Τετάρτη, 13 Σεπτεμβρίου 2017

Verhetzendes Freitagsgebet?





 

 
Von Heinz Gstrein

In den Medien ist derzeit die Rede von einem Bieler Imam, der an einem Freitagsgebet die Ungläubigen verflucht hat. Viele sind davon über die Schweiz hinaus zu recht entsetzt und fragen: Wie setzt sich eigentlich die Freitagspredigt zusammen? Sind solche Verfluchungsgebete am Ende der Predigt vielleicht gang und gäbe und fester Bestandteil davon? Wenn ja, wie nennt man die auf Arabisch? Und: Gibt es einen fixen Wortlaut oder ist dieser frei?

 
Wir müssen Freitagsgebet und Freitagspredigt genau unterscheiden. Das Gebet, auf Arabisch „Salat al-Dschumaa“, ist ein strikt vorgegebener Wortgottesdienst mit Texten aus dem Koran. Dieser ist das einzige muslimische Gebetbuch. Ausser seinen „Suren“ gibt es keine anderen Gebete, auch kein spontanes Privatgebet. Nur die Derwische machen da eine Ausnahme mit ihren Hymnen und einer persönlichen Hinwendung zu Allah mit eigenen Worten. Das lehnt der offizielle Islam – und das gerade heute wieder ganz aggressiv – jedoch ab. Am Freitagsgebet müssen alle Männer ab der Pubertät teilnehmen, es ist exklusiv Männersache. Während der Chutba sollen Geschäfte schliessen und die Arbeit eingestellt werden. Doch gibt es keine regelrechte islamische Freitagsruhe wie am christlichen Sonntag oder vor allem am jüdischen Sabbat.

Die Freitagspredigt, die „Chutba“, geht dem Gebetsgottesdienst voraus und soll auf keinen Fall fehlen. Salat und Chutba bilden so eine unauflösliche Einheit. Sie dürfen aber nicht miteinander vermengt werden. Es gibt also genau genommen in einer Freitagspredigt keine Verfluchungsgebete.

Sehr wohl sind jedoch politische Aussagen seit frühislamischer Zeit in den Freitagspredigten nicht nur zulässig, sondern üblich. In der heutigen Islam-Beschönigung wie sie auch von europäischen Religionswissenschaftlern betrieben wird und Eingang in früher zuverlässig objektive Werke wie die „Einzyklopädie des Islams“ gefunden hat, heisst es hinsichtlich der Chutba lediglich: „Sie dient der spirituellen Erbauung und moralischen Vervollkommnung“.

Schon in der islamischen Frühzeit diente die Freitagspredigt aber dazu, politische Entscheidungen und Richtlinien von Kalifen, Emiren und Heerführern zu verkünden. Unter den Abbasiden-Kalifen – von der Mitte des 8. bis 13. Jahrhunderts – wurden die Chutbas ausdrücklich im Namen und inhaltlich nach Weisung des jeweiligen Herrschers gehalten.

Wenn daher jetzt in Biel der libysche Imam Abu Ramadan in seinen Predigten Allah um die „Zerstörung der Feinde des Islam“ gebeten hat, von  „Juden. Christen, Hindus, Russen und Schiiten“, befindet er sich voll auf dem Boden dieses politischen Charakters der Freitagspredigten.

Zu einem regelrechten Hass- und Hetzinstrument haben sich diese mit der akuten muslimischen Radikalisierung im 20. Jahrhundert entwickelt. Da es dem politislamischen Untergrund in Ägypten und anderswo an legalen Mitteln zur Propagierung seines Fanatismus in Medien oder Volksvertretungen fehlte, wurde die Chutba zum Sprachrohr seiner Agitation. Ein Beispiel dafür war der 1996 verstorbene blinde Kairoer Moscheeprediger (Chatib) Abdel-Hamid Kischk. Freitag für Freitag rief er seine Zuhörer zur Vernichtung der Feinde des Islams in aller Welt auf. Diese gewalttätige Botschaft wird noch heute über eine Flut von Ton- und Videokassetten global verbreitet. Der Imam von Biel ist daher im heutigen Islam keine Ausnahme, sondern stellt die dominierende Regel dar.

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