Κυριακή, 17 Σεπτεμβρίου 2017

Bosniens streitbare Franziskaner Eine missverständliche Befreiungstheologie und ihre Folgen








Von Heinz Gstrein



Die Franziskaner in Bosnien und Herzegowina sind für ihren besonderen Glaubenseifer bekannt, aber auch wegen ihrer Militanz gegen Andersgläubige bei diesen nicht gerade beliebt. Vielleicht hängt das damit zusammen, dass sie schon 1291 als Inquisitoren gegen die sogenannten „bosnischen Christen“ (Bogumilen)  ins Land kamen. Während der Türkenherrschaft erwarben sie sich größte Verdienste um die Bewahrung des katholischen Glaubens. Vor dem Hintergrund des anhaltenden Widerstandes gegen die osmanische Herrschaft entwickelten die bosnischen Franziskaner eine regelrechte „Befreiungstheologie“. Sie bejahten Gewaltanwendung zur Befreiung der Heimat von den Türken, was vor allem beim Aufstand von 1875 zum Tragen kam. Fra Antun Knezevic wurde dessen Chefideologe mit seinem „Blutigen Buch“, die „Krvava Kniga“, das Krieg und Gewalt, ja sogar den politischen Mord heiligte und dann vor allem im Zweiten Weltkrieg schreckliche Spätwirkungen zeitigte: Als z.B. 1941 der Franziskaner Miroslav Filipovic vom Kloster in Banja Luka auszog, um die serbische Nachbarschaft in ihrem eigenen Blut “umzutaufen”. Der darauf immerhin suspendierte “Pater Satan” setzte sein Wüten jedoch in der braunen Kutte“ fort und brachte es bis zum Lagerkommandanten des KZ von Jasenovac. Nach dem Krieg wurde der Ex-Franziskaner unter Tito hingerichtet.


Allerdings wurden in jenem berüchtigten „Blutigen Buch“ Katholiken, Orthodoxe und Muslime auch zum Religionsfrieden untereinander aufgerufen: ”Weg mit dem Krieg um den Glauben, weil dieselbe Mutter uns zur Welt brachte. Wir sind einander Brüder, und wir alle haben einen und denselben Gott.” Und ein anderer Franziskaner, Fra Andrea Kacic Miosic, schrieb: “Es passt nicht der Säbel zu einem Priester und Ordensnmann, sondern der Rosenkranz und das Kreuz”. Diese versöhnliche Seite der bosnischen Befreiungstheologie fand aber kaum Widerhall.

Bis 1878, als der Berliner Kongress die Verwaltung von Bosnien und Herzegowina an Österreich-Ungarn übergab, waren dort alle katholischen Aktivitäten den Franziskanern anvertraut. Erst drei Jahre später errichtete Rom die Bistümer Sarajewo, Banja Luka, Mostar und Trebinje.

Die Franziskaner widersetzten sich den neuen Bischöfen. 1899 kam es zumindest in der Herzegowina zu einem Kompromiss: Von 49 Pfarreien sollten 25 weiter von Franziskanern betreut, hingegen 24 an Weltpriester übergeben werden. Dazu ist es aber größtenteils bis heute nicht gekommen. Noch 1968 scheiterte der Versuch, den Franziskanern fünf Pfarrgemeinden wegzunehmen: In drei Orten gab es wilde Unruhen, eine Kirchentür wurde zugemauert, im fünften Dorf entwendeten die Gläubigen die Kirchenschlüssel, die dem neuen Pfarrer übergeben werden sollten. Im Gefolge dieser Auseinandersetzungen wurde 1975 sogar der herzegowinische Franziskanerprovinzial von Rom suspendiert.

Auch die Schrecken des Bosnienkrieges haben zu keiner Überwindung dieser innerkatholischen Spaltung geführt: So luden im Mai 2001 acht als Pfarrer amtsenthobene Franziskaner, die sich aber mit Unterstützung der Gläubigen in ihren Gemeinden behaupten, zur Spendung der Firmung einen vermeintlichen altkatholischen Bischof ein. Nachdem dieser bereits fast 800 Kinder gefirmt hatte, stellte sich heraus, dass er gar kein Bischof, sondern nur ein Diakon undefinierbarer Kirchenzugehörigkeit war. Darauf versuchten die unnachgiebigen Franziskaner der Herzegowina, etwa 40 an der Zahl, einen eigenen Bischof geweiht zu bekommen. Aber weder die Altkatholiken noch die Orthodoxen waren bereit, die notwendige Weihe vorzunehmen.

Das gespannte Verhältnis zwischen der Diözese Mostar und den Franziskanern hält an und stört auch die Versöhnungsbemühungen zwischen katholischen Kroaten, orthodoxen Serben und bosniakischen Muslimen. Ein Beispiel dafür ist die „Hercegovacka Banka“, die wegen dubioser Finanzgeschäfte kroatischer Extremisten unter Zwangskontrolle gestellt werden musste. Ihrem Vorstand gehörte ein führender „abtrünniger“ Franziskaner an. Diese Ordensleute unterstützen nach wie vor einen Anschluss der Herzegowina und katholischer Gebiete Bosniens an Kroatien.




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