Τρίτη, 18 Ιουλίου 2017

Patriarchat Jerusalem in der Krise Provozierung von Antiochia erweist sich als Bumerang





 
Von Heinz Gstrein
Tiberias/Jerusalem/Damaskus. Patriarch Theophilos III. hat am 12. Juli im orthodoxen Apostelkloster am See Genesareth indirekt zur akuten Krise zwischen der griechischen Führung und den fast ausschließlich arabischen Gläubigen seiner Kirche Stellung genommen. Der Gottesdienst am Fest „Versammlung der Apostel“ wurde in beiden Sprachen gefeiert. In seiner Predigt erinnerte Theophilos an das Pfingstwunder gegenseitiger Verständigung in allen Sprachen. Damit sind wir Christen auch heute aufgerufen, sprachliche und nationale Unterschiede zu überbrücken. Die Leitung der Kirche durch die Apostel und ihre Nachfolger biete Gewähr, dass es keine größeren und längeren Abweichungen vom christlichen Glauben und Leben geben könne.

Damit spielte der Patriarch auf gegen ihn gerichtete Vorwürfe an, er habe Immobilien seiner Kirche in und um Jerusalem an israelische Käufer veräußert. Etwas derartiges wid vor allem von den orthodoxen Palästinensern als Verrat an ihren Interessen betrachtet. Bereits 2005 war der Vorwurf solcher Transaktionen zum Anlass der Absetzung seines Vorgängers Patriarch Irenaios geworden. Dieser wurde sogar zum einfachen Mönch degradiert und wird seitdem in einer Klosterzelle gefangen gehalten. Diese Härte kritisieren zunehmend griechische Kirchenkreise an Theophilos.
Diesmal hat sich am neuen Verkaufsskandal jedoch eine grundsätzliche Auseinandersetzung entzündet: Die arabischen Orthodoxen fordern mehr Beteiligung an der Kirchenführung, wenn nicht gar einen Patriarchen aus ihren Reihen. Angesichts des schon im vierten Jahr scwelenden Konfliktes zwischen Jerusalem und dem – bereits im späten 19. Jahrhundert in arabische Hand gelangten - Patriarchat von Antiochia um die Zuständigkeit im Golfstaat Katar sehen kirchliche Beobachter bei diesem Aufbegehren den antiochenischen Patriarchen Yuhanna (Johannes) X, aus Damaskus mit im Spiel. Ihn betrachten ohnedies schon viele orthodoxe Palästinenser als ihr heimliches geistliches Oberhaupt.
Das Patriarchat Jerusalem hatte erst 451 das Konzil von Chalzedon den Antiochern weggenommen. Es war dann unter Patriarch Sophronios 638 das erste, das sich mit den arabisch-islamischen Erroberern arrangierte. Der Vertrag mit dem Kalifen Omar über christliche Kultfreiheit im Gegenzug für Loyalität und hohe Abgaben ist bis heute für den traditionellen Status von Christen im islamischen Staat bestimmend geblieben.
So konnte die Kirche von Jerusalem weiter bestehen und sogar im 8. Jasrhundert den letzten morgenländischen Kirchenvater Johannes von Damaskus hervorbringen. Nach der Tennung von Katholiken und Ortodoxen 1054 überdauerte sie auch die Kreuzzüge: auf der arabischen Seite. Weiter griechische und arabisierte Christen wirkten fruchtbar zusammen, die Patriarchen wurden bald von den einen und bald den anderen gestellt.
Das änderte sich erst 1516 mit der Einverleibung von Palästina ins Reich der osmanischen Türken. Diese hatten aus Gründen einfacherer Verwaltung und Steuereinziehung ein System von „Religionsvölkern“ (millet) geschaffen. Chef aller Griechisch-Ortodoxen war staatsrechtlich nur der Patriarch von Konstantinopel. Das führte zur Abwertung der Patriarchate Alexandria, Antiochia und Jerusalem sowie zur völligen Hellensierung ihres höheren Klerus. Bald residierten vor allem die Jerusalemer Patriarchen ständig unweit vom Phanar am Goldenen Horn. Einige von ihnen erlangten durchaus gesamtorthodoxe, ja ökumenische Bedeutung wie 1672 Dositheos durch seine Auseinandersetzung mit der Reformation oder Ende des 18. Jahrhunderts der Aufklärungsgegner Anthimos. In Jerusalem schaltete und waltete jedoch die „Hagiotaphiki Adelphotis“ (Bruderschaft vom Heiligen Grab), ein bis heutzutage nur aus Griechen zusammengesetzes Gremium.
