Παρασκευή, 13 Οκτωβρίου 2017

Konstantinopel: „Ökumeniker“ im Aufwind. Wichtige Personalentscheidungen im Patriarchat Konstantinopel










Von Heinz Gstein

Der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. hat Anfang Oktober überraschende, doch umso entscheidendere personelle Veränderungen in seiner Kurie vorgenommen. Die Neubesetzungen betreffen die Schlüsselpositionen seines Generalvikars (Protosynkellos), Erzdiakons und Privatsekretärs sowie den besonders wichtigen Posten des Erzsekretärs beim Heiligen Synod.


Dieses „Köpferollen“ im Phanar geht weit über jenes hinaus, das Bartholomaios 2008 nach dm Aufbegehren von zwei Metropoliten verfügt hattea. Offiziell wurde diesmal nichts über die Hintergründe der größten Personalrochade in der ganzen 25jährigen Amtszeit des Patriarchen verlautbart. Erste Kommentare sehen darin eine Stärkung der „Ökumeniker“ im Team von Bartholomaios und weitgehende Ausschaltung ultraorthodoxer Stimmen, die zuletzt laut geworden waren.

Erwies sich Patriarchen-Stellvertreter als zu konservativ?

In diesen Zusammenhang stellen Beobachter vor allem den abrupten Wechsel im Generalvikariat, das sich in erster Linie mit den nie gerade patriarchatsfreundlichen türkischen Behörden herumzuschlagen hat. Der Protosynkellos war daher bisher immer Türkei-Grieche, zuletzt der von der Prinzeninsel Büyükada stammende Metropolit Stephanos Dinidis von Gallipoli an den Dardanellen. Er schien das besondere Vertrauen von Bartholomaios zu genießen, der ihn auch regelmäßig als „Topotiritis“ (locum tenens) im Phanar während seiner immer häufigeren Auslandsaufenthalte zurückließ, zuletzt erst unmittelbar vor dessen Absetzung.

Diese bringen Bekannte auf seiner Heimatinsel mit ultrakonservativen Ansichten von Dinidis in Zusammenhang, die mit dem betont ökumenischen Kurs des Patriarchen in Konflikt kamen. Er hat daher jetzt auch keine neue Aufgabe im Phanar erhalten, sondern reiht sich in die Schar jener Titularmetropoliten ein, die als Aufputz für Taufen, Hochzeiten, Begräbnisse und Kirchtage dienen.

Kaum Verbesserung der Lage des Patriarchats in der Türkei

Sein Nachfolger in der Protosynkellia (Genralvikariat), Erzdiakon Andreas Sophianopoulos, kommt zwar als erster nicht mehr aus der Türkei, sondern aus dem griechischen Patras, zählt aber in der „jungen Garde“, mit der sich Bartholomaios umgibt, zu den Altgedienten. Schon bei der Absetzung des Metropoliten Demetrios Kommatas von Sebasteia als Patriarchensekretär vor neun Jahren hatte er dessen Büro samt Pflege der Goldfische im Aquarium übernommen, war aber nie amtlich zum Leiter ernannt worden.

Zusammen mit dem ebenfalls aus Patras stammenden Istanbuler Vorortbischof Maximos Vgenopoulos und dem Russlandspezialisten im Phanar, Archimandrit Bessarion Komzias, einem Athener, bildet er im Phanar das so genannte „Griechenland-Triumvirat“. Die Bestellung eines Nicht-Türken zum Generalvikar wird in Istanbul als Anzeichen für ein Schwinden der Hoffnungen des Ökumenischen Patriarchats auf eine Verbesserung seiner Lage in der Türkei und besonders auf eine Wiedereröffung der seit 1971 von staatswegen gesperrten Theologischen Hochschule von Chalki gewertet.

