orthodoxen vom Tur Abdin, aus den USA Georgios Papageorgiou, der spätere Erzbischof Spyridon von Nord- und Südamerika. Auch vom mit der Türkei verfeindeten Zypern Diakon Dionysios Papachristophorou, ein Schützling von Makarios und angeblich früher Kämpfer der EOKA. Sogar er durfte nach Chalki, wo uns auf der Straße die Türkenbuben an der Schultracht erkennen, mit Steinen bewerfen und „Makarios, Makarios“ rufen. Von der griechischen Insel Lesbos ist ein Ignatios Papadellis da, heute Griechenpfarrer in

St. Gallen, auch Mönche aus Patmos und vom Athos sind eben angekommen,unter ihnen vom Kloster Koutloumous Makarios Pavlidis, jetzt

Titularbischof von Lampsakos in Chambésy bei Genf.

Aber noch immer hält Regens Kyrillos Kypriotakis nach seinen kretischen

Landsleuten Ausschau -  da sind sie endlich. Mit dem sangesfrohen

Emmanuel Simandirakis und seiner Gitarre an der Spitze, inzwischen längst Pfarrer in Zürich. Aus der jungen Schar hebt sich ein markantes Profil ab, den klaren Blick ist fest in die Zukunft gerichtet. Der 18jährige heißt Grigoris, macht einen so guten Eindruck wie wenig andere. Als in der theologischen Anfängerklasse die Plätze verteilt werden, komme ich neben ihn auf dieselbe Bank zu sitzen. Das freut mich riesig.



ORF-Zentrum Küniglberg, Wien Frühsommer 1981



Wiedersehen mit Grigoris fast 20 Jahre nach der ersten Begegnung. Bei

einer Tagung der Hauptabteilung Religion des Österreichischen

Rundfunks über bedrängte Christen im Osten und der islamischen Welt.

Larentzakis spricht für die Griechisch-Orthodoxen in der Türkei. Ihre

Lage hat sich bedrohlich verschlechtert, seit wir in Chalki beisammen

waren: Ab 1964 durften dort nur mehr türkische Staatsbürger

ausgebildet werden. Das hat auch mich an der geplanten Fortsetzung meines dortigen Studiums gehindert. 1971 wurde die Theologische

Hochschule auf Weisung aus Ankara ganz geschlossen – und ist es auch 2017 noch!


Larentzakis konnte Chalki gerade noch beenden, er studierte dann in Innsbruck und wurde dort 1969 als erster Griechisch-Orthodoxer zum Doktor der katholischen Theologie promoviert. 1981 ist er gerade dabei, sich in Graz zu habilitieren. Gegen jede Art von ganz und gar nicht ökumenischen Widerständen. Doch gibt er nicht auf. Mit seinen Arbeiten zum Kirchenvater Athanasios dem Großen und einer trinitarischen Ekklesiologie wäre er bestens qualifiziert. Das Manko ist seine Treue zur Orthodoxie in einem Österreich, wo noch der Vorfahr des Dirigenten Herbert von Karajan die Konfession wechseln musste, um seine Professur zu bekommen. Grigoris macht unbeirrt weiter, fröhlich und zielbewusst. Kraft dazu gibt ihm inzwischen seine Familie. In Chalki hatten wir uns schriftlich zum Zölibat verpflichten müssen, der auch bei den Orthodoxen für höhere Geistliche vorgeschrieben ist. Und solche sollten wir ja werden, was aber schließlich die allerwenigsten begeistern konnte...



Bebek am Bosporus, Februar 1997



Grigorios Larentzakis führt eine Abordnung von österreichischen Journalisten zum Lokalaugenschein ins Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel. Er ist inzwischen Professor in Graz und ein ökumenisch angesehener orthodoxer Theologe. Doch über seinem akademischen Aufstieg vergisst er nicht, dass den bedrängten Orthodoxen am Bosporus nicht nur wissenschaftlich, sondern vor allem praktisch geholfen werden muss. Von den über 60 000 zu unsrer Zeit in Chalki in den frühen 1960er Jahren sind nur mehr knappe 3000 geblieben. Die anderen von den Türken ausgewiesen, hinausgeekelt, wegschikaniert. So hält sich der Herr Professor nicht für zu gut, immer wieder den Reiseleiter und Fremdenführer am Bosporus zu machen.

