Τρίτη, 29 Αυγούστου 2017

Tauwetter zwischen Phanar und Moskau in Ungarn







 

Von Heinz Gstrein

Budapest/Odessa/Bukarest. Eine Entschärfung im ungarischen Kirchenstreit zwischen Konstantinopel und Moskau bahnt sich nach dem Besuch des Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. in Ungarn von Ende August an: Sein Entschluss, in der ungarischen Hauptstadt eine neue griechische Kathedrale anstelle des 1951 von der Russischen Kirche übernommenen Maria-Himmelfahrts-Doms zu errichten, wird interorthodox als Entspannungszeichen gewertet. Dazu kommt noch ein versöhnlicher Passus in der Dankadresse von Bartholomaios an Vizepremier Zsolt Semjen bei Übergabe des neuen, vom Staat zur Verfügung gestellten Gebäudekomplexes für das griechisch-orthodoxe Exarchat Ungarn: Darin bedauerte der Ökumenische Patriarch zwar weiter „die Besetzung der Budapester griechischen Kirche des Entschlafens der Gottesmutter“, sprach aber in diesem Zusammenhang von „durch unsere russischen orthodoxen Brüder“.

Bisher hatte das 1963 gegründete und dem jeweiligen Metropoliten von Österreich anvertraute Exarchat Ungarn, dessen Aktivierung allerdings erst nach der Wende von 1989/90 erfolgen konnte, mehrere historische griechische Kirchen an Donau und Theiss wieder übernommen und in dem nach einem kommunistischen Bürgerkriegskämpfer benannten Flüchtlingsort Beloiannisz ein neues Gotteshaus errichtet. In der ungarischen Hauptstadt wurde aber bisher in einer winzigen Kapelle Gottesdienst gefeiert, um zu betonen,  dass Konstantinopel entschlossen ist, auf Rückgabe der Marienkirche zu beharren. Wenn jetzt doch eine eigene Kathedrale für das Exarchat gebaut wird, zeige das kirchenpolitischen Beobachtern in der ungarischen Hauptstadt zufolge, dass man sich im Phanar mit dem bestehenden Zustand zwar nicht endgültig abgefunden, aber doch dazu durchgerungen hat, damit vorerst zu leben und nicht wie in Estland oder zunehmend auch in der Ukraine die Konfrontation mit Moskau zu suchen.

Die ganze Auseinandersetzung ist nach Ansicht von orthodoxen Kirchenrechtlern schwierig und nicht eindeutig zugunsten der einen oder anderen Konfliktseite zu entscheiden. Die griechisch-orthodoxe Gemeinde Budapest, die sich aus meist wohlhabenden Geschäftsleuten griechischer, rumänischer und balkanromanischer – von den Cicen in Istrien über die Vlachen in Griechenland bis zu den so genannten Makedorumänen – sowie südlawischer Herkunft gebildet hatte, begann 1797 mit dm Bau einer barocken Kirche am Pester Donauufer nahe der späteren Elisabethbrücke. Das Gotteshaus wurde am 11. August 1801 durch Dionysios Papagiannousis-Popociv (1750-1828) eingeweiht, den ersten Bischof im damals österreichischen Ungarn vom Ökumenischen Patrirchat. Dieses hatte den Athos-Mönch 1783 zum Metropoliten von Belgrad gemacht. Nachdem er 1789 Feldmarschall Ernst Gideon von Laudon half, die Türken aus dieser Stadt zu vertreiben, musste er sich den Österreichern bei ihrem späteren Rückzug anschließen. Kaiser Joseph II. bestätigte ihn darauf als Konstantinopler Bischof in Buda. Zuvor hatte es in den ungarischen und siebenbürgischen Ländern der Donaumonarchie nur serbische oder rumänische orthodoxe Bischöfe gegeben.

Das wurde wieder so, als 1868 der Doppelstaat Österreich-Ungarn entstand. 23 griechische Pfarreien kamen zur Serben-Metropolie von Karlovac – allerdings hielten fünf Gemeinden Konstantinopel die Treue, an ihrer Spitze Budapest mit der Marienkirche.

Dabei blieb es bis 1943, als sich das mit Hitlerdeutschland verbündete Ungarn dem Wunsch aus Berlin beugen musste, alle seine Orthodoxen – etwa 40 000 an der Zahl – der antisowjetischen Russischen Auslandskirche anzugliedern. Diese war im „Reich“, in dessen besetzten Ostgebieten und bei den NS-Satelliten die einzig protegierte und weitgehend auch anerkannte orthodoxe Gemeinschaft. In der Budapester Marienkirche wurde so der exilrussische Metropolit Seraphim Lade aus Berlin Hausherr.