Wachsende Kritik an diesem Zustand brachte erst der palästinensische Widerstand gegen Israel unter Jasser Arafat. Er bemühte sich, selbst mit einer Christin verheiratet, um Gewinnung der Palästina-Christen, verdächtigte das griechisch dominierte Patriarchat Jerusalem der Kollaboration mit den Israelis. Arafats PLO zuliebe wurde 1981 Dorotheos zum Patriarchen gewählt. Wieder ein Grieche, doch vorher Oberhirte der orthodoxen Palästina-Flüchtlinge in Jordanien. Er entsandte die ersten arabischen Geistlichen zum Theologiestudium nach Athen und weihte später zwei von ihnen zu Titularerzbischöfen ohne feste Jurisdiktion.
1994 hatte die Schaffung einer palästinsischen Selbstverwaltung für Teile der israelisch besetzten Gebiete im Heiligen Land auch kirchliche Folgen. Zunächst für die dort dominierende Russische Auslandskirche: Wo nun die PLO regierte, wurden ihre Kirchen und Klöster dem Moskauer Patriarchat übergeben. Auf das Patriarchat Jerusalem übte Arafat zunehmend Druck in Richtung Arabisierung aus. Dem trat dieses jedoch 1996 mit der Wahl von Irenaios Skopelitis entgegen, einem Mann der Kirche von Griechenland und der griechischen Staatsinteressen in Israel/Palästina.
Nach seinem Sturz über die erste Immobilienaffäre von 2005 wurde mit Theophilos Giannopoulos ein den Palästinensern genehm erscheinender Patriarch installiert. Er war zuvor ihr Seelsorger in der Flüchtlingsdiaspora am Persisch-Arabischen Golf mit Sitz in Katar. Tatsächlich machte er seinen arabischen Orthodoxen einige Konzessionen, verweigerte aber weiter handfeste Jurisdiktionsbefugnisse für die als Bischofe zugelassenen Palästinenser. Erst 2013 errichtete er ein Territorial-Erzbistum unter dem arabischen Oberhirten Makarios – doch nicht in Palästina, sondern im fernen Katar.
Damit setzte er sich aber in Gegensatz zu dem dort seit altersher zuständigen Patriarchat Antiochia und dem zukunftsweisenden Trend für dessen Ausweitung auf alle arabischsprachigen Orthodoxen. Die antiochenischen Patriarchen waren auch unter dem türkischen Sultan nie für länger nach Konstantinopel übersiedelt, sondern in Damaskus geblieben. Ihre Kirche unterlag allerdings der Hellenisierung innerhalb des gemeinsamen griechisch-orthodoxen Religionsvolkes. Als Folge davon schlossen sich ab 1709 immer mehr orthodoxe Araber in Syrien, Libanon und dem Irak einem mit Rom verbundenen Melkitischen Griechisch-Katholischen Patriarchat mit Arabisch als Kirchensprache an. Dieses wurde – ähnlich wie die rumänischen Unierten beim Wiederentdecken der lateinischen Wurzeln ihrer Sprache und Kultur – auch kulturell zu Wegbereitern und Trägern der „Nahda“, der Erneuerung arabischer Sprache und Literatur nach osmanisch-griechischer Überfremdung.
Das orthodoxe Antiochia konnte da auf die Dauer nicht abseits bleiben. 1899 brach es endgültig mit der griechischen Dominanz – um den Preis der Übergabe des Kirchensprengels von Aleppo an das Ökumenische Patriarchat Konstantinopel. Seitdem hat sich Antiochia zum bestimmenden Mittelpunkt für alle orthodoxen Araber entwickelt, auch in Palästina, Ägypten und in einer weltweiten Diaspora.
Das Ziel eines einheitlichen „Groß-Patriarchats“ wurde bisher nur bei den griechisch-katholischen Melkiten verwirklicht. Ihr eben für Antiochia neu gewählter Joseph Absi ist zugleich Patriarch von Alexandria und Jerusalem, wo er durch Patriarchalvikare vertrerten wird. In Jerusalem war das der vor kurzem verstorbene Hilarion Capücci, bekannt mit seiner Inhaftierung durch Israel und spätere Verdienste um die Katholiken Irans nach der Islamischen Revolution in Teheran 1979.
Der Schatten einer solchen Entwicklung auch für das orthodoxe Antiochia liegt nun schwer über der akuten Auseinandersetzung in Jerusalem. Dort wird inzwischen sogar in der Umgebung von Theophilos III. sein Einlenken in der Katar-Frage erhofft, die nicht nur die beiden Nahostpatriarchate, sondern inzwischen auch schon die gesamte Orthodoxie zerspaltet.

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