Bei Gelegenheit einer Besprechung mit dem heute vom Erdogan-Regime so verteufelten Reformmuslim Fethullah Gülen bin auch ich gerade in Istanbul und nütze die Gelegenheit, um die Gräber der Familie meiner Frau väterlicherseits in Bebek an der Meerenge zu besuchen. Umso mehr, als am 10. Februar, dem Fest des Hagios Charalampos, der Schwiegervater selig Namenstag hatte. Seinem Patron ist die orthodoxe Pfarrkirche des Ortes geweiht, Patriarch Bartholomaios I. kommt persönlich zum Kirchweihfest, Larentzakis folgt ihm mit seiner Gruppe. Nach dem Gottesdienst fordert er im Gemeindesaal Larentzakis auf, die Medienleute aus Österreich über die Lage der letzten orthodoxen Christen von Istanbul und Umgebung zu unterrichten. Er konnte keinen besseren Anwalt für die Propagierung seiner Anliegen finden...





Institut G2W, Zürich Mai 2004



Zur Jahrestagung vom auf die Christen im Osten, Südosten und Orient spezialisierten „Institut Glauben in der Zweiten Welt“ (G2W) wird Grigorios Larentzakis als Hauptredner eingeladen. Er ist inzwischen eine Autorität auf dem Gebiet der orthodox-katholischen Ökumene. Nicht zuletzt dank seinem populärsten Werk „Die orthodoxe Kirche. Ihr Leben und ihr Glauben“, das zur Jahrtausendwende in Graz und Köln erschienen ist. Die G2W-Versammlung findet am griechisch-orthodoxen Kirchenzentrum Hagios Dimitrios in Zürich statt. Dort gibt es für Grigoris ein herzliches Wiedersehen mit seinem Studienkollegen in Chalki, Emmanuel Simandirakis. Auch wir freuen uns über die neue Begegnung.

Auf Larentzakis war die Institutsleitung durch sein Auftreten bei einer Tagung der Lehrstuhlinhaber für orthodoxe Theologie und Ostkirchenkunde im deutschen Sprachraum in Würzburg aufmerksam gworden. Er warnte darin vor dem Nachlassen des Interesses, ja der lang richtigen Begeisterung für alles Orthodoxe in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Gleichgültigkeit breite sich aus, zugleich werden die Mittel immer knapper. Tatsächlich wurde ausgerechnet Würzburg als eines der traditionsreichsten Zentren ostkirchlicher Studien bald darauf zugesperrt. In Zürich rief Grigorios Larentzakis dazu auf, das Zu-Einanderfinden und Wiederzusammenwachsen der morgen- und abendländischen Kirchen nicht in Schläfrigkeit versanden zu lassen.

  

Orthodoxes Konzil, Kreta, Juni 2016



Auf der „Heiligen und Großen Synode der Orthodoxie“ im kretischen Kolymbari betreut Larentzakis die erlesene Schar von Konzilsbeobachtern. Einen Kardinal Kurt Koch oder den altkatholischen Erzbischof von Utrecht, Joris Vercammen. Hat sich der Grigoris doch in den Jahren zuvor auch um den Dialog des Ökumenischen Patriarchats mit den Altkatholiken verdient gemacht. Dieser setzt das gesamtorthodoxe Glaubensgespräch mit dieser Kirchenfamilie romfreier Katholiken fort, das als bisher einziges schon ende der 1980er Jahre mit Erfolg abgeschlossen war. Der Verwirklichung seiner Ergebnisse mit Anerkennung der Altkatholiken als abendländischer Orthodoxer und Aufnahme der eucharistischen Kirchengemeinschaft stellten sich aber von altkatholischer Seite bald Neuerungen wie die Frauenordination und offene Interkommunion mit evangelischen Kirchen entgegen. Um einen Ausweg aus dieser dornigen Situation ist Gregorios Larentzakis im Auftrag von Bartholomaios I. mit noch zwei Fachkollegen intensiv bemüht.

Auf Kreta spricht er aber auch von seiner Absicht, sich nach dem Konzil der Problematik in der Ukraine zu widmen, wo nach der Wende die kirchenpolitischen Interessen von gleich drei orthodoxen und einer griechisch-katholischen Kirche vor dem Hintergrund sich in Kiew überschneidender Jurisdiktionen von Konstantinopel und Moskau, aber auch Roms aufeinanderprallen. Dieses sein reifes Spätwerk hat Grigorios Larentzakis seitdem schon ebenso mutig wie vielversprechend in Angriff genommen!






Hermann Miklas, Evang. Superintendent, Graz


Mit ungebrochener Energie

Grußwort zum 75. Geburtstag von Univ.Prof. DDr. Grigorios Larentzakis



Eminenz, Exzellenzen, Vertreter des Landes und der Stadt, Vertreter/innen der Kirchen des Ökumenischen Forums, sehr geehrte Herren Präsidenten von PRO ORIENTE, sehr geehrte Fest und Ehrengäste, vor allem aber liebe Frau Dr. Margund Larentzakis und lieber Gregor!

