Πέμπτη, 3 Αυγούστου 2017

25. Juli 1967: Das Ökumene-Wunder von Istanbul Orthodoxes Gedenken mit Schwerpunkten Hagia Sophia und Primat










Von Heinz Gstrein

Istanbul/Athen/Graz. Der 50. Jahrestag des Besuches von Papst Paul VI. bei Patriarch Athenagoras I. an dessen Istanbuler Amtssitz Phanar Ende Juli 1967 bot jetzt gerade der griechisch-orthodoxer Seite ausführlich Anlaß zu Rückblicken, Würdigungen und Prognosen, wie das damals Gesagte und Erreichte heute und in der Zukunft frische Impulse für das weitere ökumenische Zusammenfinden von Orthodoxen und Katholiken bewirken könne. Dabei standen die Fragen des päpstlichen Primates und von katholischem Beistand beim Abwehren einer Rückverwandlung des Hagia-Sophia-Museums von Istanbul zur Moschee im Mittelpunkt der Ausführungen.


So meldete sich aus Athen der Altmeister griechischer Kirchenpublizistik Aristidis Panotis zu Wort. Er hatte schon Anfang der 1960er Jahre als Herausgeber der „Theologischen und Ethischen Enzyklopädie“ – der orthodoxen Entsprechung zum katholischen „Lexikon für Theologie und Kirche“ – einen guten Namen erworben und in der Folge wie kein anderer die Wiederannäherung von Rom und Konstantinopel mit seinen Veröffentlichungen begleitet und unterstützt. Jetzt weist er im Aufsatz „Ein wunderbares Ereignis vor 50 Jahren in der Hagia Sophia“ (amen.gr vom 26. Juli 2017) auf die Tatsache hin, dass Paul VI.  wie kein anderer Papst am Bosporus nach ihm – den unauslöschlich christlichen Charakter der Sophienkirche herausgestellt hat: Schon damit, dass er sie sofort als erste gleich nach seinem Eintreffen aufsuchte.

Die erste Reise eines römischen Papstes in die Türkei war noch nicht wie heute ins strikte Protokoll eines Staatsbesuches gepresst, der zu allererst beim türkischen Präsidenten in Ankara zu beginnenn hat. Den Beginn mit der Hagia Sophia hatte Paul VI. der damalige Außenminister Ihsan Sabri Caglayangil ermöglicht, ein Freund der orthodoxen Christen. Er war es auch, der den Heiligen Vater in die Sophienkirche begleitete.

Obwohl dort jedes religiöse Zeichen strikt verboten war und ist – die heutigen Ausnahmen kommen nur Muslimen zugute – kniete Paul VI. nieder und betete unmissvertändlich. Dann sagte er Panotis zufolge: „Diese Kirche sollte wieder das werden, was sie ursprünglich war!“ Auf die Frage von Caglayangil, wie er das meine, habe der Papst auf den Kölner Dom verwiesen, wo schon am 3. Februar 1965 im nördlichen Seitenschiff hunderte von muslimischen Gastarbeitern den Abschluss ihres Fastenmonats Ramadan feiern durften. Aristidis Panotis geht daher jetzt von der Annahme aus, dass der Heilige Vater eine Zukunft des Hagia-Sophia-Museums als Kirche und Moschee im Sinn hatte. Eine Praxis, für die es aus der Kirchen- und Islamgeschichte durchaus Beispiele gibt.

In diesem Sinn rief das Istanbuler griechische Abendblatt „Apogevmatini“ schon am 24. Juli 2017 den türkischen Präsidenten Tayyip Recep Erdogan auf, seine Ansichten zu den Heiligen Stätten Jerusalems auf die Hagia Sophia anzuwenden. Anläßlich der jüngsten  Unruhen um Tempelberg und Al-Aksa-Moschee hatte Erdogan von Israel gefordert, das spätere islamische Heiligtum zu achten, mag dort auch zu allererst der  alttestamentliche Tempel gestanden haben. Ebenso sollte aber – so „Apogevmatini“ - die Türkei nicht nur den Status der Sophienkirche als Moschee zwischen 1453 und 1934 im Aug haben, sondern ebenso ihrer fast tausendjährigen christlichen Vorvergangenheit gerecht werden.

