Δευτέρα, 11 Σεπτεμβρίου 2017

Brückenschlag in Prishtina. Neue Kosovo-Regierung mit serbischer Unterstützung





Ramush Haradinaj
 
 

Von Heinz Gstrein

Aus dem Krisenloch der EU am Balkan zwischen Bosnien und Makedonien kommen endlich Vorboten einer Konsolidierung: Angefangen mit Bildung einer gemischt albanisch-serbischen Regierung von Kosovo auch aus Montenegro, das 250 kroatische Gefangene im jugoslawischen Sezessionskrieg der 1990er Jahre endlich entschädigt und damit alte Wunden zu lindern beginnt. Alte  Gräben wurden am Sonntag auch in Bosnien überbrückt: Sarajewo erhielt nach längerer Sedisvakanz wieder einen serbischen orthodoxen Erzbischof. Zu seiner Amtseinführung fanden sich für die Kroaten Kardinal Vinko Puljic sowie der bosniakische Muslim-Mufti Effendi Dedovic ein, keine Selbstverständlichkeit in dem nach wie vor an seinen religiösen Unterschieden zerspaltenen Land.

In Kosovo hatten seit seiner militärischen Herauslösung von Serbien durch die NATO 1999 die albanischen Kosovaren allein geherrscht. Seit Samstag unterstützen in Prishtina zum ersten Mal die damals übrig gebliebenen Serben eine Regierung. Noch dazu ein Kabinett, das von ihren einst erbitterten Gegnern aus dem kosovarischen Widerstand gegen Belgrad getragen wird, einer  „Koalition der Kommandeure“ unter dem Haudegen Ramush Haradinaj. Weder das Haager Tribunal noch letztes Frühjahr die Franzosen konnten aber die ihm zur Last gelegten Kriegsverbrechen nachweisen. Auch die Organmetzgerei an serbischen Zivilisten zum Weiterverkauf im berüchtigten „gelben Haus“ von Rribe nicht.

Bei den Juni-Wahlen dürfte dieser blutrünstige Nimbus sogar zum – knappen – Sieg von Haradinaj und der übrigen Partisanenhäuptlinge beigetragen haben. Allerdings nur um Nasenlänge vor den anderen radikalen Nationalisten der Bewegung Vetevendosje (Selbstbestimmung). Beide verfolgen dasselbe extreme Ziel der Schaffung Großalbaniens aus Kosovo, dem Staat von Tirana und Teilen Makedoniens, Montenegros und des heutigen Rumpf-Serbiense. Unüberbrückbare, feindselige Rivalität zwischen dem starken Mann von Vetevendosje, Pristina-Bürgermeister Shpend Ahmeti, und den drei „Kommandeuren“ machten jedoch jedes Zusammengehen unmöglich. Noch mehr galt das für die abgewählte Demokratische Liga des bisherigen Regierungschefs Isa Mustafa, einem eher konzilianten Konservativen.

Blieben also nur mehr Kosovos letzte Serben, denen die Verfassung zehn der 120 Parlamentssitze garantiert, um eine Mehrheit zu sichern. Den politischen und emotionellen Abgrund zwischen ihnen zu überbrücken, hat Haradinaj drei Monate Zeit gekostet. Noch wird über die von ihm gemachten Zugeständnisse in Prishtina nur gemunkelt. Sie sollen aber weitgehende Selbstverwaltung des noch serbisch bewohnten Mitrovica beinhalten. Eine Region, die früher gar nicht zu Kosovo gehörte, sondern von 1878 bis 1909 zusammen mit Bosnien von Österreich-Ungarn verwaltet wurde. Jedenfalls tut es dem ganzen Balkan gut, dass Kosovaren und Serben vor Ort zusammenfinden.

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