Es war zu den Feierlichkeiten Deines 60. Geburtstages, als Du uns verraten hast, dass zwischen der Jahreszahl auf Deiner Geburtsurkunde und den persönlichen Angaben Deiner Mutter genau ein Jahr Differenz besteht, dass Du aus diesem Grund also ein ganzes Jahr lang feiern könntest. Mittlerweile habe ich allerdings den Verdacht, dass Deine Mutter Recht hat und Du jünger bist als auf der Geburtsurkunde angegeben, allerdings gleich um mehrere Jahre. Denn den „75er“ will man Dir nicht so recht glauben. Ungebrochen Energie geladen und eloquent wie eh und je bist Du auf den internationalen theologischen Bühnen nach wie vor mehr oder weniger omnipräsent…

Doch ist es heute Abend nicht meine Aufgabe, Deine internationalen Verdienste zu würdigen. Vielmehr spreche ich hier als Freund und als Vorsitzender des Ökumenischen Forums christlicher Kirchen in der Steiermark.

Hier in der Steiermark bist Du ein ökumenisches Ur-Gestein. Schon von Deiner ersten Stunde an (1970) hast Du Dich (im 1968 gegründeten) „Interkonfessionellen Arbeitskreis der Steiermark“ (IAS) engagiert. Gemeinsam mit Anderen (Prof. Bauer, Prof. Harnoncourt, Kurt Spuller oder Heimo Begusch… - um nur einige wenige Namen zu nennen) hast Du diesen Kreis nachhaltig geprägt. Und Ihr habt damit den Boden bereitet für die II. Europäisch-Ökumenische Versammlung. Hier war es nun auch damals schon das Netzwerk Deiner guten internationalen Kontakte, die es schließlich wirklich geschafft haben, diese Versammlung 1997 nach Graz zu holen.

Die II. EÖV war bedeutend für diese Stadt: Sie war das erste Großereignis dieser Art in unserer Stadt. Als einige Jahre später in Europa die Frage auftauchte, wo man denn die nötige Infrastruktur habe, um ein erstes gesamteuropäisches Imame-Treffen auszurichten, war es die damalige österreichische Außenministerin Dr. Benita Ferrero-Waldner, die in den internationalen Gremien deponierte, dass ihrer Meinung nach dafür nur eine einzige europäische Stadt in Frage käme, nämlich Graz. Ferrero-Waldner führte dafür ausdrücklich die hervorragende Austragung der II. EÖV ins Treffen – und so bekam Graz zum zweiten Mal den Zuschlag für eine derartige Großkonferenz. Und bis zu einem gewissen Grad mögen diese erfolgreichen „Generalproben“ auch eine Rolle gespielt haben für die Wahl von Graz als „Kulturhauptstadt Europas“ im Jahr 2003.

Die II. EÖV war ebenso bedeutsam für die Kirchen Europas: Sie stellte die erste breite Begegnung zwischen Ost und West dar nach dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989. Und aus ihr ist schließlich die Charta Oecumenica als Frucht erwachsen, die heute weltweit Maßstäbe für den ökumenischen Umgang der Kirchen untereinander setzt.

Nicht zuletzt war die II. EÖV aber auch bedeutsam für das ökumenische Klima in der heimischen Region. Sie gab den Anstoß, dass aus dem informelleren „IAS“ 1999 schließlich das wesentlich offiziellere „Ökumenische Forum christlicher Kirchen in der Steiermark“ hervorging. Gegründet im steiermärkischen Landtag. Deshalb gibt es seit einigen Jahren im Landtag Steiermark auch jährlich einen „Ökumenischen Jahresempfang“. Heuer, am 23. November, wird dieser dem Thema „Zwanzig Jahre II. EÖV“ gewidmet sein und der Frage nachgehen, was davon geblieben ist.

Das „Ökumenische Forum“ bemüht sich seither, das gute Miteinander der Kirchen in Deinem Geist fort zu setzen. Ich denke, die steirische Ökumene ist auch heute noch international „herzeigbar“. Gerade erst vor wenigen Wochen haben wir mit der Verlegung des „Steins der Versöhnung“ im Grazer Landhaushof einen weiteren Meilenstein gesetzt. Dieser trägt die Inschrift: „1517 – 2017 – 500 Jahre Reformation – gegeneinander – nebeneinander – miteinander“. Für alle Welt sichtbar ist dieses Zeugnis des guten Miteinanders nun an diesem bedeutenden Ort verewigt.

Das Plädoyer, nein: das Vor-Lebens eines guten Miteinanders der Kirchen hat exemplarische Bedeutung für die gesamte Gesellschaft. Zum einen für den großen Bereich der Integration, zum anderen aber auch für die Zivilgesellschaft. In einer Zeit, wo die einzelnen Milieus meist ganz unter sich bleiben und kaum mehr ein milieu-übergreifender Austausch gepflegt wird, ist die Betonung des Miteinanders von signalhafter Bedeutung.

