Κυριακή, 10 Σεπτεμβρίου 2017

König Richard III









von Rosanna Gstrein

König Richard III.“ oder – wie es im englischen Original heißt „The Tragedy of King Richard the Third“ - ist das bekannteste und noch am häufigsten aufgeführte frühe Werk des englischen Dramatikers und Schauspielers William Shakespeare (1564 bis 1616).

Gattung:

Es handelt sich um ein historisches Drama, das eine Episode aus der englischen Geschichte behandelt. In der ersten Ausgabe von Shakespeares Werken nach seinem Tod, der „Folio-Edition von 1623“ (folio: Buchformat zwischen 32 und 35 cm) wurden jene in Komödien, Historien-Dramen und Tragödien eingeteilt. Die „Historien“ umfassen die „Königsdramen“ des Dichters von „König Johann“ (1199-1216) bis zu „Heinrich VIII.“ (1509-1547). Dass Shakespeares Werke zunächst mit wenigen Ausnahmen alles englische Königsdramen sind, dürfte damit zusammenhängen, dass er sich den Weg vom Volkstheater an den Königshof bahnen wollte, was ihm schließlich auch gelungen ist.

„Richard III.“ ist in gebundener Rede mit Versen von fünffüßigen Jamben abgefasst. Daran mag es auch liegen, dass ihre Übersetzung oder richtiger Nachdichtung durch August Wilhelm Schlegel (1767-1845) seit der Romantik bis heute nicht übertroffen ist, jedenfalls auf der Bühne noch keinen Ersatz fand.


Es handelt sich um ein Vielpersonenstück mit 41 namentlichen Rollen und fast unzähligen Statisten. Shakespeare war zunächst Mitglied, dann Leiter einer Schauspieltruppe und musste alle ihre Mitglieder beschäftigen. Dabei wurden verschiedene kleinere Rollen von ein und derselben Person gespielt.

„Richard III.“ enthält in fünf Aufzügen bzw. Akten eine rasch wechselnde Folge von 24 Szenen. Das ist charakteristisch für das englische Theater seiner Zeit, das sich von der klassischen Dramaturgie des Aristoteles (Einheit der Zeit, des Ortes und der Handlung) entfernt hatte.

Die Gattung des Historiendramas ist ein Kind des Barock. Sie wurde im Anschluss an das Renaissance-Theater von den Jesuiten begründet, die an ihren Kollegien in lateinischer Sprache kirchengeschichtliche Werke zur Aufführung brachten. Shakespeare hat diese Gattung zu besonderer Blüte geführt. Sie wurde charakteristisch für die so genannte „Elisabethinische Klassik“, benannt nach Königin Elisabeth I. (1558-1603).

Nach Shakespeares Entdeckung in Deutschland zur Mitte des 18. Jh. beeinflusste er damit entscheidend die großen Dichter Goethe (Götz von Berlichingen, Egmont) und besonders Schiller (Don Carlos, Wallenstein, Jungfrau von Orleans, Wilhelm Tell). In Österreich fand das Historiendrama seinen Hauptvertreter in Franz Grillparzer (1791-1871). Von seinen 16 Bühnenwerken sind elf der antiken oder österreichischen Geschichte gewidmet. Bisher letzter namhafter Vertreter des österreichischen Historiendramas ist Franz Theodor Csokor (1885-1969). Mit seinem viel gespielten und auch verfilmten „3. November 1918“ (1936) zum Auseinanderbrechen der Donaumonarchie und dem „Verlorenen Sohn“ (1943) aus dem albanischen Partisanenkampf im Zweiten Weltkrieg.

