Τρίτη, 31 Οκτωβρίου 2017

Unter rotem Hakenkreuz





Im Kairoer Gasthaus „Löwenbräu“ gerate ich in erregte, oft aber auch konstruktive Diskussionen zwischen deutschsprachigen, manchmal sogar deutschnationalen Juden und nationalsozialistischen »Ehemaligen«. Von den beiden gegensätzlichen Gruppen war die erste zwischen 1933 und 1941, die zweite dann nach 1945 nach Ägypten gekommen, wo man Gastfreundschaft höher als jedes Auslieferungsbegehren stellt. Sogar die Exilrussen werden mit ihren alten Zarenpässen weiter am Nil akzeptiert, obwohl jetzt Nasser den Strom mit sowjetischer Hilfe aufstaut.




Samstag für Samstag geht jedenfalls an der Kairoer »Straße des 23. Juli« vor dem Löwenbräu die Hakenkreuzfahne hoch, Rot auf Weiss im schwarzen Umfeld, denn anders herum ist es doch verboten. Da singen dann ein Mengele – er hat sich vom KZ- zum Kinderarzt herausgemacht – und seine Kumpane wilde antisemitische Lieder wie »Am Bahnhof in Jerusalem«. Bis nach Sabbatende aus der nahe gelegenen Synagoge „Tor des Himmel«“ deutsche Juden in gar nicht geringer Zahl zu ihnen stoßen, meist mit dem Sexologen und Schönheitschirurgen Dr. Ludwig Levy-Lenz an der Spitze. Seine Spezialität ist die operative Wiederherstellung verlorener Jungfräulichkeit, wichtig für ägyptische Bräute!

Jetzt erklingen gemeinsam das „Heideröslein“, „Ich hab mein Herz in Heidelberg verloren“ und sogar „Wenn alle untreu werden“. Da wird zwar darüber diskutiert, ob dieser Marsch der Waffen-SS überhaupt gemeinsam gesungen werden könne. Immer wieder entscheidet man sich aber für seinen Dichter Max von Schenkendorf und eine vornazistische deutschnationale Gesinnung als gemeinsame Basis. Gerade Levy-Lenz stellt die Hypothese auf, dass der Antisemitismus etwas zutiefst Undeutsches sei, abgekupfert vom Antijudaismus der Klerikalen und österreichischen Christlich-Sozialen eines Dr. Lueger. „Das könnt Ihr schwarz auf weiß in meinen Memoiren ‚Diskretes und Indiskretes‘ nachlesen“ bekräftigt er.
Ludwig Levy-Lenz wurde 1889 in Posen geboren, studierte in Heidelberg Medizin, war im Ersten Weltkrieg deutscher Militärarzt im besetzten Russland. Von 1925 bis 1933leitete er die Frauenabteilung des Magnus-Hirschfeld-Instituts in Berlin und wirkte in dessen Sexualberatungsstelle. Er führte erste operative Geschlechtsumwandlungen an Transvestiten durch. 1939 musste er Deutschland verlassen und ging nach Kairo ins Exil. Levy-Lenz starb 1976

Kairo, Juli 1965

Aus: Heinz Gstrein, Gedanken eines Journalisten – Konflikte unserer Zeit, Bregenz 2011 (edition sckell), 26-27.


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