Kontakte zu Lutheranern und katholischen Bischöfen

Sein Nachfolger als Erzdiakon, Theodoros Meimaris, kam aus der „halbautonomen“ Kirche des Patriarchats auf Kreta, nachdem er in Athen, Genf und am Ökumenischen Institut des ÖRK in Bossey studiert hatte. Er ist schon für den orthodoxen Dialog mit den Lutheranern und das „Forum“ mit dem Europäischen Rat katholischer Bischofskonferenzen (CCEE) zuständig und gilt im Phanar als große ökumenische Nachwuchshoffnung.

Endlich offiziell neu besetzt wurde das Privatsekretariat von Bartholomaios mit Diakon Paisios Kokkinakis von der Insel Imbros. Der Ökumenische Patriarch dürfte seit 2008 mit der Neubesetzung dieses – vorübergehend sogar aufgelösten – Amtes so lang gezögert haben, weil er immer noch auf ein Einlenken des damals abgesetzten „Revoluzzer-Metropoliten“ Dimitros Kommatas zu hoffen schien.

Dieser hatte damals recht ultimativ seine Beförderung zum Oberhirten der zweitwichtigsten Konstantinopler Metropolis verlangt, der Konzilsstadt Chalzedon (Kadiköy). Als ihn Bartholomaios daraufhin ganz absetzte, reichte auch sein enger Freund Metropolit Meliton Karas von Philadelphia den Rücktritt als „zentraler Koordinator“ der Patriarchenkurie ein.

Metropolit Dimitrios und sein Kreis

Meliton hatte von 1987 bis 2005 als Erzsekretär des Heiligen Synod die nach dem Patriarchen wichtigste Funktion inne. War dieser ursprünglich ein ständiger Bischofsrat aus in der Türkei ansässigen Metropoliten, so hatte Bartholomaios durch Hineinnahme halbjährlich rotierender Hiearchen aus der Diaspora für raschen Wandel und die Verhinderung von synodalen Gruppenbildungen gesorgt.

Die ursprüngliche Kontinuität wurde in diesem eigentlich kollegialen Organ nur mehr durch die Person seines Erzsekretärs gewährleistet. Es war und ist daher für den Ökumenischen Patriarchen wichtig, auf diesem Posten einen Mann seines Vertrauens zu wissen.

Dieses scheint der letzte Erzsekretär Bartholomaios Samaras aber nun nicht mehr besessen zu haben. Den aus dem mittelgriechischen Volos Gebürtigen hatte Metropolit Dimitrios Kommatas für eine Karriere im Phanar gewonnen – und vielleicht hängt auch sein jetziger abrupter Sturz nach unaufhaltsam erscheinendem Aufstieg mit dessen endgültiger Abschreibung durch Bartholomaios zusammen.

Der zunächst unaufhaltsame Aufstieg von Bartholomaios Samaras

Samaras machte sich schon als Untersekretär des Synods beim Erschließen von Finanzquellen für das Patriarchat aus Griechenland verdient. Erwartungsgemäß stieg er daher 2011 zum synodalen Erzsekretär auf, erhielt zusätzlich 2016 die Würde eines Metropoliten von Smyrna (Izmir) als erster seit dem Untergang dieser Metropolis beim Niederbrennen der Stadt durch Atatürks Freischaren und dem Pogrom an der christlichen Bevölkerung vom September 1922.

Was noch vor einem Jahr als hohe Auszeichnung für Samaras betrachtet wurde, dient nun in der Umgebung von Patriarch Bartholomaios zur Begründung seiner Vertreibung aus der Konstantinopler Kurie: Metropolit Bartholomaios werde dringend in seiner Bischofsstadt gebraucht, da es dort inzwischen wieder über 3000 orthodoxe Christen gebe, mehr als in Istanbul selbst. Eine etwas hinkende Argumentation, da gleichzeitig der schon längst in Izmir residierende Hilfsbischof Kyrillos Soukis, der bestens mit dieser wachsenden Gemeinde vertraut ist, zum Dienst im Phanar abgezogen wurde.

Der Nachfolger von Metropolit Bartholomaios wurde erwartungs- und verdienstgemäss sein bisheriger Assistent Diakon Ioakeim Billis.


Δεν υπάρχουν σχόλια:

Δημοσίευση σχολίου