Κυριακή, 15 Οκτωβρίου 2017

Heiliger Berg Athos: Einst und jetzt. Wunder der Trennung muss Christen brennen








Von Heinz Gstrein


Die orthodoxe Mönchsrepublik auf dem Heiligen   Berg Athos rühmt sich wieder voller Klöster und einer Gesamtzahl von über 2000 geistlichen Bewohnern in ihren Konventen und Klausen. In den sechziger Jahren lebten auf der nordgriechischen Halbinsel nur mehr knapp 1000 Mönche, die meisten von ihnen standen im Greisenalter. Trotz der heutigen Verjüngung und Modernisierung denken alte Athos-Fahrer oft wehmütig an die früheren Zeiten und Zustände am Heiligen Berg zurück.



Das hängt nicht nur mit Nostalgie nach einer weitgehend vernichteten Athos-Romantik zusammen: Strassen durchziehen die einst unberührten Wälder, füllen sie mit Staub, Lärm und Abgasen. Funktelefone, Computer, überhaupt Elektrizität gibt es schon fast überall. Man muss sich hinter die letzten Großklöster Lavra und Haghiou Pavlou zum Rumänen-Skit Prodromul oder ins Eremitendorf Nea Skiti flüchten, um noch Maultieren auf steinigen Pfaden zu begegnen und stille Leseabende beim milden Licht der Petroleumlampe zu erleben. Letztes, sicheres Refugium des alten Athos bleibt nur sein schwer zugänglicher Steilabfall ins Ägäische Meer, die „senkrechte Wüste“ der Einsiedlerhöhlen, radikalen Gottsucher und Gottschauer. Wehmütig schaut der heutige Besucher von der Steinbank über der Höhle des Athos-Pioniers Athanasios von Trapezunt aus dem 10. Jahrhundert in diese Welt der „Großen Einöde“ hinein, die sonst in der Mönchsrepublik ziemlich ausgestorben ist. Technische Errungenschaften waren vom Heiligen Berg aber nie fernzuhalten, sei es die Buchdruckerkunst oder die im 19. Jahrhundert in die ersten Klöster eingebauten Zentralheizungen.


Getrennt von Tisch und Kirche

Was beim Wiedersehen mit den Athosmönchen wirklich schmerzt, ist ihre heutige Gleichgültigkeit, wo nicht Feindseligkeit gegen Gäste, die nicht zur orthodoxen Kirche gehören. Die Klosterrepublik war immer als Bollwerk des ostkirchlichen Traditionalismus und antiökumenischer Gesinnung bekannt. Diese Grundhaltung bekamen aber nicht jene Katholiken und Protestanten persönlich zu spüren, die sich am Athos einfanden: Die Mönche teilten in der Trapeza - dem Refektorium - den Tisch mit ihnen, ließen sie an allen Gottesdiensten teilnehmen und schlossen sie nur vom eucharistischen Mahl aus. In Konstamonitou, das heute alle Nicht-Orthodoxen an einem Katzentisch im Klosterhof abspeist, wurde früher anderen Christen anstelle der Osterkommunion immerhin geweihtes Wasser und das Antidoron gereicht, ein Stück vom nicht mitkonsektrierten Opferbrot. Manchmal hat diese Aufkündigung der Mahlgemeinschaft auch ihre guten Seiten, im Bulgarenkloster Zograf zum Beispiel, wo den Andersgläubigen die wunderschöne alte, aber noch nicht restaurierte Trapeza überlassen wird. Nur Rumänen, Russen und Serben pflegen nach wie vor mit Nicht-Orthodoxen Tischgemeinschaft, verweigern ihnen aber größtenteils  die Teilnahme am Gottesdienst und sogar jeden Zugang zu den Innenräumen der Kirchen. Die früher so häufigen  Religionsgespräche mit unterschiedslos allen Besuchern sind völlig ausgestorben. Wo sie stattfinden, in Grigoriou oder dem Andreas-Skit z.B. , wurden sie als Belehrungen im breiten Kreis aller anwesenden - natürlich nur der orthodoxen - Pilger institutionalisiert.

Verdunkelter “Leuchtturm der Orthodoxie”

Gerade die menschliche Begegnung in Kirche, Trapeza und beim freundschaftlichen Gespräch hatten aber den alten Athos zu jenem “Leuchtturm der Orthodoxie” gemacht, dem die Ostkirchen und ihr Mönchtum Generationen neuer Freunde und auch beachtliche Konvertiten zu verdanken hatten. Ausländer und vor allem zur Orthodoxie Neubekehrte durften damals nicht Mönche werden. Heute ist dem zwar Tür und Tor geöffnet, doch tun sich gerade westliche Neuankömmlinge durch besonders orthodoxen Eifer, wenn nicht gar als Eiferer hervor.


Die einstige Gastlichkeit am Athos wird aber nicht nur durch religiöse Aggressivität verdunkelt. Zu den früher typischen Mönchsberufen der Ikonenmaler, Holzschnitzer, Gold- und Silberschmiede für Altargerät oder Weihraucherzeuger ist mit den überhand nehmenden Strassen der Typ des “Taxi-Paters” getreten, oft mit allen Schattenseiten seines Standes draußen in der Welt: Schlitzohrig und gewinnsüchtig, was zu oft halsabschneiderischen Ausbeutung ahnungsloser Pilger führt. Zunehmend lassen sich auch die den Besuchern “dienenden” Brüder für jede Handreichung direkt bezahlen, obwohl das Athos-Visum “Diamonitirion” für seine inzwischen gar nicht mehr geringen Gebühren unentgeltliche Bewirtung zusichert.

