Τετάρτη, 25 Οκτωβρίου 2017

Akrobatische Denker über dem Abgrund. Nikos Kazatzakis mit „Askitiki“ nach 95 Jahren wieder in Wien






Von Heinz Gstrein

Unter den weltweiten Veranstaltungen zu diesem „Jahr Kazantzakis“, in dem sich sein Tod am 26. Oktober zum 60. Mal jährt, verdient das Wiener Symposium vom 16. bis 19. des Monats besondere Würdigung. In Wien hatte der Schriftsteller, Journalist, Politiker, Musiker, Dichter und Denker Nikos Kazantzakis (1883-1957), ein Feuergeist des 20. Jahrhunderts, schon 1922 sein philosophisches Hauptwerk „Askitiki“ entworfen, 1956 wurde ihm an der Donau der „Internationale Friedenspreis“ verliehen. 


2014 machte sich wieder das „Erste Wiener Lesetheater“ um die deutschsprachige Erstaufführung des „Christophorus Columbus“ verdient: Einem zu Unrecht fast vergessenen dramatischen Werk des griechischen Autors in der Übersetzung vom Salzburger Philhellenen Johann Beck-Mannagetta. Jetzt gingen auf Initiative von Christos Marantos, griechischer Pianist und Musikpädagoge in Wien. die Österreichische Akademie der Wissenschaften, die Botschaft der Hellenischen Republik und die Griechisch-orthodoxe Metropolis von Austria zusammen mit den Athener „Kazantzakis Publications“, der „Internationalen Freundschaftsgesellschaft Nikos Kazantzakis“ und dem ihm gewidmeten Museum im kretischen Myrtia bei Iraklio daran, den Meister von Esprit und Wort in seiner ganzen umfassenden Bedeutung mit dem „Gesamtkunstwerk“ einer literarisch-filmisch-musikophilosophischen Kazantzakis-Woche zu ehren. Die rotsamtene Eleganz des „Metro Kino Kulturhauses“ in der Johannesgasse mit ihrem Flair aus Wienerischer Gründerzeit im 19. Jh. bot dafür einen prächtigen Rahmen.




Frau Botschafter Chryssoula Aliferi war neben Marantos die Seele dieses Anliegens. Am Eröffnungsabend konnte sie sichtlich bewegt ihrer Freude Ausdruck geben, dass nun ein Kazantzakis, der die moderne europäische Philosophie von Friedrich Nietzsche oder Henri Bergson mit griechischem Geist erfüllt hat, nicht nur als populärer Autor von „Alexis Zorbas“ und damit Syrtaki-Apostel geschätzt wird. Niki Stavrou aus Athen, die heute nach ihrem von Kazantzakis noch persönlich als literarischer Nachlassverwalter und Verleger bestimmten Vater Patroklos dieses Oeuvre betreut, konstatierte in ihrem Vortrag „eine "erfreuliche Kazantzakis-Renaisance" im deutschen Sprachraum. Dies ermutige auch, neue Übersetzungen in Angriff zu nehmen. Metropolit Arsenios Kardamakis von Österreich, selbst in Sohn Kretas, widmete sein Referat „Die Theologie im Werk von  Nikos Kazantzakis“ dessen Rolle als „Gotteskämpfer und Gottsucher“. Zu einem durch Prof. Hubert Christian Ehalt von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften moderierten Podiumsgespräch unter dem Motto des Kazantzakis-Credos „Ich hoffe nichts, ich fürchte nichts, ich bin frei!“ wurden noch die Wiener Ordinaria für neugriechische Literatur, Maria A. Stassinoupoulou, und die Kunstphilosophin Elisabeth von Samsonow (Akademie der Bildenden Künste) beigezogen. Prof. Stassinopoulou betonte die Wichtigkeit dieser Veranstaltung in einer Zeit, da sich nicht nur in Österreich das klassische Bildungsideal der Beschäftigung mit dem Altgriechischen, sondern auch die Hinwendung zur modernen griechischen Literatur verflüchtigt. Kazantzakis sei da die einzig erfreuliche Ausnahme.- Den Eröffnungsabend beschloss eine Festaufführung des Films „Zorba the Greek“ von Michalis Cacoyannis, tags darauf wurde „Die letzte Versuchung“ gezeigt.

Elena Papanikolaou - Logiadi

Diese zweite Veranstaltungstag stand sonst ganz im Zeichen des bahnbrechenden, aber mit seinen provozierenden, oft gegensätzlich erscheinenden Denkansätzen nicht leicht zugänglichen Philosophen Kazantzakis. Sein Gottesbild kennt keine wohl geordnete Schöpfungsgeschichte, sondern wildes Emporkämpfen des Stofflichen zu seiner Vergeistigung in einem unauslöschlichen Willen zu Gott. Beim musikalisch-literarischen Abend „Das Kazantzakis-Projekt“ gelang es dem mitreißenden Rezitator Martin Haidinger, die harten Nüsse Kazantzakischer Aphorismen allgemeinverständlich und zugleich fesselnd aufzuknacken. Christos Marantos am Klavier bewies virtuos mit den direkt auf Kazantzakis bezogenen Kompositionen von Herbert Lauermann und der „Mandinadha für Piano“ von Giorgos Koumentakis (Erstaufführung), wie erquickend sich dichterische Philosophen-Worte musikalisch umsetzen lassen. Dabei hat sichtlich ein Richard Strauss mit „Also sprach Zarathustra“ Pate gestanden. Den gelungenen Kontrapunkt bot aus Athen Elena Papanikolaou dank Stimme, Gestik und Temperament mit ihrer Wiedergabe von Hadjidakis-Vertonungen der Kapetan-Michalis-Lieder. Sie lohnte besonders reicher, stürmischer Beifall.

Doch klarer Schwerpunkt des Wiener Kazantzakis-Gedenkens blieb die Religionsphilosophie seiner „Askitiki“ (Untertitel: „Salvatores Dei – Retter Gottes“). Mit evolutionistisch-teleologischer Sinngebung für Mensch und Kosmos anstelle des aristotelisch-scholastischen Weltbildes von Gott als dem „ersten Beweger“ steht Kazantzakis am Anfang der gesamten „Prozess-Theologie“ unserer Postmoderne.

Prof. Basilius J. Groen

Tiefe Einblicke in diesen erleuchteten Gedankendom bot am letzten Vortragsabend Prof. Basilius J. Groen mit der Gastvorlesung „Nikos Kazantzakis, seine Asketik und die Griechische Passion“. Den stärksten Eindruck in der Zuhörerschaft weckte der auch in Thessaloniki ausgebildete Niederländer Groen mit dem Zitat: „‚Sing im tiefen Schweigen aufrecht, furchtlos, Schmerzen leidend und spielend, unaufhaltsam von Gipfel zu Gipfel aufsteigend und wissend, dass die Höhe kein Ende hat, diese magische, stolze Beschwörung, während Du über dem Abgrund hängst“.

Die filmische Krönung des Abends brachte der zum 50. Todestag von Kazantzakis in Griechenland durch Lefteris Haronitis gedrehte „Akrovatis pano apo to Chaos (Akrobat über dem Chaos).

Bei der Schlussfeier vom 19. Oktober auf der Griechischen Botschaft gab es daher mit vollem Recht zufrieden-frohe Gesichter der Veranstalter und hoch anerkennende Worte von allen Seiten: Denn zur Unsterblichkeit von Nikos Kazantzakis hat diese Wiener Gedenkwoche Entscheidendes beigetragen!






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