Δευτέρα, 16 Ιανουαρίου 2017

ZYPERN – BEWÄHRUNGSFELD DER ÖKUMENE   Von Aposteltagen über Kirchenspaltungen zum Zusammenfinden









Von Heinz Gstrein



Wenn die Touristenjets am Flughafen Larnaka landen, bringen sie Besucherinnen und Besucher an eine beliebte Urlaubsadresse, doch auch auf Europas wohl ältesten christlichen Boden: Zypern galt die erste Missionsreise des Apostels Paulus. Zusammen mit Barnabas, der bis heute als Gründungspatron für die Kirche der Insel verehrt wird. Die prächtige Mehrkuppelkirche aus dem 9. Jh. im Zentrum von Larnaka ist jedoch dem hl. Lazarus geweiht. Nach der Legende begab er sich nach seiner Auferweckung durch Jesus und dessen Auferstehung nach Larnaka, wo er 30 Jahre als erster Bischof gewirkt haben soll.

Der Lazarus-Sarkophag in dem dreischiffigen byzantinischen Gotteshaus gähnt jedoch leer: Die dem Freund Jesu zugeschriebenen Reliquien wurden gegen Ende des ersten christlichen Jahrtausends nach Konstantinopel überführt, von wo Kreuzfahrer sie 1204 raubten und nach Burgund brachten. In der Kathedrale von Autun werden sie bis heute verehrt.

Auch Zypern selbst war nach der Kirchenspaltung von 1054 in Rom-Katholiken und Byzanz-Orthodoxe einer der schlimmsten Schauplätze ost/westkirchlicher Glaubenskämpfe. In Larnaka rauften sich Byzantiner und Kreuzritter um den Lazarus-Dom, bis 1571 die Türken kamen und die Kirche zur Moschee machten. Doch schon 1589 verkauften sie das Gotteshaus wieder an die Christen – etwas für den heutigen radikalen Islam Undenkbares. Bis ins späte 18. Jh. teilten sich danach Orthodoxe und Katholiken den Hagios Lazaros: Ein Vorbild gelebter Ökumene! Auch heute gibt Zypern wieder ein gutes Beispiel geschwisterlichen Zusammenlebens verschiedener christlicher Konfessionen, neuerdings auch eines sich verbessernden Verhältnisses zu den Muslimen.

Südwestlich von Larnaka liegt an einem Salzsee, an dem von Oktober bis April tausende rosa Flamingos überwintern, eines der größten Heiligtümer der islamischen Welt, das Derwischkloster Hala Sultan Tekke. Dort soll bei der Eroberung Zyperns durch die Araber 647 die Tante Mohammeds beim Sturz von ihrem Maultier ums Leben gekommen sein. Ihr Grab wurde zu einem Muslim-Wallfahrtsort, dem ehrwürdigsten nach Mekka, Medina und Jerusalem. Nach der türkischen Invasion vom Juli 1974 und der folgenden Teilung Zyperns konnten Türken aus der besetzten Nordzone nicht mehr nach Hala Sultan pilgern. Erst ab Anfang Februar 2004 wurde ihnen das wieder gestattet. Der damalige politische Führer der Zyperntürken, Mehmet Ali Talat, kam zum islamischen Opferfest (Kurban Bayrami) nach Hala Sultan. Er beschwor dort in eindringlichen Worten eine hoffentlich bald wieder gemeinsame und geschwisterliche Zukunft von Muslimen und Christen auf der vielgeprüften Insel Zypern.

Dieses Ziel ist leider noch immer nicht erreicht.