Thema:

In „Richard III.“ nimmt ein gewissenloser und brutaler Gewaltmensch Gestalt an. Diese rein negative Charakterisierung des letzten englischem Königs aus dem von Frankreich stammenden Haus Anjou-Plantagenet (1154-1485) lag ganz im Sinn der anschließenden Dynastie Tudor (1485-1603), einem Geschlecht aus Wales. In gewisser Weise erniedrigte sich Shakespeare bei all seiner dichterischen Genialität zum Propagandisten der neuen Herren von England. Letzte historische Forschungen zeichnen vor allem nach dem Auffinden der Gebeine Richards 2012 und Aufschlüssen aus ihrer Untersuchung ein positiveres Bild von diesem König als Shakespeares Drama.

Zeit, Ort:

Diese Königstragödie spielt 1483-1485 am Ende der so genannten „Rosenkriege“ zwischen den Nebenlinien Lancaster und York der Plantagenet-Dynastie: Diese trugen zwischen 1455 und 1485 einen dreißigjährigen Krieg um die Krone Englands aus. Beide führten eine Rose im Wappen; Lancaster eine rote, York die weiße. Daher der Name „Rosenkriege“.

Orte der Handlung:

Straßen und Plätze in London, Königspalast, Tower von London, Pomfret Castle, Haus von Lord Stanley, Schlachtfelder.

FABEL (Handlung)

Der Vorhang öffnet sich zum Auftritt des Herzogs Richard von Gloucester (von Shakespeare Gloster genannt), der sich in einem Monolog als Schurke und Bösewicht zu erkennen gibt. Das Erscheinen seines Bruders Herzog George von Claenrence, der als Gefangener herbeigeführt wird, leitet zur konkreten Durchführung seiner finsteren Pläne vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Lage über:

Nach Richards Sieg über das Haus Lancaster durch die Ermordung des Königs Heinrich VI. und seines Sohns Edward in der Schlacht von Tewkesbury ist Edward IV. aus der Yorker Linie, der Bruder von Richard, König von England. Doch Richard, der von Geburt an verkrüppelt ist, trachtet aus Minderwertigkeitsgefühl erst recht selbst nach dem Thron. Zu diesem Zweck lässt er zunächst seinen anderen Bruder, Herzog George von Clarence inhaftieren und dann ermorden. Nachdem er Edward Lancasters (Thronfolger Heinrich VI.) Witwe Anna noch am Sarg ihres Mannes für sich gewinnen konnte und sie geheiratet hat, stirbt der todkranke Edward IV. Der rechtmäßige Thronfolger wäre sein ältester Sohn Edward, Prince of Wales, nach ihm dessen Bruder Richard. Mit Hilfe des Herzogs von Buckingham täuscht Richard den beiden Prinzen zunächst sein Wohlwollen vor, lässt sie aber, sobald sich die Gelegenheit bietet, für unehelich erklären und später töten. Nachdem er auch einige Adlige hingerichtet hat, die offen gegen ihn opponierten (darunter die Söhne Elisabeths, der Witwe von Edward IV., aus ihrer ersten Ehe),  kann er den Thron besteigen.

Mittlerweile hat sich aber Widerstand gegen Richard formiert. Dieser wird von Frankreich her angeführt durch denå Grafen von Richmond, einen Sohn von Edward aus dem Haus Lancaster. Um seine Position zu stärken, lässt Richard nun seine Frau Anna töten und plant, seine Nichte, die Tochter seines Bruders, des verstorbenen Königs, zu heiraten. Doch diesen Plan kann er nicht mehr verwirklichen, denn der Graf von Richmond landet im Westen Englands, zumindest moralisch unterstützt durch viele englische Lords, der Frau von Richards Bruder (dem ehemaligen König Edward IV.), Richards Mutter und Margaretha, der Witwe von Heinrich VI. Auch der Herzog von Buckingham verrät Richard, wird aber dafür hingerichtet. Am Abend der entscheidenden Schlacht wird Richard von den Geistern seiner Opfer heimgesucht, er zweifelt zum ersten Mal am Erfolg seiner Taten. Am kommenden Tag verliert er dann auch die Schlacht gegen den Grafen von Richmond (nicht zuletzt durch Verrat weiterer Adliger) und stirbt im Kampf. So erfüllt sich der Fluch, den Margaretha, die Witwe König Heinrich VI., über Richard, seine Angehörigen und alle Helfershelfer verhängt hat (1. Akt, 3. Szene).

