Παρασκευή, 20 Οκτωβρίου 2017

Es zittern die morschen Knochen




Dr Heinz Gstrein

Jetzt bin ich also Herr Chefredakteur gewesen, und das vor dem Heiligen Abend! Bedächtig packe ich meine Schreibmaschine ein – das Handwerkszeug muss man selbst mitbringen, hatte die Verlegerin gleich von Anfang an klargestellt. Auch sonst war der Chefposten in Athen ein Reinfall: »Mit 25 Chefredakteur!« hatte ich gejubelt. Erst vor Ort kam ich drauf, dass der ganze Laden aus meiner Wenigkeit, dem Setzer und dem Drucker bestand. Von der Herstellung des Blattes abgesehen war der Chefredakteur Mädchen für alles, nach Mitternacht musste er den frisch gedruckten »Athener Kurier« noch eigenhändig an die Kioske, die Periptera, ausliefern. Die halten in Griechland fast die ganze Nacht offen.



Obendrein hatte mein Kommen viele Leser verärgert. Der Vorgänger, ein Grieche, sorgte mit seinen unfreiwilligen Druckfehlern für Erheiterung. »Bei Ihnen macht die Zeitung keinen Spaß mehr«, warnte der österreichische Botschafter Luwig Steiner. Also stellte ich ihn und andere zufrieden, fabrizierte beabsichtigte Druckfehler. Aus den Machtbefugnissen der UN-Soldaten auf Zypern wurden einfach »Nachtbefugnisse«. Weniger Freude gab es, zumindest auf der Deutschen Botschaft, als der »Athener Kurier« für den nächsten Sommer einen »Judenaustausch« statt Jugendaustausch mit Norwegen ankündigte. Der Herr Presserat, strammer Parteigenosse von einst, warf mir Verunglimpfung der deutschen Vergangenheit vor. Damit goss er bei mir aber nur Öl ins Feuer. Ich setzte die druckfehlerischen Nadelstiche fort. Und als jetzt auf Weihnachten die sterblichen Überreste griechischer KZ-Opfer in ihre Heimat überführt wurden, schrieb ich unter das Bild mit dem Herrn Presserat in Trauerpose neben den Särgen: »Summt er da wohl das alte NS-Lied  ‚Es zittern die morschen Knochen‘. Sofort war ich Chefredakteur gewesen. Denn unser Blättchen wurde von der Deutschen Botschaft finanziert …

Athen, Odos Piraios, Weihnachten 1966

Aus: Heinz Gstrein, Gedanken eines Jounalisten – Konflikte unserer Zeit, Bregenz 2011 (edition sckell), 29-31.

Δεν υπάρχουν σχόλια:

Δημοσίευση σχολίου