Δευτέρα, 18 Σεπτεμβρίου 2017

Hamas-Bankrott im Gazastreifen. Fatah-Palästinenser behielten vor Islamisten die Oberhand





 

 

Von Heinz Gstrein

Parallel zur Agonie des „Islamischen Staates“ in Syrien und dem Irak wirft auch die zweite Muslim-Miliz das Handtuch, die in Nahost ein Territorium kontrollierte: In Gaza hat sich am Sonntag die Hamas nach zehnjähriger Herrschaft bankrott erklärt und die von ihr 2007 vertriebene Palästinenserführung durch die Fatah von Präsident Mahmud Abbas aufgefordert, erneut die Verwaltung des Küstenstreifens zu übernehmen.

Dass die Tage des Hamas-Regiments in Gaza gezählt waren, hatte sich schon länger abgezeichnet. Vorbei waren die Zeiten, als die politislamischen Revolutionäre in zwei großen Waffengängen mit Israel 2008 und nochmals 2014 glauben konnten, diesem Konzessionen abzuringen und sich damit auch im der national-säkulären Fatah verbliebenen Westjordanland als erfolgreichere Option für eine eigenstaatliche Zukunft von Arabisch-Palästina durchzusetzen. Ebenso erwiese sich die zuletzt eingeschlagene, verzweifelte Werwolf-Taktik mit Messerstechern, Hackenschwingern und Lkw-Attentätern den Israelis gegnüber weit weniger wirkungsvoll als im globalen Islamterror. Dazu hat die Hamas mit dem Golfemirat Katar ihren finanziellen Hauptrückhalt verloren, seit dieses mit der Blockade durch alle seine Nachbarn selbst in Not geraten ist.

Mit dem Abtreten der Hamas in Gaza verliert auch die Türkei ihr letztes Faustpfand im Nahen Osten. Unter dem Sultans-Nostalgiker Recep Tayyip Erdogan fühlte sich Ankara schon länger berufen, im einst osmanischen arabischen Raum wieder mitzumischen. Im Irak und Syrien haben die Türken dabei schon den Kürzeren gezogen: Weder an der Befreiung von Mossul noch von Raqqa und Deir Ez-Zor durften sie - wie gewünscht - mitwirken. Blieb nur Gaza, dessen Blockade Erdogan wiederholt zu durchbrechen versucht hat, dem zuliebe er sogar die traditionell guten türkisch-israelischen Beziehungen aufs Spiel setzte. Der Hamas-Verzicht auf Gaza schwächt nun mit ihre Hintermänner von der Muslim-Bruderschaft. Diese liefert heute auch Erdogan die Ideen für seine Re-Islamisierung der unter Atatürk verwestlichten Türkei. Zuvor hatten die inzwischen verfolgten, viel weniger radikalen „Gülenisten“ eine ähnliche Rolle gespielt.

Eine Folge dieser Entwicklungn war die Abwahl des zunächst in Syrien und dann am Golf residierenden „ideologischen“ Hamas-Chefs Chaled Meschaal zugunsten des in Gaza sitzenden Ismail Haniyeh. Dieser sah jeden Tag deutlicher, dass er die in dem engen Küstenland in höchster Not zusammengedrängten fast zwei Millionen Menschen nicht mehr lang bei der Stange halten konnte. Sogar Wasser und Strom verknappten. Als Haniyeh daher letzte Woche vom ägyptischen Geheimdienst Muchabarat aufgefordert wurde, zu indirekten Verhandlungen mit einer Fatah-Delegation nach Kairo zu kommen, wusste er im voraus, dass das mit seiner Unterwerfung vor Abbas und dessen Fatah enden musste.

Offen bleibt vorerst noch die praktische Gestaltung der neuen Ordnung für Gaza. Darüber soll nun in Kairo zwischen Hamas und Fatah weiterverhandelt werden. Die meisten Beobachter setzen auf eine Rückkehr von Muhammad Dahlan, dem einstigen Fatah-Führer in dem Landstreifen, der selbst aus Khan Yunes stammt. Er hat sich zuletzt mit seinem zwischenzeitlichen Rivalen Mahmud Abbas versöhnt und dürfte Israelis wie Ägyptern genehm sein. Dahlan selbst erklärte dazu am Sonntag der „Gaza Post“ noch recht orakelhaft, er wolle seine Aufgabe „überall dort erfüllen, wohin er gerufen werde.“

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