Von einer Journalistin bin ich unlängst gefragt worden, ob die intensive Ökumene nicht zu einer Art „Verwaschenheit“ der konfessionellen Profile – bis hin zur Unkenntlichkeit – führen würde. Diese Gefahr besteht natürlich. Aber Du bist da das beste Gegenbeispiel. Du bist Zeit Deines Lebens stets mit Leib und Seele orthodoxer Theologe geblieben, über Deine konfessionelle Identität gab es nie auch nur den geringsten Zweifel. Aber Du hast es verstanden, uns Anderen die Orthodoxie anschlussfähig zu vermitteln – und Du hast es offenbar auch verstanden, Deiner Kirche anschlussfähig das Anliegen der Ökumene zu vermitteln. Und das ist das Geheimnis. Dafür danken wir Dir.

Da die Gratwanderung zwischen je eigener Identität und Gemeinsamkeit aber ebenso das Geheimnis einer gelingenden Beziehung im Privaten ausmacht, darf ich an dieser Stelle auch Eure Ehe, Eure Familie erwähnen, in der Euch das ebenfalls hervorragend gelungen ist – zwei starke Persönlichkeiten mit ausgeprägten eigenen Berufserfahrungen, die dennoch miteinander unterwegs sind… Das berufliche Engagement wird Euch auch in den kommenden Jahren noch weiter begleiten und es gehört zu Euch. Heute aber wünsche ich Euch ganz bewusst gemeinsam aus ganzem Herzen Gottes reichen Segen! Ad multos annos!   

Wilhelm Krautwaschl, Bischof von Graz-Seckau



Χρόνια πολλά

Grußwort anlässlich des Festaktes zum 75. Geburtstag von Univ.-Prof. Dr. Grigorios Larentzakis am 29. Oktober 2017 im Palais Meran

Sehr geehrte Festgäste!

Und vor allem: Sehr verehrter, geschätzter Jubilar!

Wie schon meine „Vorredner“ danke auch ich sehr herzlich für die Einladung zu diesem heutigen Fest – und: als Bischof der Diözese Graz-Seckau entbiete ich unserem Jubilar im Namen der katholischen Kirche in der Steiermark und in meinem eigenen Namen die besten Segenswünsche zum 75. Geburtstag.

Ich bin meinem Vorgänger, Bischof Johann Weber, sehr dankbar, der es möglich gemacht hat, dass 1970 mit Gregorios Larentzakis ein orthodoxer Theologe an der katholisch-theologischen Fakultät in Graz begann, Studenten und Studentinnen den geistlichen Reichtum der Ostkirche näherzubringen (auch ich war einer von ihnen). Später wird Papst Johannes Paul Il. davon sprechen, dass die Kirche Christi, um ihre volle geistliche Kraft zu entfalten, mit zwei Lungenflügeln atmen muss – mit dem des christlichen Ostens und dem des christlichen Westens. Prof. Larentzakis entwickelte in den folgenden Jahrzehnten eine rege ökumenische Wirksamkeit, die uns allen bekannt ist und die immer wieder öffentlich gewürdigt und auch ausgezeichnet worden ist. Unvergesslich sind seine Verdienste um die Zweite Europäische Ökumenische Versammlung 1997 in Graz. 2013 erhielt er aus den Händen meines unmittelbaren Vorgängers, Bischof Egon Kapellari, den päpstlichen Gregorius-Orden, eine der höchsten Auszeichnungen, die die Kirche von Rom an Laienchristen verleiht.

„Zum ökumenischen Dialog gibt es keine Alternative“ – so einst ein Satz von Professor Larentzakis, der mir im Gedächtnis hängen blieb. Daraus ergibt sich ein wichtiger Dauerauftrag an Christen sowohl der römisch-katholischen Kirche als auch der orthodoxen Kirchen, ist uns doch ein gemeinsamer, kostbarer Schatz – das Evangelium – anvertraut. Als Kirchen sind wir in Zukunft – mehr noch denn je – gefordert, Europa von West bis Ost mitzugestalten und Zeugnis davon zu geben, was es bedeutet, einander in Einheit und dennoch in Verschiedenheit zu begegnen.

Geschätzter Herr Prof. Larentzakis, ich danke Ihnen in dieser festlichen Stunde nochmals für Ihr vielfältiges Engagement um und im Miteinander der christlichen Kirchen. Ich danke auch Ihrer Frau und Ihrer Familie, die Sie durch die Jahre begleitet und unterstützt haben.



