Πέμπτη, 2 Φεβρουαρίου 2017

Hundeleben am Bosporus Zwischen amtlichen Fütterern und Insel-Hungertod




Von Heinz Gstrein

Herrenlose Hunde gehören zum Istanbuler Stadtbild, zumindest in den Gassen und Seitenstraßen. In den nobleren Villenvierteln werden zwar Jagd- und Schoßhunde gehalten. Doch sind diese kaum außerhalb der umzäunten Gärten anzutreffen: Das türkische Volk ist nicht hundefreundlich, liebt nur die Hauskatzen. Das hängt mit Vorurteilen des islamischen Volksglaubens gegen Hunde zusammen. Nach der einen Legende habe ein Hund Mohammed beim Gebet angepinkelt, nach einer anderen kommen keine Engel dorthin, wo Hunde sind. Tatsächlich dürfte die Hundefeindschaft aus Iran kommen, wo die alte Religion Zarathustras den Hund als treuesten Gefährten des Menschen verehrte. Nach der Islamisierung wurden daher alle Hunde schlecht gemacht. Noch unter den Anklagen, mit denen bei der Islamischen Revolution von 1979 Ayatollah Khomeini zum Sturz des Schah aufrief, befand sich der Vorwurf, dass Reza Pahlewi als Hundefreund bekannt war.

Die osmanischen Sultane gingen in ihrer Hauptstadt Istanbul dennoch ganz eigene Wege. Die Verkäufer von Futter für streunende Hunde waren ein eigener Berufsstand. Hoch und niedrig fütterten die Straßenhunde und betrachteten sie als Glücksbringer. Erst die rassistische politische Richtung der „Jungtürken“ vertrieb Istanbuls Hunde 1910 noch vor den Armeniern vom Bosporus. Sie wurden eingefangen und hinaus nach der kleinen Felseninsel Sivriada im Marmarameer gebracht. Diese hatte schon im byzantinischen Mittelalter als Verbannungsort für missliebige Politiker und Kirchenführer gedient. Nun wurden dort die Hunde von Istanbul ihrem Schicksal überlassen. Zunächst ernährten sie sich von den zahlreichen Hasen, die das Eiland bevölkerten. Bald konnten sie aber ihren Hunger nur dadurch stillen, das sie sich gegenseitig auffraßen. Und immer neue Abtransporte mit Opfern der städtischen Hundefänger trafen auf Sivriada ein...

Erst in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen wagte sich eine mutige Tierfreundin auf die Insel, nahm dort Wohnung und begann für die verbannten Hunde zu sorgen. Ihr Beispiel führte schließlich auch dazu, dass die unmenschlichen Hunde-„Verschickungen“ aus Istanbul in den 1940er Jahren eingestellt wurden. Heute ist Sivriada ein beliebter Ausflugsort. Dort kann man Überreste einer römischen Siedlung, die Ruinen einer byzantinischen Kirche und Kapelle für Märtyrer und die Zisterne in der Mitte der Insel besichtigen. Sie ist so ergiebig, dass früher von dort auch Trinkwasser nach der völlig trockenen Nebeninsel Yassiada geschafft wurde. Inzwischen ist diese ans Istanbuler Wassernetz angeschlossen, dient als Marinestützpunkt und Gefängnisinsel. 1961 wurde dort der gestürzte türkische Ministerpräsident Adnan Menderes hingerichtet.

Unter den Sehenswürdigkeiten von Sivriada fehlt aber bis heute eine Gedenkstätte an die sich auf der spitzbergigen Insel vor Hunger zerfleischenden Hunde und ihre menschliche Retterin!

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