Σάββατο, 10 Ιουνίου 2017

Wien: Gedenken an Metropolit Chrysostomos Tsiter




Chrysostomos Tsiter



Im Zeichen des Gedenkens an den ersten orthodoxen Metropoliten von Austria, Chrysostomos Tsiter (1903-1995, Metropolit 1963-1991), stand am Donnerstagabend eine Festveranstaltung im Wiener Universitätsarchiv in der Postgasse: Erifylis Kontopoulou hat der Universität Wien zu Gunsten des Instituts für Byzantinistik und Neogräzistik eine großzügige Schenkung dezidiert, mit deren Hilfe das Andenken an ihren Onkel Chrysostomos Tsiter gepflegt werden soll. Besonderes Interesse gilt dabei der Unterstützung der Erforschung der byzantinischen und frühmodernen hellenischen Kultur. Das berichtete die Wiener Stiftung "Pro Oriente" am Freitag.



Bei der Festveranstaltung unterstrich Prof. Lioba Theis, Vorstand des Instituts für Byzantinistik und Neogräzistik, dass es durch die Tsiter-Kontopoulou-Schenkung möglich geworden sei, den bisher finanziell nicht ausgestatteten Wissenschaftspreis des Instituts in den "nächsten 25 bis 30 Jahren" als "Tsiter-Kontopoulou-Preis" auch zu dotieren. Darüber hinaus sei es jetzt auch möglich, im Bereich von Byzantinistik und Neogräzistik Nachwuchsförderung etwa durch Reisestipendien und Projektforschung beispielsweise zum ökumenischen Dialog zu betreiben. Für das Institut sei es eine selbstverständliche Verpflichtung, ohne zeitliche Begrenzung die Pflege des Grabes von Metropolit Tsiter zu übernehmen. Prof. Theis und die die Dekanin der Historisch-kulturwissenschaftlichen Fakultät, Prof. Claudia Theune-Vogt, unterstrichen die starke Verbunden von Metropolit Tsiter einerseits mit der Universität Wien und sein Bemühen um den Aufbau und die Pflege der ökumenischen Beziehungen zu den anderen christlichen Kirchen.

Im Rahmen der Festveranstaltung - an der u.a. auch die Vizerektorin der Uni Wien, Prof. Christa Schnabl, und "Pro Oriente"-Präsident Johann Marte teilnahmen - wurden zudem zwei Forschungsberichte vorgestellt. Maria Goiana (Wien) berichtete über "Die Hymnen des Theodoros Studites und die Erforschung der entsprechenden Handschriften". Theodoros Studites (759-826) ist wegen seiner monastischen Reformen, seinem Kampf gegen die Ikonoklasten (Feinde der Bilderverehrung) und seines umfassenden literarischen Oeuvres eine wichtige Gestalt der byzantinischen Geistesgeschichte. Weniger beachtet wurden bisher seine Hymnendichtungen, die auf einer starken Tradition des Stoudion-Klosters beruhten (das Kloster wurde 454 begründet, war eines der bedeutendsten Konstantinopels, 1555 wurde es von den osmanischen Behörden geschlossen und die Klosterkirche in eine Moschee umgewandelt).

Den eigentlichen Festvortrag hielt Prof. Paschalis Kitromilides (Athen) über "Die orthodoxe Kirche und die säkularen Ideologien der Moderne". Prof. Kitromilides arbeitete vor allem die Auseinandersetzung des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel mit den Systemen der Moderne, der Aufklärung und des Nationalismus heraus. Der Athener Wissenschaftler wies insbesondere zwei verbreitete Vorurteile zurück: Dass die orthodoxe Kirche von bedingungsloser Feindschaft gegen die Aufklärung erfüllt war und dass sie mit dem Nationalismus zu identifizieren sei.

Chrysostomos Tsiter stammte aus der - damals noch ganz griechischen und christlichen - Stadt Triglia am Marmara-Meer. Er war der Neffe des (heilig gesprochenen) Märtyrer-Metropoliten Chrysostomos (Kalafatis) von Smyrna (Izmir), der im September 1922 bei der Eroberung der Industrie- und Handelsstadt durch die kemalistischen Truppen von einem Mob grausam ermordet wurde. Seine theologischen Studien absolvierte Tsiter an der berühmten Theologischen Hochschule auf der Insel Halki im Marmara-Meer.

Im November 1963 wurde er vom Heiligen Synod des Patriarchats von Konstantinopel zum ersten Metropoliten von Austria (und damals auch Exarchen von Italien, der Schweiz und Ungarn) ernannt. In seiner Amtszeit erfolgte die Verabschiedung des Orthodoxen-Gesetzes, das die offizielle Anerkennung der orthodoxen Kirche in Österreich bewirkte. Sein Sekretär war viele Jahre Michael Staikos, der auch sein Nachfolger als Metropolit werden sollte. Tsiter führte einen ständigen Dialog mit Kardinal Franz König, aber etwa auch mit dem evangelisch-lutherischen Bischof Gerhard May und mit Unterrichtsminister Theodor Piffl-Percevic, dem späteren "Pro Oriente"-Präsidenten. Tsiter hielt auch das Andenken an seinen ermordeten Märtyrer-Onkel wach, u.a. widmete er ihm ein dreibändiges Werk. 

KAP

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