Σάββατο, 30 Σεπτεμβρίου 2017

Kalte Schulter für Hilarion bei Bartholomaios I. Eis zwischen dem Phanar und Moskau noch nicht gebrochen










Von Heinz Gstrein

       

Istanbul. Zum Abschluss einer Reise in die griechisch-orthodoxen Kirchenzentren am östlichen Mittelmeer hat Metropolit Hilarion Alfejev von Volokalamsk am 19. September den Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. besucht. Wie schon zuvor in Athen, Beirut und Nikosia überbrachte der Leiter des Außenamtes der Russischen Orthodoxen Kirche auch im Phanar von Istanbul eine Einladung des Patriarchen Kyrill zu den 100-Jahr-Feiern der Wiedererrichtung des Moskauer Patriarchats. Diese werden Anfang Dezember in Russlands Hauptstadt stattfinden. Im Unterschied zu den Zusagen des antiochenischen Patriarchen Johannes X. und der autokephalen Erzbischöfe Chrysostomos von Zypern und Hieronymos von Griechenland ließ Bartholomaios seine Teilnahme an dem kirchlichen Großanlass offen.


Beobachter im Phanar bringen seine Zurückhaltung mit der Einschätzung in Zusammenhang, dass sich das russische Patriarchat bei diesem Geburtstagsfest als Mittelpunkt der Orthodoxie präsentieren wolle. Das zu Lasten des Ökumenischen Patriarchen, den es erst 2016 mit Boykottierung des von ihm nach Kreta einberufenen orthodoxen Konzils brüskiert hatte. Missstimmung und Spannungen zwischen Konstantinopel und Moskau waren seitdem die Folge. Sie wurden noch durch die Entwicklung in der Ukraine verschärft: Während dort die Russen ihre kirchliche Suprematie aus der Zaren- und ebenso Bolschewikenzeit aufrechterhalten wollen, drängt die heutige politische Führung aus Kiew bei Bartholomaios auf Errichtung einer eigenständigen ukrainischen Autokephalkirche.

Metropolit Hilarion hatte eben erst bei Gelegenheit der orthodox-katholischen Dialogsitzung auf Leros eine Wiederannäherung zwischen Moskau und dem Ökumenischen Patriarchat in Aussicht gestellt (öki 37 vom 12. September 2017). Er dürfte jene von seinem baldigen Besuch im Phanar erhofft haben. Diesem folgte dann aber von Seiten seines Amts für die kirchlichen Auslandsbeziehungen eine recht magere Kundmachung der Übermittlung „brüderlicher Grüße“ des Moskauer Patriarchen und von „ausgedehnten Gesprächen über Themen der bilateralen Beziehungen zwischen den Patriarchaten Konstantinopel und Moskau sowie akute Probleme bei der interorthodoxen Zusammenarbeit.“ Dabei war sicher auch von der Metropolie Kiew die Rede, wie die Beiziehung des Ukraine-Beauftragten von Bartholomaios zeigte, des Pariser Metropoliten Emmanuil Adamakis.

Kein Wort hingegen in dieser ersten russischen Verlautbarung über eine Teilnahme von Bartholomaios an den Moskauer Jubelfeiern. Im Kommunique des Phanars über das Treffen wurde hingegen Klartext gesprochen: Hilarion habe „die Einladung des Patriarchen Kyrill von Moskau überbracht, der Ökumenische Patriarch möge mit seiner Anwesenheit die Veranstaltungen beehren, die während der ersten Dezemberwoche in Moskau zum 100. Jahrestag der Oktoberrevolution, dem Beginn der Verfolgung der Kirche, der Einberufung des Landeskonzils von 1917 und der Wiederherstellung des Patriarchenamtes 200 Jahre nach seiner Abschaffung stattfinden werden.“ 

Batholomaios – heisst es in dem Kommunique weiter – habe Hilarion für die überbrachte Einladung gedankt, diese aber nicht angenommen, da sie erst „studiert“ werden müsse. Die Angelegenheit sei dem Heiligen Synod zur Diskussion übergeben worden. In der verklausulierten Sprache des Phanars bedeutet das eine höfliche, aber klare Ablehnung. So liegt auch die Frage der ukrainischen Autokephalie schon monatelang in den Schubladen des Synods, dem kollegialen Bischofsrat an der Seite des Patriarchen.