Es entbehrte daher nicht einer gewissen Konsequenz, dass sich ab 1944/45 die Rückgliederung von Institutionen der Emigrantenkirche ins Moskauer Patriarchat im sowjetisch dominierten Ostblock auch in Ungarn abzuzeichnen begann, obwohl die dortigen Griechen bis 1943 nie unter einer russischen Jurisdiktion gestanden hatten. Auf den Phanar wurde keine Rücksicht mehr genommen, nachdem 1948 dort der eher russophile Ökumenische Patriarch Maximos V. durch den New Yorker Erzbischof Athenagoras ersetzt war. Anders stand es zunächst mit den Serben: Patriarch Alexi I. bemühte sich bei seinem serbischen Amtsbruder Gavrilo V. bei den 500-Jahrfeiern der Moskau 1448 von Konstantinopel gewährten Autokephalie um eine einvernehmliche Lösung in Ungarn. Sobald aber Tito im Jahr darauf mit Stalin gebrochen hatte, liefen die Dinge auch dort zügiger: Gleich 1949 wandten sich „einige" ungarische Geistliche an das Moskauer Patriarchat mit der Bitte, sie in die Jurisdiktion der Russischen Orthodoxen Kirche aufzunehmen. Deren Heiliger Synod gab dann dem Ersuchen dieser Gemeinden statt und bildete aus ihnen einen „Kirchenkreis“ (Magyar Orthodox Esperesse). Dieser wurde in der Folge verschiedentlich - so etwa im Schematismus 1961 der Orthodoxen Kirche von Griechenland – sogar als „Autonome Ungarische Orthodoxe Kirche“ im Rahmen des Patriarchats von Moskau und ganz Russland angeführt. Die Griechen von Budapest konnten die Übergabe ihrer Marienkirche noch bis 1951 hinauszögern.

 

Dem Moskau zugewandten orthodoxen Kirchengebilde in Ungarn verhalf zu einem nicht unerheblichen interorthodoxen und auch ökumenischen Ansehen die Persönlichkeit ihres 1954 bestellten Leiters Erzpriester Feriz Berki. Dieser hatte in Athen studiert, sprach auch perfekt Griechisch und Rusisch, verfasste Übersetzungen der orthodoxen liturgischen Bücher ins Ungarische sowie auch auf Deutsch erschienene liturgische Studien. Berki vertrat den Grundsatz: „Nach Auffassung der orthodoxen Kirche besitzen Sprachen, die den Gläubigen unverständlich sind, in Gebet und Liturgie keinerlei magische Kraft. Da Gott die Gebete, die wir an ihn richten, in allen Sprachen gleichzeitig versteht, ist in unserem liturgischen Leben die entscheidende Frage die, ob wir selbst diese Gebete verstehen oder nicht."

Als Dekan an der umstrittenen Marienkirche setzte er sich bis zu seinem Tod 2006 für deren Verbleiben unter Moskauer Jurisdiktion ein. Feriz Berki hat so entscheidend zu den auch nach der Wende zugunsten der Russen gefällten ungarischen Gerichtsurteilen in Sachen des Gotteshauses zu Lasten des Ökumenischen Patriarchats beigetragen, Diese stützten sich grundsätzlich auf die Eingliederung der griechischen Kirchen Ungarns in die serbische Metropolie Karlovac von 1868 und ihren späteren Übergang aus dieser in Moskauer Jurisdiktion 1949.

 

Mit dieser Sachlage scheint sich das Ökumenische Patriarchat nun mehr oder weniger mit dem Bau einer eigenen Kirche in Budapest abgefunden zu haben. Ihre Einrichtung und Finanzierung innerhalb der Bausubstanz des neuen Exarchats hat der griechische Großunternehmer in der Ukraine Pandelis Boumbouras übernommen. Wie es in einer Verlautbarung seiner „Boumbouras Foundation“ aus Odessa heißt, werden alle Einzelheiten zur Zeit mit dem Ökumenischen Patriarchat vereinbart. Boumbouras gilt als Befürworter der Schaffung eines einheitlichen autokephalen ukrainischen Patriarchates durch Konstantinopel, allerdings unter der Leitung des derzeitigen moskautreuen Metropoliten Onufriy Berezovskiy von Kiew und nicht des gesamtorthodox als unkanonisch betrchteten Patriarchen Filaret Denisenko. Boumbouras hat sich so schon in der Ukraine als Mann eines Ausgleichs zwischen Konstantinopel und Moskau profiliert, wie er ihn jetzt in Budapest auch finanziell unterstützt.

Breitere Beachtung findet auch eine vom Ungarnbesuch an die Rumänische Orthodoxe Kirche gerichtete Botschaft von Bartholomaios,  die in Bukarest über den Patriarchatssender Trinitas TV ausgestrahlt wurde. Darin sagte der Ökumenische Patriarch wörtlich: „Wir beobachten aus dem Phanar die reichen Aktivitäten der rumänischen Orthodoxie. Wir sind stolz auf diese frühere Tochter- und heutige Schwesterkirche!“ – Konstantinopel hatte den orthodoxen Rumänen 1885 die Autokephalie gewährt und Bukarest 1925 zum Patriarchat erhoben. Der heutige Patriarch Daniel – „ein Amtsbruder voll gesunder kirchlicher Gesinnung und tiefgründiger Theologe“ – gilt als einer der wichtigsten Stützen von Bartholomaios I. bei interorthodoxen und in ökumenischen Anliegen.“

 

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