Τετάρτη, 18 Οκτωβρίου 2017

Zuflucht Kurdistan wird zur Christenfalle. Dramatische Entwicklungen nach Unabhängigkeits-Referendum








Von Heinz Gstrein



Im Irak kommen die Christen einfach nicht zur Ruhe: Eben erst konnten sie von der tödlichen Bedrohung durch die Terrormiliz Islamischer Staat (IS, Daesch) nach dessen Niederlagen in Mossul und zuletzt dem syrischen Raqqa aufatmen. Die meisten von ihnen waren vor drei Jahren zu den Kurden geflüchtet, die als einzige den Dschihadisten militärisch die Stirn boten und ihren Vormarsch östlich vom Tigris zum Stehen brachten. Das autonome irakische Kurdistan bot den christlichen Flüchtlingen Schutz und Überlebenshilfe.


Schon öfter in seiner Geschichte hatte es sich als Rückzugsgebiet für die aramäische Christenheit Mesopotamiens bewährt, besonders ab dem 13. Jh. vor den Mongolen. Von den osmanischen Türken über  die britischen Herrschaft zwischen den Weltkriegen und dann erst recht mit dem blutigen Diktator Saddam Hussein war das Bergland jedoch zur Christenfalle geworden, wo katholische „Chaldäer“ und orthodoxe „Assyrer“ ohne Unterschied massakriert wurden. Erst die Errichtung eines Gebietes kurdischer Selbstverwaltung nach dem ersten Golfkrieg von 1991 machte dieses zu einem sicheren Hafen seiner christlichen Bewohner und für alle jene, die aus dem übrigen Irak – aus Basra und Bagdad vor allem – von meist schiitischen Fanatikern vertrieben wurden. Das autonome irakische Kurdistan zeichnete sich auch – wie sonst in Nahost nur Libanon und Israel - durch demokratische Strukturen und Multitreligiosität aus. Erst recht in den letzten drei Jahren, als es zusätzlich die vom IS aus Mossul und der Ebene von Niniveh vertriebenen Christen aufnahm.

Nun aber wollte die kurdische Führung als Preis für ihre entscheidende Rolle beim Niederkämpfen des Islamischen Staats die Selbstverwaltung zur Unabhängigkeit aufwerten. Als ihr das nicht gewährt wurde, ließ Kurdenpräsident Massud Barzani am 25. September im Alleingang darüber abstimmen und bekam eine mehr als 90prozentige Unterstützung.

Diese Rechnung hatte er jedoch ohne die erklärten Feinde der kursisachen Sache ringsum gemacht: Iraker, Türken und Iraner verständigten sich, forderten von den Kurden Verzicht auf die Unabhängigkeit und eine Räumung aller Gebiete, die sie 2014 über ihre Region hinaus vor dem IS bewahrt hatten. In erster Linie die Erdölstadt Kirkuk. Anfang der Woche sind die Iraker in diese einmarschiert und haben so einen neuen Krieg nach Kurdistan getragen.

Kirkuk ist neben der kurdischen Autonomiehauptstadt Erbil ein Hauptzufluchtsort für christliche Flüchtlinge vor Islamistengewalt geworden: „Wir haben hier neben den Altflüchtlingen aus dem Süden 800 christliche Familien, die dem Daesch weichen mussten“, telefonierte am 16. Oktober der Dominikaner Yousif Thomas Mirkis, chaldäisch-katholischer Erzbischof von Kirkuk. Insgesamt dürften sich in Kurdistan noch an die 100 000 Christen aus den inzwischen befreiten IS-Gebieten aufhalten. „An ihre Rückkehr ist noch nicht zu denken. Daher wurden sie sozial für noch längeres Bleiben abgesichert, wir haben ihnen Häuser und Kirchen gebaut, Schul- und Studienprogramme für die Jugend organisiert. Laiengruppen kümmerten sich um sie. Jetzt holt uns der Krieg aber auch hier ein.

Was die Christen von Kirkuk noch mehr fürchten als die Konfrontation irakischer Regierungstruppen und Schiitenmilizen mit den kurdischen Peschmerga-Kämpfern ist die Bewaffnung ihrer  turkomanischen Nachbarn durch Ankara. Diese Gruppe von Volkstürken im Nordostirak ließ sich schon öfter gegen die aramäischen Christen missbrauchen. Nicht nur 1933 beim schrecklichen Massaker von Semile drunten am Tigris, wo 60 Christendörfer zerstört und alle männlichen Einwohner über zehn Jahren abgeschlachtet wurden. Die Opfer gingen in die Zehntausende. Das und späteres haben die Christen nicht vergessen und befürchten es jetzt von Präsident Erdogans fünfter Kolonne im Irak aufs Neue. Jedenfalls hat aus dem südöstlich von Kirkuk liegenden Tuz Turkomanenchef Niazi Oglu schon ein „gnadloses Vorgehen“ gegen kurdische wie aramäische „Separatisten“ angekündigt.

Kein Wunder, dass jetzt nicht nur vor Ort, sondern auch im Vatikan die Unruhe angesichts dieser neuen Gefahren wächst. Die irakischen Bischöfe sprechen von „gefährlicher Zuspitzung“. Sollte der frische Konflikt in Kurdistan militärisch ausufern, könnten sich auch die dort ausharrenden Christen nur mehr in die Emigration retten. Davor hat schon Papst Franziskus eben erst zum 100jährigen Bestehen des Päpstlichen Orientalischen Instituts in Rom gewarnt.




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