Möge Gott Sie reich segnen.

Χρόνια πολλά – Ad multos annos!

Ökumenische Information (öki), Berlin, über neueste Aktivitäten des Jubilars:

-          20. Dezember 2016

-          ÖKUMENISCHE INFORMATION 51-52

-          Nachrichten und Hintergründe

-          Konzil von Kreta verteidigt

-          Grazer Theologe: Ein Glaube in vielen Begriffen und Formulierungen



Graz/Athen. Die bisher gründlichste Untersuchung zu den Ergebnissen des orthodoxen Konzils (Heilige und Große Synode der Orthodoxie) von Kreta im letzten Juni und den Einwänden seiner Gegner hat nun Prof. Grigorios Larentzakis unter dem Titel „Die Methode der Kirchenväter und Allgemeinen Kirchenversammlungen im Unterschied zu den Leugnern der Heiligen und Großen Synode“ veröffentlicht. Ihr griechischer Text ist in zwei Folgen auf der dem Ökumenischen Patriarchat nahestehenden Website „amen.gr“ in Athen erschienen.

Einleitend weist der an der Universität Graz emeritierte griechisch-orthodoxe Theologe darauf hin, dass sich schon die altchristlichen Kirchen- und Konzilsväter der Sprache ihrer Zeit bedient haben. Das sei ein auch heute nachahmenswertes Beispiel. Indem auch von der Patristik Fachausdrücke der altgriechischen Philosophie übernommen wurden, machten sie den christlichen Glauben ihren Zeitgenossen verständlich. Besonders wichtig wurde die Heranziehung des griechischen Fachausdrucks Prosopon (Person) zur Bezeichnung der drei Personen des einen Gottes. Von der Trinitätslehre gelangte der Terminus dann auch in die orthodoxe Christologie und Anthropologie. So hat die Zweite Europäische Ökumenische Versammlung von Graz 1997 alle Kirchen und Verantwortlichen Europas zur Betonung der „Würde der menschlichen Person“ aufgerufen. In der „Charta Oecumenica“, die 2001 von allen Kirchen Europas angenmmen wurde, ist von der „Würde der menschlichen Person als Abbild Gottes“ die Rede. An die Stelle des Individuums ist so in der orthodoxen Anhropologie und Soziologie auf der Basis der Kirchenväter die menschliche Person getreten.

Dieser Ausdrucksweise bediente sich auch jetzt das Konzil von Kreta in mehreren Texten und in seiner Abschlusserklärung. Dort wird sogar der Zusatz „uns ähnlich“ (Gen 1,26) verwendet. Einer der Hauptkritiker des Konzils, Metropolit Hierotheos Vlachos von Navpaktos in Mittelgriechenland, erhebt hingegen den Vorwurf einer Abweichung zum Menschenbild der deutschen idealistischen Philosophie. Dafür beruft er sich auf den später in England lebenden Athos-Starzen Sophronij Sacharow (1896-1993). Larentzakis wirft zu dieser Argumentation die Frage auf, wer denn schließlich mehr Gewicht habe: Die Kirchenväter und alten Konzilien oder ein Starez Sophronij?

Er verweist weiter auf das Zeugnis des Wüstenvaters Makarios des Ägypters (300-391), der in der persönlichen Begegnung der Menschen untereinander eine der wichtigsten Tröstungen in diesem Leben erblickte. So gehöre es zu den Höllenqualen, dass die Verdammten keine Gesichter (die Grundbedeutung von prosopon) mehr hätten (PG 34, 257). Genau darin liege – so Larentzakis – der oft höllische Zustand auf Erden, da sich die Menschen nicht mehr persönlich, sondern als Individuen im Konkurrenzkampf aller gegen alle begegnen. Hingegen sollte das Vorbild des innertrinitarischen Verhältnisses der drei göttlichen Personen auch für alle zwischenmenschlichen Beziehungen in Familie, Gesellschaft und Staat gelten, wie es schon der hl. Athanasios der Große beschrieben hat. Er fand darin bei den hhl. Basilios, Gregorios dem Theologen (von Nazianz) und im Spätmittelalter beim Hagios Grigorios Palamas (1297-1359) würdige Nachfolger.

Zum Ende seiner Entgegnung auf diese und andere Wortklaubereien der Konzilsgegner, besonders jener in Griechenland, weist Larentzakis auf die Empfehkung der Kirchenväter hin, in der Kirche nicht über Wörter und dogmatische Formulierungen zu streiten, sondern sich um die Liebe untereinander und die rechte christliche Gesinnung zu bemühen. Derselbe, eine Glaube könne mit verschiedenen Worten und Begriffen ausgedrückt werden!