PRODUKTIONSPOETIK

Zeitgeschichtlicher Hintergrund:

Shakespeare hat „Richard III.“ um 1592/93 verfasst, zu einer Zeit als die Erinnerung an die Umstände des Machtwechsel von den Plantagenets auf die Tudors noch lebendig war und diese diskutiert wurden. Der Autor entschied sich dabei für eine sogar verschärfte Version vom Schurkenkönig Richard III. und dem Anbruch eines Friedenszeitalter der Versöhnung unter dem Haus York. So lässt er zum Schluss (5. Akt, 4. Szene) den über Richard siegreichen ersten Tudorkönig Heinrich VII. (1485-1509) sagen: „Getilgt ist Zwist, gestreut des Friedens Samen: / Dass er hier lange blühe, Gott, sprich Amen!“

Dennoch scheint Shakespeare dabei für den Geschmack des Londoner Publikums und sogar des königlichen Hofs von Elisabeth I. zu dick aufgetragen zu haben. Seine vernichtende Abrechnung mit Richard III. konnte als Kritik an jeder Königsherrschaft missverstanden werden. So blieb das Bühnenwerk in der Schublade. Es wurde auch nach seinem Erscheinen im Druck 1597 noch lang nicht gespielt. Erst 1633 kam das Historiendrama siebzehn Jahre nach Shakespeares Tod zur Uraufführung. Zu einer Zeit, als sich die puritanisch-republikanische Kritik von Oliver Cromwell und seiner Anhänger am absolutistischen Führungsstil von König Karl I. (1625-1649) zu formieren begann. Der Agitation gegen den „Tyrannenkönig“ kam das abschreckende Beispiel Richard III. nun gelegen.

Biographische Gegebenheiten:

„Richard III.“ ist bald nach Shakespeares acht „verlorenen Jahren“ von 1484 bis 1492 entstanden, über die so gut wie keine biographischen Daten vorliegen. Dann tauchte er in London als Mitglied und Stückeschreiber der Theater-Truppe „Lord Strange’s Men“ auf. Gerade (Ende 1492) war er in einem Pamphlet von dem Dichter Robert Greene angegriffen worden. Dieser warf ihm vor, dass er sich als Darsteller von Nebenrollen anmaße, mit den schon angesehenen Dramatikern der Zeit (z.B. Christopher Marlowe) zu wetteifern. Gerade mit „Richard III.“ wollte Shakespeare sichtlich seine Qualitäten unter Beweis stellen.

WERKPOETIK

Shakespeare, der wie erwähnt selbst Schauspieler war, ist ein Meister der Bühne, der Charaktere wie der Szenenfolge. „Richard III.“ ist eine Art dramatische Symphonie, deren Grundton vom unverbesserlichen Bösewicht gleich mit dem Auftrittsmonolog der Hauptfigur anklingt, in immer neuen Monologen fortgeführt wird, bis zum großen Finale der Schlacht von Bosworth mit Richards uneinsichtigem Monolog ohne Reue.

Das Stück kennt keine „Katharsis“, keine Läuterung im Sinn der antiken Tragödie: Richard bleibt ein Schurke vom Anfang bis zum Ende. In seinen letzten Worten sagt er: „Ich setzt’ auf einen Wurf mein Leben, Knecht, / Und will der Würfel Ungefähr bestehn.“

Shakespeare, der in viele seiner Werke Märchenhaftes einflicht, lässt auch im letzten Akt von „Richard III.“ Geister auftreten. Sie spielen dort als mahnender Kontrapunkt zu Richards Verstocktheit eine ähnliche Rolle wie sie im altgriechichen Drama der „Chor“ innehatte.

