Κυριακή, 29 Οκτωβρίου 2017

Patriarch Batholomaios: Existentiell verwundete Schöpfung. Orthodoxe Deutung von Umwelt-Katastrophen aus der Heilsgeschichte









Von Heinz Gstrein


Nicht nur die Gletscher schmelzen von Grönland bis in die Alpen: Schon gerät unter ihnen das Gestein in Bewegung, wie dieses Jahr der Felssturz von Bondo in Graubünden und erst in diesen Tagen wieder der große Bergrutsch im Pinzgau gezeigt haben. Er blieb wie durch ein Wunder wenigstens ohne Opfer an Menschenleben.


Für Bartholomaios I. von Konstantinopel, den „grünen“ Patriarchen, handlt es sich aber auf jeden Fall um eine „Verwundung der Natur“ mit Langzeitfolgen, die schlimmer sind als das auslösende Elementarereignis. Dazu gehöre letztlich „eine Verhinderung jeden Fortschritts“, wie der Ökumenische Patriarch der Orthooxie erst unlängst auf einer ökologischen Konferenz in Island dargelegt hat.

Man dürfe das Problem die Problematik der ausufernden Umweltkatastrophen nicht damit beschönigen, dass ihnen globale Wellen der Hilfsbereitschaft folgent, die uns den Glauben an das Gute und Edle im Menschen wiederschenkent. Neben offenen Spenderherzen gebe es auch scheußliche sexuelle Vergehen an überlebenden Kindern und regelrechten Pornohandel mit schutzlosen Waisen. Das bestärke etliche christliche Fundamentalisten darin, von einem apokalyptischen Gottesgericht und der Bestrafung himmelschreiender Sünden zu predigen.

Ansonsten habe gerade der Westen fast keine Sinndeuter dieser gigantischen Katastrophe hervorgebracht. Sicher ist im Abendland die Deutungshoheit von Katastrophen schon seit der Aufklärung weitgehend von der Theologie an die Naturwissenschaft übergegangen.

Auch tut sich das Christentum mit seinem Bild von einem allgütigen und allmächtigen Gott viel schwerer mit der Erklärung von allem Bösen als die asiatischen Religionen. Für den Islam sind diese Schrecken ein direktes, wenn auch unerklärliches Handeln Gottes. Auch für die Hindus war z.B. der Mega-Tsunami von 2004 einfach das Werk von Gottes allgegenwärtigem Willen.

Besonders wertvoll ist jedoch der ziemlich einzigartiger Beitrag griechisch-orthoxer Spiritualität zur geistigen Einordnung und damit auch Verarbeitung der Ausbrüche einer Brutalität, die aller Natur innewohnt. Der gerade ökologisch so engagierte Patriarch Bartholomaios I. wid nicht müde, „menschengemachte“ oder zumindest durch Menschen mitverschuldeten Katastrophen anzuprngern. Darunter rechnet er auch das Versäumnis Frühwarnsysteme vor Katastrophen einzurichten. Diese Unterlassung sei ein Verbrechen, das eine Fülle anderer Untaten nach sich zieht.

Den eigentlichen theologischen Kern von Umweltkatastrophen erblickt Bartholomaios jedoch nicht so sehr im menschlichen Versagen, wie in einer tiefen, existentiellen Verwundung der ganzen Schöpfung durch Sünde und Tod. Das ist die besondere ostkirchliche Sicht von Naturkatastrophen: Zerstörung nicht als göttliches Strafgericht, sondern als Manifestation einer inneren, ontologischen Störung an allem geschaffenen, gefallenen Sein. Nicht nur die Menschen, sondern mit ihnen der gesamte Kosmos sind in Unordnung geraten.

Das Erlösungswerk von Jesus Christus zielt hingegen auf die Vergöttlichung des Menschen und seiner Umwelt ab. Die ökologische Arbeit wird so mit zum Erlösungswerk, wird zum Bestandteil einer kosmischen Liturgie. Dasselbe gilt für jede den Opfern von Naturkatastrophen erwiesene Nächstenliebe. Der zentrale Sieg über Sünde und Tod, Desaster und Not in Natur und Technik kann aber nur durch die Einbindung des Menschen in das Kreuz und die Auferstehung von Jesus Christus im Leben der Kirche und in seiner persönlichen Frömmigkeit errungen werden.






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