Τετάρτη, 22 Φεβρουαρίου 2017

Tarabya: Deutsches Ufer am Bosporus Vom Ort der Begegnung zum Spannungpunkt Berlin-Ankara





Von Heinz Gstrein

Ein Vorort von Istanbul ist in diesen Februartagen viel zu hören, seit dort Welt-Korrespondent Deniz Yücel sein Asyl auf deutschem dipolatischem Boden verlassen musste und von Präsident Recep Erdogans Staatspolizei verhaftet wurde: Tarabya.

Vor dem Nordausgang des Bosporus ins Schwarze Meer leuchten weiß gestrichene Holzhäuser wie Perlen aus dem Grün der Gärten des europäischen Ufers. Das ist Tarabya, abgeleitet vom Wort Therapie, was Heilung bedeutet. Fast nur griechische Fischer lebten als Untertanen des Sultans an diesem Ort, bis er von Selim II. um 1570 als Ausflugs- und Erholungsort entdeckt wurde. Später folgten die Schönen und Reichen von Istanbul. Auch die Familie Huber, in deren Hand die Vertretung von Krupp in der alten Türkei lag, zog hinauf nach Tarabya und erbaute sich eine imposante Residenz, die stark untertreibend „Kiosk“ genannt wurde.

1880 schenkte Sultan Abdülhamid II. dem Kaiserreich Deutschland ein ausgedehntes Gelände, um dort die Sommerresidenz seiner Gesandtschaft bei der „Hohen Pforte“ einzurichten. Fünf Jahre später stimmte der Reichstag in Berlin dem Bauvorhaben zu. Durch den Verkauf des Geländes der ehemaligen preußischen Gesandtschaft in Istanbul waren Geldmittel vorhanden, um den Bau zu beginnen. Dieser legte besonderes Augenmerk auf die Einbeziehung osmanischer Bautraditionen: oktogonale Formen im Botschafterhaus und die Holzsäulen sind kennzeichnende Elemente türkischer Sommerhäuser, der so genannten „Yali“. Die 18 ha weite Parkanlage wurde übrigens von einem auch in Heidelbergs Philosophengarten tätigen Gartenarchitekten gestaltet..

Mit dem Umzug von Deutschlands diplomatischer Vertretung in der Türkei nach Ankara infolge der Gründung der Türkischen Republik durch Atatürk 1923 verlor das Gelände seine ursprüngliche Bestimmung. Es behielt aber diplomatische Immunität. So konnte es auch im letzten Dezember den wegen seiner Berichterstattung verfolgten deutsch-türkischen Journalisten Yücel aufnehmen und schützen. Für ein Dauerasyl hat es dann doch nicht gereicht...

Die Anlagen von Tarabya dienen seit Jahren als Ort der Begegnung auf allen Gebieten: Im einstigen Gesandtenhaus finden Tagungen, Veranstaltungen und Empfänge statt, die benachbarte ehemalige Kanzlei beherbergt Stipendiaten und im früheren Haus des Gesandtschaftsrates befindet sich die Deutsch-Türkische Industrie- und Handelskammer. Seit 2010 wird hier der deutsch-türkische Übersetzerpreis „Tarabya“ vergeben. Im Jahr darauf entstand jene „Kulturakademie“, in deren Gebäude sich der Welt-Korrespondent dem Zugriff der Türken nicht allzu lang entziehen konnte. So droht Tarabya jetzt vom Ort deutsch-türkischen Zusammenfindens zum Spannungspunkt zwischen Berlin und Ankara zu werden.

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