Shakespeare zeigt in „Richard III.“ wie auch in anderen seiner Werke beißenden Spott über die Bigotterie der englischen Protestanten seiner Zeit, als sich die pharisäischen Puritaner durchzusetzen begannen. Das führte manche Autoren zu der Meinung, er sei ein heimlicher Katholik gewesen. So hat der bayerische Historiker Alexander Schöppner (1820-1860) dieser These ein eigenes Kapitel seiner „Charakterbilder aus der Weltgeschichte“ gewidmet („Shakespeare als Katholik“, III 166-179, Vierte Auflage, G.J. Manz Regensburg 1910). Ihm scheinen neueste historische Forschungen recht zu geben, von denen die „Berliner Zeitung“ berichtet (6.8.1999). Jedenfalls liegt auf der Hand, dass Shakespeare zu übertriebener oder gar falscher Religiosität kritisch eingestellt war. Belegstellen finden sich in der ganzen Tetralogie seiner Königs-Dramen über das Haus York und Lancaster, besonders deutlich aber in ihrem letzten Werk, „Richard III.“. So verhöhnt dieser in der 3. Szene des 1. Aktes den Missbrauch, der mit Zitaten aus der Bibel getrieben wird: „Dann seufz ich, und nach einem Spruch der Bibel / Sag ich Gott heiße Gutes tun für Böses; / Und so bekleid ich meine nackte Bosheit / Mit alten Fetzen aus der Schrift gestohlen, / Und schein ein Heil’ger, wo ich Teufel bin.“

REZEPTIONSPOETIK

Aus dem Text von „Richard III.“ ist dessen verzweifelter Ausruf am Ende zu einem geflügelten Wort geworden: „Ein Pferd! Ein Pferd! Mein Königreich für’n Pferd!“

Wegen seiner lebendigen, spannend-blutrünstigen Handlung – es ist eine Moritat mit Stil – wird dieses Frühwerk Shakespeares immer noch aufgeführt. Das Wiener Burgtheater hat 2014 das Thema mit „Die Krönung Richard III.“ neu angepackt. Dieses Bühnenwerk des Hamburger Expressionisten Hans Henny Jahnn (1894-1959) erlebte zwar schon 1921 seine Uraufführung, hat aber nichts an seiner zeitübergreifenden Richard-Interpretation verloren:  „Seine radikale historische Tragödie über universalen Schmerz und die bedingungslose Anerkennung alles Kreatürlichen ist eine direkte Anklage Gottes, König Richards Verworfenheit ein monströser Protest gegen das unerlöste Dasein des Menschen auf Erden“ – wie es im Programmheft des Burgtheaters heißt.

Auch der Film hat sich dieses Historiendramas angenommen, Meisterregisseur Laurence Olivier ließ seinen Shakespeare-Verfilmungen „Heinrich V.“ und „Hamlet“ 1955 „Richard III.“ folgen, in dem er selbst die Titelrolle spielte. Königin Elisabeth II. erschien persönlich zur Premiere.

1964 drehte Fritz Umgelter einen deutschen „Richard III.“ Der Spielfilm fand jedoch im Vergleich mit anderen Produktionen des Tatort-Regisseurs nur wenig Beachtung.

Hatten sich diese beiden Filmversionen getreu an Shakespeares Vorlage gehalten, so verlegte der 1995 in den USA gedrehte „Richard III.“ die Handlung ins England der 1930er Jahre mit ihren faschischen, Mussolini- und Hitler-freundlichen Strömungen.

SCHLUSSBEMERKUNG
Zum Schluss möchte ich bemerken, dass mir dieses Referat über „Richard III“ wegen der vielen literarischen und historischen Einzelheiten viel Mühe gemacht hat. Doch glaube ich, dass es sich gelohnt hat. Jedenfalls habe ich selbst dabei viel Neues gelernt und wünsche das auch Euch Zuhörerinnen und Zuhörern.






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