Κυριακή, 22 Οκτωβρίου 2017

Endlösung der Kurdenfrage





Heute wieder aktueller denn je...


Pressezensur – die kennt das heutige Mitteleuropa nur mehr vom Hörensagen. Am östlichen Mittelmeer und im Mittleren Osten ist die Auseinandersetzung mit dem staatlichen Zensor jedoch nach wie vor des Korrespondenten tägliches Brot.


Das begann bei mir schon in Griechenland nach dem Putsch der Obristen vom 21. April 1967. Radio Bern bestellte davon einen Bericht fürs »Echo der Zeit«, der natürlich durch die Militärzensur musste, ehe ich ihn in die Schweiz überspielen durfte. Nach langem Verhandeln mit dem Zensor wurde ein Text abgestempelt, den ich selbst kaum wiedererkannte. Ich las diesen Lobhymnus auf die »nationale Erhebung, die Griechenland wie den Phönix aus der Asche wiedererstehen lässt« im Zappeion-Studio ins Mikrophon – bewacht von einem ganzen Zug Soldaten. Das Radio der deutschsprachigen und rätoromanischen Schweiz hat dieses Machwerk natürlich nicht gesendet – dafür wurde es von den Griechen übersetzt und im »Sender der Streitkräfte« tagelang in jedem Nachrichtendienst ausgestrahlt. Worauf mich meine demokratischen Freunde in Athen nicht mehr gegrüßt haben …
Im Ägypten Abdel Nassers und auch noch in den ersten Sadat-Jahren war der Zensor dann eine der wichtigsten Personen in einem Kairoer Korrespondentenleben. Um fünf Minuten fürs Schweizer Radio oder den Österreichischen Rundfunk frei gegeben zu bekommen, bedurfte es stundenlangen Wartens und Verhandelns. Gerade schweizerdeutsche Ausdrücke waren den meist in der DDR ausgebildeten Zensoren unverständlich und führten zu bedrohlichen Missverständnissen. So war ich schon wegen Präsidentenbeleidigung verhaftet, bis der Schweizer Kulturattachee unter Eid bestätigte, dass die Eidgenossen einen politischen Zusammenschluss »Schulterschluss« nennen, dass Sadat, Gaddafi und Assad bei ihrem letzten Gipfeltreffen nicht mit den Schultern und anderen Körperteilen zusammengesteckt sind und widernatürliche Unzucht getrieben haben.

So bin ich jetzt im Irak Saddam Husseins schon ein zensurgewitzter Hase. Als es aber Giftgas auf die Kurden im Nordosten regnet, stehe auch ich am Ende meiner Weisheit. Bei allen Kolleginnen und Kollegen ist die Durchgabe ihrer Berichte schon am Titel gescheitert. Endlich kommt mir die Erleuchtung: Meine Überschrift lautet »Saddams Endlösung der Kurdenfrage«. Daheim versteht da jeder, was damit Schreckliches gemeint ist, der irakische Zensor könnte hingegen ein Lob des blutigen Diktators von Bagdad herauslesen. Er tut es auch – meine Story wird als einzige durchgelassen.

Bagdad, September 1988

Aus: Heinz Gstrein, Gedanken eines Journalisten – Konflikte unserer Zeit, Bregenz 2011 (edition sckell), 81-82.


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