Mit dem gerade beim aktuellen Dialog von Katholiken und Orthodoxen wieder dornigen päpstlichen Primat und Hinweise auf eine recht verstandene ostkirchliche Akzeptanz bereits bei der Begegnung vom 25. Juli 1967 beschäftigt sich Prof. Grigorios Larentzakis, emeritierter orthodoxer Theologe in Graz (amen.gr vom 24. Juli 2017). Unter dem Titel „Die Sache mit dem Primat des Papstes“ erinnert er daran, dass Paul VI. schon vor 50 Jahren Athenagoras eine Lösung zu den Papstdogmen des Ersten Vatikanischen Konzils von 1870 über globalen Jurisdiktionsprimat und Unfehlbarkeit des Bischofs von Rom angeboten hatte. Dies gehe nicht nur aus den Ansprachen in der Patriarchenkirche Hagios Georgios hervor, sondern ist vor allem in dem Päpstlichen Breve enthalten, das bei dem zweiten Treffen am Abend des 25. Juli auf der Nuntiatur verlesen und an Patriarch Athnagoras I. überreicht wurde.

Dieses Breve wurde in der Folge eingehend durch Dom Emmanuel Lanne (1913-2010) OSB von der belgischen Abtei Chevtogne analysiert. Larentzakis kommt zu dem Schluss, dass dieser „Rundum-Ökumeniker“ – er war auch einer der ersten katholischen Mitarbeiter bei „Glaube und Kirchenverfassung des ÖRK –dabei zu der Überzeugung gelangte, dass bei beiderseitiger Rezeption der  Aussagen dieses Päpstlichen Kurzdokuments „schon tags darauf die volle Kirchengemeinschaft zwischen Rom und Konstantinopel wieder aufgenommen werden könne.“

Auf diesem Fundament stehe auch die von Joseph Ratzinger 1974 gewagte Aussage, „Rom muss vom Osten nicht mehr an Primatslehre fordern, als auch im ersten Jahrtausend formuliert und gelebt wurde. Wenn Patriarch Athenagoras am 25.7.1967 beim Besuch des Papstes im Phanar diesen als Nachfolger Petri, als den ersten an Ehre unter uns, den Vorsitzenden der Liebe, benannte, findet sich im Mund dieses großen Kirchenführers der wesentliche Gehalt der Primatsaussagen des ersten Jahrtausends, und mehr muss Rom nicht verlangen“ (Joseph Ratzinger, Prognosen für die Zukunft des Ökumenismus, in: Ökumenisches Forum 11 (1976), 36).

Prof. Grigorios Laretzakis bedauert, dass es Ratzinger als Papst Bendikt XVI. nicht vergönnt war, ekklsiologische und kirchenrechtliche Konsequenzen aus dieser seiner Einsicht zu ziehen. Er habe das als Erbe seinem Nachfolger Franziskus hinterlassen: „Von ihm aber erwarten wir Orthodoxen nun aber umso mehr!“  

Wer in Istanbul schon damals mit dabei war, erinnert sich auch gern an die Vorreiterolle, die KNA bzw. öki sowie die deutsche Kirchenpresse bei der internationalen Berichterstattung vom Wiederannähern zwischen Rom und Konstantinopel von Anfang an gespielt haben: Am 25. und 26. Juli 1967 berichtete der legendäre Konzilsjournalist Luitpold A. Dorn persönlich aus der Hagia Sophia, der Patriarchen-Basilika Hagios Georgios und Istanbuls römisch-katholischer Kathedrale Saint Esprit sowie vom zweiten Tag in Ephesus. Das „Ruhrwort“, damals ein führendes Kirchenblatt, hatte einen Sonderkorrespondenten entsandt. Wichtig war auch die Rolle, die an der Seite von Patriarch Athenagoras I. dessen deutscher „Archon“ (Kammerherr) Georgios Hollenbach für das Gelingen des „Ökumene-Wunders von Istanbul“ spielen durfte..

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