Τρίτη, 12 Σεπτεμβρίου 2017

Nur Schweigen aus Leros. Nach Höhepunkt Chieti beim katholisch-orthodoxen Dialog Leerlauf?






 

 
Von Heinz Gstrein

Athen. Vom 2. bis 9. September sollte das Koordinationskomitee des schon seit bald vier Jahrzehnten geführten katholisch-orthodoxen Dialogs auf der griechischen Insel Leros das Thema der nächsten Vollversammlung seiner gemischten Theologischen Kommission beschließen und vorbereiten.

Zunächst überwogen auf dem idyllischen Eiland der Schwammtaucher und Individualtouristen die Omen für ein gutes Gelingen. Schon beim Auftakt zum ganzen Prozess des katholisch-orthodoxen Dialogs auf Rhodos und Patmos im Jahr 1980 hatten sich griechische Inseln als Tagungsorte bewährt. Das galt inzwischen auch für das Koordinationskomitee dieses west-ostkirchlichen Glaubensgesprächs in den Jahren zwischen den Vollversammlungen. So 2008 im kretischen Elounta. Dasselbe wurde jetzt wieder für Leros in der Inselgruppe Dodekanes unmittelbar vor der türkischen Ägäisküste erwartet.

Leros gehörte mit dem Archipel der Südlichen Sporaden zu jenem Teil des Osmanischen Reiches und damit direktem Jurisdiktionsgebiet des Ökumenischen Patriarchen, der schon 1912 an Italien gefallen war. So wurde ihm zehn Jahre später das Schicksal der Entwurzelung des übrigen fast 2000jährigen kleinasiatischen Christentums durch Vertreibung aller Griechisch-Orthodoxen mit ihren Bischöfen an der Spitze aus der Türkei erspart. Rhodos, Kos, Karpathos, Symi und Leros mit seiner Nachbarinsel Kalmynos blieben dank italienischer Herrschaft Konstantinopel erhalten. Zwar gab es unter Mussolini Bestrebungen zur Bildung einer autonomen bzw. sogar autokephalen „Italienischen Orthodoxen Kirche“ auf dieser Inselgruppe. Ihre Besetzung durch die deutsche Wehrmacht im November 1943 setzte solchen Utopien jedoch ein Ende. Als die Dodekanes fünf Jahre später zu Griechenland kam, wurde sie kirchlich nicht an dessen Orthodoxie angeschlossen, sondern beim Ökumenischen Patriarchat belassen. Athen wollte dieses angesichts seiner schwierigen Lage in der Türkei nicht um seine – von der Diaspora abgesehen – einzig noch freien Bistümer bringen. Nur dort konnten dann in den 1960er Jahren die ersten Panorthodoxen Konferenzen abgehalten und zwanzig Jahre später der Dialog mit der katholischen Kirche aufgenommen werden. Auf türkischem Boden war und ist das unmöglich. Noch 2016 blieb aus Ankara die Genehmigung des in der Irenenkirche von Istanbul  geplanten orthodoxen Konzils aus, so dass es nach Kreta verlegt werden musste.

Die 14. Vollversammlung der gemischten orthodox-katholischen Dialogkommisison in Chieti hatte im September 2016 diesem Koordinationskomitee folgenden Auftrag hinterlassen: „Bei der Diskussion über die Zukunft des Dialogs einigte sich die Kommission darauf, dass das Koordinationskomitee sich nächstes Jahr treffen wird, um eine Entscheidung zu treffen über das Thema und die Fragen, die weiter im Dialog erarbeitet werden sollen. (Abschlusskommunique, Übersetzung Prof. Theresia Hainthaler).

Das dem Ökumenischen Patriarchat nahestehende Kirchenportal „Allorthodoxes Konzil“ (Panorthodoxos Synodos) schickte der Tagung auf Leros noch die hoffnungsvolle Erwartung voraus: „Nach dem gemeinsamen Dokument Synodalität und Primat im ersten Jahrtausend. Auf dem Weg zu einem gemeinsamen Verständnis im Dienst an der Einheit der Kirche, das letzten September im italienischen Chieti veröffentlicht wurde, hat das Koordinationskomitee nun die Aufgabe, die zukünftigen Schritte beim katholisch-orthodoxen Theologischen Dialog zu planen.“

Wie es bei dieser Planung zuging, war zunächst noch – aber nur – aus Mitteilungen des Moskauer Patriarchats zu erfahren. Obwohl der Sessionsbeginn auf den 2. September angesetzt war, begannen die Arbeiten des Komitees erst drei Tage später. Metropolit Hilarion Alfejev von Volokalamsk, Chefdelegierter der Russischen Orthodoxen Kirche, nützte das zu einem Abstecher nach Athen. Dort lud er Erzbischof Hieronymos Liapis zu den Feierlichkeiten am 100. Jahrestags der Wiedererrichtung des Patriarchats von Moskau und ganz Russland vom 5. November 1917 ein.

