Πέμπτη, 31 Αυγούστου 2017

Kurban-Bairam: Istanbul im Dauerfest Von Hausschlachtungen, Sesselvermietern und Mekka-Pilgern








 

 

Von Heinz Gstrein

Über eine regelrechte Inflation an arbeitsfreien Feiertagen dürfen sich dieses Jahr in der ersten Septemberhälfte - wie Türkinnen und Türken anderswo auch - die Bewohner von Istanbul freuen. Am Bosporus feiert man aber besonders gern.

Die diesmal gleich zwei aus verschiedenen Festen akkumulierten Ruhewochen begannen am 29. August mit dem dritten Jahrstag der Amtseinführung von Präsident Recep Tayyip Erdogan. Ein Anlass, der hauptsächlich in den Medien und bei internen Veranstaltungen der Regierungspartei AKP begangen wurde. Feuchtfröhlicher ging es an diesem und dem folgenden Tag draußen an den Dardanellen bei einem sozialdemokratischen Oppositionscamp gegen Erdogan zu. Dieser warf deswegen seinen Gegnern vor, ehrwürdige Anlässe mit Trunk und Tanz entweiht zu haben.

 
Der 30. August gilt immerhin dem Gedenken an den Endsieg von Kemal Atatürk über die griechische Invasion von Izmir und dessen Hinterland im Jahr 1922. Dieses Siegesfest (Zafer Bairami) war in Istanbul lang wenig heimisch, da es sich auf ein weit entferntes Ereignis in einer Zeit bezog, zu der vor Ort noch der letzte Sultan herrschte. Auch zu den offizlellen Militärparaden fanden sich bis in die 1960er Jahre nur wenig Istanbuler Schaulustige ein. Erst mit dem Zuzug von Millionen Landflüchtigen aus der Osttürkei in neuere Vorstädte wurde dort das Sieges- auch zu einem Volksfest: Mit Festzügen in dörflichen Trachten sowie traditionellen Sportveranstaltungen. Von ihnen sind Ringkämpfe besonders beliebt.

Fast lückenlos schließen sich 2017 an diese zwei staatlichen Anlässe die höchsten islamischen Feiertage des Opferfestes Kurban Bairami an. Erdogan hat sie diesmal von vier auf zehn Tage verlängert. Für viele Arbeitnehmer keine reine Freude, da die meisten von ihnen an diesen Zusatzruhetagen nicht entlohnt werden. Die lebensfrohen Istanbuler lassen sich aber davon nicht um die Feierstimmung bringen und haben auch sonst kein Problem damit, die mehr als verdoppelte Festpause mit Freizeitaktivitäten zu füllen.

Dafür bietet schon das reiche Kurban-Brauchtum reichlich Gelegenheit. Der erste Feiertag steht in Erinnerung an das nach dem Koran – wie in der Bibel - Abraham abverlangten Opfers seines Sohnes, an dessen Stelle dann ein Lamm trat, im Zeichen einer Hauschlachtung mit folgender Festtafel im Familien-, Verwandten-, Freundes- und Nachbarschaftskreis. Da wird es eng in den ohnehin nicht zu geräumigen Istanbuler Wohnungen. Beim fehlenden Mobiliar und Gedeck helfen in ärmeren Vierteln Stuhl- und Tellerverleiher aus, die auch sonst bei Hochzeiten, Beschneidungszeremonien und Todesfällen ihre Geschäfte machen. Draußen vor der Tür warten indes schon im Stiegenhaus und auf der Gasse die umwohnenden Armen oder auch nur Berufsschnorrer auf den ihnen nach islamischer Satzung gebührenden Anteil von einem Drittel des Fleisches und der sonstigen Gerichte.

Am zweiten und dritten Kurban-Tag besucht man auf Istanbuls zumindest in der Altstadt noch weitläufigen, parkartigen Friedhöfen die Ruhestätten verstorbener Angehöriger. Auch zu ihnen werden oft Reste vom Festessen mitgebracht, bei einem Totenschmaus verzehrt und das Allerletzte über die Gräber gestreut.

Weiter geht es in der restlichen Bairampause mit Ausflügen und Picknicks in städtischen Grünanlagen. Waren früher abendliche Kinobesuche an der Tagesordnung, so beschließen heute die meisten Istanbuler Familien ihre Feier-Ferien vor dem Fernseher.

Der Kurban- oder Büyük (Große) Bairami ist aber auch bevorzugte Zeit für Pilgerfahrten ins islamische Weltzentrum Mekka. Dafür hatte die Türkei mit deutscher Hilfe ab der asiatischen Seite des Bosporus eine eigene Pilgerbahn gebaut, die aber heute weitgehend unterbrochen ist. Auch die vom kleinen Mann dann bevorzugten Mekka-Taxis und -Kleinbusse sind auf der Strecke geblieben, seit ihnen der Krieg in Syrien und dem Irak die Straßen verlegt. Bleibt nur mehr der Luftweg. Auf beiden Großflughäfen von Istanbul – ein dritter ist schon im Bau – herrscht daher in diesen Kurban-Tagen Hochbetrieb.

 

 

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