Das richtet sich gerade jene heutigen Konzilsgegner, die ihre Einwände als „den Heiligen Vätern gemäß“ bezeichnen, in Wahrheit aber weit vom Geist der Kirchenväter entfernt sind. Sie halten sich sklavisch an den Wortlaut der Vätertexte, ohne ihren tieferen und damit zeitlosen Sinn zu erfassen.

Im zweiten Teil seiner Untersuchung beschäftigt sich Prof. Larentzakis mit der Behauptung der Patriarchatskirchen von Antiochia, Moskau, Bulgarien und Georgien, ihre Abwesenheit vom Konzil auf Kreta habe dieses ungültig gemacht. Er verweist auf Beispiele aus der alten, ungeteilten Kirche des ersten christlichen Jahrtausends, in denen sich Konzilsschwänzer nur selbst ins Abseits gesetzt hatten, statt die Gültigkeit und schließlich auch gesamtkirchliche Akzeptanz von Konzilien und ihrer Beschlüsse zu beeinträchtigen.

Das Beispiel der frühen Christenheit gelte auch für nachträgliche Billigung zunächst angefochtener Kirchenversammlungen und eine spätere Unzerzeichnung ihrer Beschlüsse. Gerade dazu ruft Grigorios Larentzakis jetzt die Kirchenführungen in Damaskus, Moskau, Sofia und Tbilissi sowie jene Bischöfe aus Griechenland und Zypern auf, die das Konzil von Kreta noch in seiner Gesamtheit ablehnen oder einzelne seiner Dokumente - wie vor allem das „Ökumenismusdekret“ - noch nicht unterzeichnet haben. „Die Zukunft steht dafür in der weiteren konziliären Entwicklung der Orthodoxie weit offen!“




ÖKUMENISCHE INFORMATION 31-32


1.    August 2017

Das Wunder von Istanbul Orthodoxes Gedenken mit Schwerpunkten Hagia Sophia und Primat



Istanbul/Athen/Graz. Der 50. Jahrestag des Besuchs von Papst Paul VI. bei Patriarch Athenagoras I. an dessen Istanbuler Amtssitz Phanar am 25. Juli 1967 bot jetzt der griechisch-orthodoxen Seite Anlass zu ausführlichen Rückblicken, Würdigungen und Prognosen, wie das damals Gesagte und Erreichte heute neue Impulse für das weitere ökumenische Zusammenfinden von Orthodoxen und Katholiken bewirken könne. Dabei standen die Fragen des päpstlichen Primats und von katholischem Bei- stand beim Abwehren einer Rückverwandlung des Hagia-Sophia-Museums von Istanbul zur Moschee im Mittelpunkt der Ausführungen...

Mit dem gerade beim aktuellen Dialog von Katholiken und Orthodoxen wieder dornigen Thema des päpstlichen Primats und Hinweisen auf eine recht verstandene ostkirchliche Akzeptanz bereits bei der Begegnung vom 25. Juli 1967 beschäftigt sich der emeritierte orthodoxe Theologe in Graz, Gri- gorios Larentzakis (amen.gr vom 24. Juli). Unter dem Titel „Die Sache mit dem Primat des Papstes“ erinnert er daran, dass Paul VI. schon vor 50 Jahren Athenagoras eine Lösung zu den Papstdogmen des Ersten Vatikanischen Konzils von 1870 über globalen Jurisdiktionsprimat und Unfehlbarkeit des Bischofs von Rom angeboten hatte. Dies gehe nicht nur aus den Ansprachen in der Patriarchen- kirche Hagios Georgios hervor, sondern sei vor allem in dem Päpstlichen Breve enthalten, das bei dem zweiten Treffen am Abend des 25. Juli in der Nuntiatur verlesen und an Athenagoras I. überreicht wurde. Dieses Breve wurde in der Folge eingehend von Emmanuel Lanne OSB (1913-2010) von der belgischen Abtei Chevtogne analysiert. Larentzakis kommt zu dem Schluss, dass dieser „Rundum-Ökumeniker“ – er war auch einer der ersten katholischen Mitarbeiter bei Glaube und Kirchenverfassung des ÖRK – dabei zu der Überzeugung gelangte, dass bei beiderseitiger Rezeption der Aussagen dieses Päpstlichen Kurzdokuments „schon tags darauf die vol- le Kirchengemeinschaft zwischen Rom und Konstantinopel wieder aufgenommen werden könne“. Auf diesem Fundament stehe auch die von Joseph Ratzinger 1974 gewagte Aussage: „Rom muss vom Osten nicht mehr an Primatslehre fordern, als auch im ersten Jahrtausend formuliert und gelebt wurde. Wenn Patriarch Athenagoras am 25.7.1967 beim Besuch des Papstes im Phanar diesen als Nachfol- ger Petri, als den ersten an Ehre unter uns, den Vor- sitzenden der Liebe, benannte, findet sich im Mund dieses großen Kirchenführers der wesentliche Ge- halt der Primatsaussagen des ersten Jahrtausends, und mehr muss Rom nicht verlangen.“ Larentzakis bedauert, dass es Ratzinger als Papst Benedikt XVI. nicht vergönnt war, ekklesiologische und kirchen- rechtliche Konsequenzen aus dieser seiner Einsicht zu ziehen. Er habe das als Erbe seinem Nachfolger Franziskus hinterlassen: „Von ihm aber erwarten wir Orthodoxen nun aber umso mehr.“