Wie es in der Konstantinopler Darstellung weiter heißt, hat Bartholomaios bei dem Treffen auch „ausführlich das Thema der Heiligen und Großen Synode der orthodoxen Kirche auf Kreta im Juni 2016 zur Sprache gebracht“, d.h. das plötzliche Fernbleiben des von Moskau geführten Kirchenblocks mit Antiochenern, Georgiern und Bulgaren von dieser jahrzehntelang gemeinsam vorbereiteten Kirchenversammlung.- Diese Darstellung wurde dann drei Tage später auch von Moskauer Seite bestätigt.

Im Phanar sprachen jedenfalls nach hochrangigen sommerlichen Besuchern aus der Ukraine im September ein Moskauer Politiker und Kirchenführer hinter dem anderen vor. Nach der Antrittsvisite des neuen russischen Botschafters in der Türkei, des in interorthodoxen Fragen versierten Alexey Erkhov, bei der schon eine Teilnahme von Bartholomaios I. an den Moskauer Gedenkfeiern im Dezember angesprochen wurde (öki 36 vom 5. September 2017), empfing der Ökumenische Patriarch zur Monatsmitte den Vorsitzenden des parlamentarischen Ausschusses von Russlands Staatsduma für gesellschaftliche und religiöse Angelegenheiten, Sergey A. Gavrilov. Der kommunistische Abgeordnete setzt sich seit zwei Jahren in Sachen der von den Osmanen 1453 zur Moschee gemachten und 1934 durch Atatürk als Museum säkularisierten Hagia Sophia für ihre Wiedereröffnung als orthodoxe Kirche ein.

Sein jetziger Besuch bei Bartholomaios erfolgte parallel zu Anfragen griechischer Euopa-Abgeodneter an die EU-Kommission wegen der jüngsten Abhaltung islamischer Gottesdienste im Hagia-Sophia-Museum, während dort auch die geringsten Zeichen christlicher Frömmigkeit weiter streng verboten sind. Die Kommission erklärte sich beunruhigt über die „kontroverse Nutzung eines Weltkulturerbes wie der Hagia Sophia zur Abhaltung religiöser Zeremonien“ einer einzigen bevorzugten Glaubensrichtung. Kreise des Phanars bringen das Auftauchen von Gavrilov mit dem Bestreben in Zusammenhang, dem Ökumenischen Patriarchen zu beweisen, dass nicht nur Brüssel, sondern ebenso Moskau jede Re-Islamisierung der Hagia Sophia ablehnt.

Zwei Tage später empfing Bartholomaios I. im Vorfeld der Vorsprache des Metropoliten Hilarion eine Delegation vom Moskauer „Institut für die Geschichte des Athos“ unter dessen Direktor Valery Pirogov. Diese Institution untersucht u.a. die russischen Wurzeln kleinerer Kommunitäten in der orthodoxen Mönchsrepublik, die wie St. Andreas oder Prophet Elias noch gegen Ende der Sowjetära in griechische Hand geraten sind. Die Russische Orthodoxe Kirche bemüht sich schon seit der Wende beim für den Athos zuständigen Ökumenischen Patriarchat um eine Rückgabe dieser monastischen Niederlassungen. Ihre Zukunft stellt ein besonderes Anliegen des heutigen Patriarchen Kyrill dar, seit er noch als Leiter des kirchlichen Außenamtes wiederholt in dieser Frage den Heiligen Berg besucht hatte. In russischer Hand sind hingegen bis heute die Niederlassungen (Metoch) von St. Andreas und Prophet Elias in Istanbul geblieben.








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