Τετάρτη, 25 Οκτωβρίου 2017

Auf Kara Ben Nemsis Spuren. Karl Mays „ewige“ Charaktere Typisch Balkan oder allgemein menschlich?



Karl May


Von Heinz Gstrein


Unsere Begegnung mit einem heutigen Doppelgänger des „Mübarek“ im Kloster Roschen zeigte, wie treffend und überzeitlich gültig Karl May seine Charaktere zu zeichnen verstand. Das hat er nicht aus seinen Vorlagen übernommen, sondern selbst daheim in der Gesellschaft des 19. Jahrhunderts an Menschlichem, allzu Menschlichem erlebt und erlitten. Ein direkter Vorläufer des Mübarek war in den frühen „Sklaven der Schande“ jener scheinheilige Betbruder, der arme junge Mädchen an die Bordelle lieferte. Werfen May-Kritiker ihm seine stereotypen Gestalten vor, so muss eher von Archetypen im Sinn von C.G. Jung die Rede sein, die seit eh und je am Balkan – und nicht nur dort – ihre Inkarnationen finden. Wir werden ihnen auf unserer Fahrt noch öfter begegnen.


Im heutigen Strumica, dem alten Ostrodmscha, ist von dem Mübarek hingegen nichts mehr zu spüren. Die Stadt verlumpt als  titoistische Industrieruine. Nur das verfallene Byzantiner- und Bulgarenschloss auf einem Vorberg der Welitza-Kette verweist auf das Kapitel „In der Ruine von Ostromdscha“. Als „Zarenburg“ werben die mächtigen Mauerreste um Touristen – und wären eine ideale Kulisse für Karl-May-Festspiele auf dem Balkan.

Verschüttet sind zunächst die weiteren Wege von Kara Ben Nemsi und seinen Gefährten. Radovisch und Schtip präsentieren sich typisch exjugoslawisch, die früheren Volkstürken sind längst nach Istanbul oder Ankara emigriert. Doch was ist das? Wir haben plötzlich statt Asphalt eine holprige Pflasterstraße unter den Rädern, die auf osmanische Zeiten zurückgehen muss. Wir sind hier eben im ungepflegten Hinterhof der in NATO und EU drängenden Republik von Skopje.

Greifbarer wird erst der Abschnitt „In Wassernot“ aus „Durch das Land der Skipetaren“. Genau dort, wo Karl May seine Helden mit dem Hochwasser der Kriva Reka kämpfen lässt, bricht über uns ein Wolkenbruch ohnegleichen herein. Die Scheibenwischer versagen, die Strasse wird in wenigen Minuten zum Bachbett. Nicht nur mit reissenden Wassern, bald bringen das brave Auto auch Geröll und ganze Steinblöcke zum Stehen. Die Lenkung ist völlig verbogen. Ebenso plötzlich, wie es gekommen, verzieht sich das Unwetter, und heiterer Himmel lacht. Doch uns ist nicht zum Lachen zumute, bis wir im Schrittempo und in Zick-Zack-Fahrt endlich Kratovo (Mays Karatowa) erreichen. Zwar gibt es dort keine Ersatzteile, doch ein braver Mechaniker flickt alles wieder zusammen und biegt das Lenkgestänge gerade. Und weiter geht es auf Karl Mays Spuren.










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