ÖKUMENISCHE INFORMATION 30

25. Juli 2017



Prüfstein für orthodoxe Einheit

Theologe Larentzakis legt Vorschlag zur Ukraine-Frage vor



Athen. In Sachen Verselbständigung (Autokephalie) der ukrainischen Orthodoxen und ihres Zusammenfindens zu einer Kirche anstelle der bisher vier postkommunistischen Jurisidiktionen ist aus den Reihen des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel ein weiterer Vorstoß in Richtung Losslösung der Metropolie Kiew von Moskau erfolgt: Drei Wochen nach der dafür weigweisenden „Botschaft an das ukrainische Volk“ von Patriarch Bartholomaios I. (öki vom 9- Juli 2017) hat die dem Phanar nahestehende Athener Website „amen.gr“ Überlegungen zu „Einer Autokephalen Geeinten Kirche der Ukraine“ hochgeschaltet. Sie stammen von Prof. Grigorios Larentzakis, der in Chalki und Innsbruck studiert hat und bis zu seiner Emeritierung an der Universität Graz lehrte. Er gilt als einer der zentralen theologischen Berater des Ökumenischen Patriarchen. Bei der „Großen Orthodoxen Synode“ von Kreta war ihm 2016 die Betreuung der ökumenischen Konzilsbeobachter mit Kardinal Kurt Koch an der Spitze anvertraut.

Larentzakis sieht in der ukrainischen Problematik eine der besonders schmerzlichen Streitfragen, die nicht nur die Einheit der Kiewer Kirche torpedieren, sondern jene der gesamten Orthodoxie gefährlich in Frage stellen. Dem Ökumenischen Patriarchat liegt inzwischen ein offizielles Ansuchen um Gewährung der Autokephalie vor. Zur Prüfung dieses Anliegens wurde eine eigene Kommission eingesetzt. Es ist daher an der Zeit, sich mit diesem Thema ernsthaft ekkleseologisch zu beschäftigen.

In einem Überblick zur Entwicklung in Sachen Verwaltung eigenständiger, doch miteinander in Gemeinschaft stehender Kirchen seit der frühen Christenheit weist Larentzakis auf die im ersten Jahrtausend besrtehende Führung der Gesamtkirche durch das Kollegium von fünf autokephalen Patriarchen (Pentarchie) in Rom und Konstantonopel, Alexandria und Antiochia hin. Von ihnen führten der römische und der alexandrinische Patriarch den Titel „Papst“. Auf dem Konzil von Ephesus 431 wurde erstmals auch einer Kirche – jener von Zypern – die Autokephalie ohne Patriarchenwürde zuerkannt.

Dann dauerte es – mit Ausnahme bis heute strittiger Bildung georgischer, bulgarischer und serbischer Autokephal- bzw. Patriarchatskirchen im Mittelalter - mehr als tausend Jahre, bis Konstantinopel seinem Metropolitansprengel Moskau 1448 die Autokekephalie und 1589 den Rang eines Patriarchates verlieh. Damit war nach der Loslösung Roms im Gefolge des Schismas von 1054 die Pentarchie wieder komplett, mit dem Ökumenischen Patriarchat an erster und Moskau an fünfter Stelle. 

Beginnend mit der Entstehung unabhängiger Balkanstaaten im 19. Jh. erhielten auch ihre orthodoxen Kirchen Eigenständigkeit. So 1850 jene in Griechenland, gefolgt von Serbien und Rumänien, denen 1922 bzw. 1925 auch die Aufwertung zu Patriarchaten zuteil wurde. Von den Gewährungen der Autokephalie in der Zeit zwischen den Weltkriegen, Polen 1924 und Albanien 1927, ist der polnische Fall für eine heutige Lösung in der Ukraine besonders revelant: Konstantinopel hatte zwar die Metropolie von Moskau, nicht aber jene von Kiew aus seiner Jurisdiktion entlassen. Das erfolgte erst in den 1920er Jahren für jene Diözesen, die damals zu Polen gehörten. Die übrige Ukraine verblieb kanonisch ihrer Konstantinopler Mutterkirche, obwohl sich die Reichskirche des zarischen Russland seit dem späten 17. Jh. faktisch in ihren Besitz gesetzt hatte.