In einem Interview mit der griechischen Kirchen-Agentur Romfea (Schwert) schickte Hilarion dem Treffen auf Leros die Absichtserklärung für ein wieder besseres Verhältnis zum Ökumenischen Patriarchat nach dem Affront des russischen Fernbleibens vom Konzil auf Kreta 2016 voraus: „Ich hoffe, dass sich unsre Beziehungen in naher Zukunft weiter verbessern.“ Beobachter in der griechischen Hauptstadt bezogen das direkt auf eine konstruktive russische Haltung im Koordinationskomitee bei der Suche nach dem nächsten Dialogthema. Spätestens seit dem Neunten gemeinsamen Treffen der gemischten Theologischen Kommission 2006 in Belgrad hatten sich innerorthodoxe Meinungsverschiedenheiten – besonders zwischen Moskau und Konstantinopel - für den Dialog als hinderlicher denn gesamtorthodox-katholische Differenzen erwiesen. Ein Sachverhalt, der erst in Chieti beseitigt schien.

Eintracht demonstrierten jedenfalls am ersten Tag von Leros (5. September) die unter dem Ko-Vorsitz von Kardinal Kurt Koch und des Konstantinopler Erzbischofs Job Getcha zum Eröfffnungsempfang im Metropolitenpalais an den Windmühlen von Leros aufmarschierten orthodoxen und katholischen Mitglieder des Koordinationskomitees, aus Deutschland unter ihnen die schon lang bewährte Dialogspezialistin Prof. Theresia Hainthaler von der Jesuitenhochschule St. Georgen bei Frankfurt.

Gleich tags darauf tagten Katholiken und Orthodoxe nur mehr getrennt, um über das neue Thema für ihren Dialog zu beraten. Als Ergebnis der orthodoxen Klausur brachte Metropolit Hilarion eine Neuaufnahme des heißen Eisens der mit Rom unierten Ostkatholiken orthodoxer Herkunft auf Tapet. Das Thema mit seinen weitreichenden ekklesiologischen und kirchenrechtlichen Konsequenzen sei seit Baltimore 2000 nicht mehr im Plenum behandelt worden. Für die russische und andere orthodoxe Kirchen bliebe das aber eine Kernfrage in ihrem Verhältnis zum römischen Katholizismus und sollte daher zum Gegenstand der 15. Vollversammlung der Dialogkommission für 2018 gemacht werden.

Von da an herrschte auf Leros offiziell Funkstille. Nur Hilarion Alfejev meldete sich in „Romfea“ noch einmal zu Wort. Allerdings nicht in Sachen Koordinationskomitee, sondern mit einer Antwort auf die Kiewer Parlamentsrede des ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko vom 7. September. Darin hatte dieser seine Entschlossenheit unterstrichen, der unabhängigen Ukraine in Zusammenarbeit mit dem Ökumenischen Patriarchat eine entsprechende unabhängige (autokephale) orthodoxe Kirche zu schaffen. Dem Patriarchat Moskau warf Poroschenko vor, von ihm abhängige kirchliche Institutionen in der Ukraine zu nutzen, um die geopolitischen Ziele des Kreml zu erreichen. Der Metropolit von Volokalamsk betonte dem gegenüber die praktisch völlige Selbständigkeit der autonomen moskautreuen ukrainischen Orthodoxie. Die russische Kirche nehme auf kirchliche Verwaltung und Finanzen in der Ukraine genauso wenig Einfluss wie auf Bischofsernennungen. Die Beziehungen zwischen dem Metropoliten von Kiew und dem Moskauer Patriarchen seien rein geistlicher Art, beschränkten sich auf eine Sakramenten- und Gebetsgemeinschaft.

Zur Arbeit oder gar Ergebnissen des Koordinationskomitees wurde aber nichts mehr verlautbart. Die Teilnehmer packten am 9. September still und leise ihre Koffer, waren auch in den Tagen danach nicht mehr für Informationen greifbar. Der orthodoxe „Macher“ des Komitees, Metropolit Gennadios Limouris von Sassima, verabschiedete sich in den Urlaub, am Phanar wusste niemand etwas oder wollte es nicht wissen, in Athen war der griechische Teilnehmer an dem Treffen eilig „verreist“. Doch eines ist sicher: Das Schweigen aus Leros verheißt der Zukunft des katholisch-orthodoxen Dialogs nichts Gutes...

 

 

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