Am alten Athos hatte es mit dem damals weit verbreiteten System der Idiorhythmie, die jeden nach seinem Rhythmus leben liess, lockere Zucht, Privatbesitz und andere Misstände gegeben. Heute herrscht in allen Klöstern wieder strenges “coenobitisches” Gemeinschaftsleben, doch bahnt sich bei vielen, die mit den Besuchern zu tun haben, eine neue Idiorhythmie der eigenen Geldtasche an. Diese Entwicklung hängt aber auch damit zusammen, dass die alten Athosmönche aus einem vortouristischen Griechenland kamen, wo jeder Familie die Gastfreundschaft heilig war. Der neue Athos spiegelt eben auch den heutigen Zeitgeist wieder, wo alles seinen Preis hat.


Ewiger Athos

Für den Athos vor vierzig Jahren waren kleine Scharen, von ihrer Freundlichkeit abgesehen nicht besonders hochstehender Mönche, aber auch ganz hervorragende Gestalten von begnadeten Äbten und Einsiedlern mit mystischer Tiefe kennzeichnend. Ein Abt Gabriel von Dionysiou oder ein Papa-Ephraim in den Felsen der Katounakia konnte sich mit den berühmtesten Starzen des Heiligen Russlands messen. Heute herrscht in den Athos-Klöstern die Werkgerechtigkeit einer äußerlichen Reformbewegung vor,  die sich auch auf die Lehren dieser Mystiker des 20. Jahrhunderts beruft. Ihre wahren Nachfolger muss man aber woanders suchen.

Der „ewige“, innerliche Athos ist auch heute nicht verloren, hält sich jedoch vor den schnellen Besuchern mit einem Drei-Tage-Visum verborgen. Der 1958 verstorbene Joseph der „Hesychast“ (Meister der inneren Ruhe), den heute die meisten Klöster im Mund führen, hat die echten Jünger in den Eremitagen der Nea Skiti rund um seine Höhle. In dieser rang er Nacht für Nacht mit den Dämonen. Psychologen, die seine Aufzeichnungen in der nahe gelegenen Klause des auch von seinen Besuchen in Österreich her bekannten Pater Nikon studierten, haben diese Mächte der Finsternis als Anfälle panischer Angst charakterisiert. Tatsächlich sind Höhle und Grab von Joseph dem Hesychasten zu einem Wallfahrtsort für von Angst- und Zwangsneurosen gequälte Zeitgenossen geworden. Sie werden von den Seelenführern der Nea Skiti einer kundigen Behandlung unterzogen.

Die Rolle des Athos als Stätte der Heilung durch Heiligung für die Vielzahl der Psychopathologien des modernen Alltagslebens unterstreicht auch der Vorsteher des Elias-Skits, Archimandrit Joakim. Der ehemalige Feldkaplan in der griechischen Armee bringt den heute so starken Nachwuchs für die Mönchsrepublik gerade mit den seelischen Nöten unserer Zeit in Verbindung: „Viele sind solche Psychopathen, dass ich sie wieder wegschicken muss!“. So leben mit ihm auch nur 16 Mönche in dem großen, früher russischen Skit über dem Küstenkloster Pantokratoros. Bei Joakim wird nicht nach dem Glauben der Gäste gefragt, alle nimmt er mit in Kirche, Refektorium und zur gemeinsamen abendlichen Meditation. Da sitzen die Mönche im Kreis, stricken Woll-Rosenkränze für das betrachtende „Jesusgebet“ oder bessern Kutten und Mönchsstolen (S-chima) aus, lauschen den Ratschlägen eines anderen Mystikers aus den letzten Jahrzehnten, des großen Paisios, der sein Leben zwischen Berg Athos und dem Sinai geteilt hatte: „Von den Pilgern, die euch besuchen, erweist doch nicht jenen Respekt, die angeritten oder gar schon mit dem Auto vorgefahren kommen. Jenen, die ihre Rücksäcke selber tragen, sollt ihr eure Herzen öffnen.“

Ein richtiger Geheimtip ist das gleich neben der Athos-Hauptstadt Karyes gelegene Kloster von Kutlumus. Das alte Gemäuer war früher auch geistlich ziemlich verwahrlost. Unter Abt Christodoulos hat es aber tiefe klösterliche und liturgische Erneuerung erlebt. An ihr dürfen sich auch nicht-orthodoxe Gäste erfreuen, sobald sie nur unter Beweis gestellt haben, dass sie den ostkirchlichen Zeremonien mit Ehrfurcht und Interesse folgen. In Sachen getrennter Mahlzeiten hat sich Kutlumus der heute am Athos gängigen Praxis angeschlossen, doch wird für diese wenigstens ein guter Grund angegeben: „Wir essen nicht mit Euch. Das soll Euch nicht beleidigen, sondern einfach schmerzen. Ein falscher Ökumenismus darf nicht so tun, als gäbe es keine Spaltung der Christenheit mehr. Nur dann, wenn die Wunde der Trennung brennt, wird sie wieder bewusst, muss so endlich zwingend überwunden werden!”

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