Δευτέρα, 30 Οκτωβρίου 2017

Saudischer Reformprinz. Mohammed Bin Salman will sein Land umkrempeln.




His Royal Highness Mohammed Ben Salman

Von Heinz Gstrein

Schon seine Einsetzung als Kronprinz war ein Bruch von Saudi-Arabiens erstarrtem System: Mit Mohammed Ben Salman wurde plötzlich im letzten Sommer ein Sohn des herrschenden Königs als Nachfolger designiert und damit nach saudischem System auch zum Mitregenten gemacht. Ein Vierteljahrtausend lang musste die Herrscherwürde im Bruderkreis reihum gehen. Wie das nur im Mittelalter beim Großfürstentum Kiew der Fall war. Mit dem Unterschied, dass die saudische Haremswirtschaft viel mehr potentielle Erbprinzen hervorbrachte als anderswo. So liegt die Führung der Erdölgroßmacht schon seit 1953 bei einem der vielen Söhne von Abdel Aziz Ibn Saud, zur Zeit bei König Salman, der 2015 erst als 80jähriger an die Reihe kam. 


Trotz seines hohen Alters wurden von ihm Reformen erwartet, die aber bis zu dieser neuen Nachfolgeordnung auf sich warten ließen. Ihr Nutznießer, der erst 32jährige Mohammed Bin Salman, stand zunächst in gar keinem guten Ruf: Als Verteidigungsminister war er treibende Kraft hinter der brutalen Invasion im Jemen, dem einzigen Land auf der Arabischen Halbinsel, das sich schon seit den 1930er Jahren der Saudi-Expansion rundum erfolgreich widersetzt: Im Bund mit Mussolini, Ägyptens Nasser und heute dem Iran. Doch dann ließ der Kronprinz plötzlich die Leuehtrakete von Führerscheinen ab 18 und 2018 für Saudi-Arabiens bisher auch am Steuer diskriminierte Frauen hochglühen.
Anfangs wurde das noch als eine ihm von einer seiner Gespielinnen abgeschmeichelte Konzession heruntergemacht. Inzwischen verkündet Mohammed Bin Salman jedoch eine allgemeine Abkehr seines Landes vom bisher staatstragenden Wahhabismus, einer besonders radikalen Richtung des Islam. Auf ihrer Durchsetzung beruhte seit 1735 die Eigenart und das Sendungsbewusstsein der Saudis in einer gemäßigter sunnitischen und Schiitenumwelt. Doch ein Konzept, das eigentlich schon seit den 1920er Jahren mit Eroberung der heiligen Muslimstädte Mekka und Medina und damit der Führung im Weltislam überholt war. Das saudische Vorbild wirkte längst nur mehr für fanatische Außenseiter wie Al-Kaida oder die IS-Terrormilizen wegweisend. Das in Wien 2011 errichtete Dialogzentrum KAICIID widersprach jeder saudischen Realität. Das könnte jetzt anders, das heißt glaubwürdiger werden.



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