Schließlich wurden 1946 auch die bulgarische (1961 als Patriarchat anerkannt) bzw.1990 auch die georgische (unter Anerkennung ihres schon lang eingeforderten Patriarchates) und 1998 die tschechisch-slowakische Orthodoxie autokephal. Vorenthalten bleibt dieser Status jedoch weiter der Makedonischen und der Ukrainischen Orthodoxen Kirche, da sie von Belgrad bzw. Moskau als unaufgebbare Teile ihres „kanonischen Territoriums“ hingestellt werden. 

Prof. Larentzakis ist sich daher darüber im Klaren, es drohen mit Verleihung ukrainischer Autokephalie zunächst „eine große Spaltung im Schoß der gesamten orthodoxen Kirche und schmerzliche Auseinandersetzungen des Ökumenischen mit dem Moskauer Patriarchat, das in übertriebener Weise jeden Gedanken an eine autokephale Ukrainische Orthodoxe Kirche zurückweist.“ Dennoch vertritt Larentzakis den Standpunkt, dass ohne Autokephalie die schon 25jährige orthodoxe  Kirchenspaltung in der Ukraine nicht überwunden werden kann. Das würde die nicht nur politischen, kriegerischen, wirtschaftlichen und sozialen, sondern ebenso kirchlich-geistlichen Nöte des ukrainischen Volkes verewigen. Larentzakis sieht also akuten Handlungsbedarf.

Die ukrainische Kirchenkrise lasse sich auf dem Fundament der tiefen Gläubigkeit und Frömmigkeit des ukrainischen Volkes in allen einander kirchenpolitisch widerstreitenden Jurisdiktionen zwar nicht leicht, aber doch aussichstreich lösen. Zu diesen Jurisdiktionen zählt Grigorios Larentzakis – und das ist der neue Aspekt seiner Unterschung – nicht nur die moskautreue autonome Ukrainische Orthodoxe Kirche und die mit dieser verfeindeten Anhänger des „Kiewer Patriarchats“ und der „Autokephalen“, sondern ebenso die Ukrainische Griechisch-Katholische Kirche. Diese hatte 1596 die Gmeinschaft mit Rom wieder aufgenommen, ohne ausdrücklich die Communio mit dem Ökumenischen Patriarchen und über diesen mit der gesamten Orthodoxie aufzugeben. In der Praxis war daraus jedoch eine bald mehr, bald weniger straffe Bevormundung durch die römische Osatkirchenkongregation geworden. Unvergessen bleiben die schmerzlichen Worte des griechisch-katholischen Metropoliten Iossif Slipiy nach seiner Entlassung aus der Haft in Sibirien Richtung Rom: „Was ist schlimmer als der Gulag? Der Vatikan!“

Seit der Wende bemüht sich die Ukrainische Griechisch-Katholische Kirche um Wiederaufnahme der Communio mit den Orthodoxen, ohne darüber ihre Gemeinschaft mit Rom aufzugeben. Das fand aber bisher weder auf orthodoxer und schon gar nicht von römisch-katholischer Seite entsprechende Gegenliebe. Eine erste „Kiewer Arbeitsgruppe“ dieser Ausrichtung versandete schon in den 1990er Jahren. Der 2015 neu unternommene Anlauf landete in der Schublade des in Sachen Ukraine für den Phanar noch federführenden Pariser Metropoliten Emmanuel Adamakis.

Da tritt nun Prof. Larentzakis mit seinen handfesten Vorschlägen zur kirchlichen Lösung der ukrainischen Frage in die Bresche und entwirft die folgende Vorgangsweise:

1.Grunsätzliche Einigung aller ukrainischen Christen byzantinischer Tradition zur Schaffung einer gemeinsamen autokephalen Kirche und die Gewährleistung ihrer, freien nicht von außerhalb der Ukraine diktierten Entscheidung dazu.

2. Erlangung der Zustimmung des Moskauer Patriarchates zu dieser Vorgangsweise.

3. Zustimmung des Papstes, was die ukrainischen Griechisch-Katholischen angeht.

4. Gemeinsames Ansuchen um Gewährung der Autokephalie beim Ökumenischen Patriarchen. - Bisher steht in Kiew die Moskauer Jurisdiktion dabei noch abseits.

Prof. Grigorios Larentzakis schließt seine Ausführungen mit der Gewissheit, dass das orthodoxe ukrainische Volk diesen Weg gehen will: „Damit haben wir Grund zur Hoffnung!“

  




ONA 









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