Einer der Klumpfüsse auf Zyperns Weg in interreligiöse Aussöhnung und christliche Ökumene ist der orthodoxe Bischof von Limassol, Metropolit Athanasios Nikolaou. Die Küstenstadt südwestlich von Larnaka war lang ziemlich unbedeutend, hatte nicht einmal einen Hafen, sondern nur einen hölzernen Landesteg für Kreuzfahrtsschiffe. Am Stadtrand erhob sich weithin sichtbar die katholische Katharinenkirche mit dem „Jerusalemkreuz“ aus einem großen und vier kleinen Kreuzen. Denn Zyperns fünf Gemeinden römischer Katholiken gehen auf die Kreuzzüge zurück und gehören zum „lateinischen“ Patriarchat Jerusalem. Heute wird die Kirche von den ringsum aus dem Boden geschossenen Hochhäusern fast erdrückt. Ebenso unterdrückt ist die Ökumene in Limassol – es gibt neben der überwältigenden Mehrheit orthodoxer Zyperngriechen noch eine Gemeinde katholischer Maroniten, die evangelische Markus-Kirche und orthodoxe Armenier – seit dort Metropolit Athanasios das Sagen hat. Der heute 58jährige ist zwar ein Sohn der Stadt, hat aber lange Jahre als Mönch in der Klosterrepublik Athos gelebt, war 1991/92 sogar deren Regierungschef. Bei seiner Rückkehr in die Heimat und Wahl zum Metropoliten von Limassol 1999 – auf Zypern werden die orthodoxen Bischöfe von Klerus und Volk gewählt - brachte er vom Athos eine sonst auf Zypern fremde antiökumenische Gesinnung und vor allem Feindschaft gegen alles Katholische mit.

Als Papst Benedikt XVI. im Juni 2010 das kleine Zypern einen Pastoralbesuch wert fand, eiferte Metropolit Athanasios dagegen: „Ich glaube nicht, dass wir vom Besuch des Papstes irgendeinen, sei es auch  kirchenpolitischen oder rein politischen Nutzen haben werden. Also außer großer Gewissennot unserer Gläubigen und hohen Spesen – nichts gewesen!“ Zuletzt ist der Bischof 2016 als einer der Hauptgegner des orthodoxen Konzils auf Kreta und von dessen „Ökumenismus-Dekret“ aufgetreten. Und schon im Oktober 2009 hatte er sich als Hauptstörenfried für die im zyprischen Paphos versammelte orthodox-katholische Dialogkommission erwiesen.





Paphos liegt im Südwesten Zyperns auf einer Anhöhe über dem Meer. Es fungiert 2017 als Europäische Kulturhauptstadt. Schon seit 1980 sind seine Ausgrabungen Weltkulturerbe der UNESCO. Unweit der Stadt liegt das Höhlenkloster Hagios Neophytos. Sein Gründer und Schutzheiliger – er lebte von 1134 bis 1219 - hat eine Predigtsammlung hinterlassen. Er beschreibt in ihr lebendig seine Eindrücke und esoterischen Erfahrungen von einem Aufenthalt im Heiligen Land. Diese mystischen Texte wurden 2016 ins Rumänische übersetzt.

Der heutige Erzbischof von Zypern, Chrysostomos II. Dimitriou, war in den 1970er Jahren Abt von Hagios Neophytos und in der Folge Metropolit von Paphos, bis er 2006 an die Spitze der Orthodoxen Kirche von Zypern gewählt wurde. Sein Herausforderer war Athanasios von Limassol, der aber nach spannendem Wahlkampf verhindert werden konnte.

Aus der Umgebung von Paphos stammte auch Zyperns bekanntester und bei uns meist missverstandener Kirchenfürst und gleichzeitig Präsident Erzbischof Makarios III. (1913-1977). Als Erbe und Ballast der langen Türkenherrschaft (1571-1878) in Zypern war er nicht nur geistlicher Oberhirte, sondern auch politisches Oberhaupt des griechisch-orthodoxen „Religionsvolkes“ (millet) der Insel. Er drängte sich nicht in die Politik, diese wurde ihm auferlegt. Politisch wurde seine Präsidentschaft im 1960 aus britischer Kolonialherrschaft in die Unabhängigkeit entlassenen Zypern eine Serie von Misserfolgen: 1963 erster Aufstand und Einigelung der Zyperntürken in ihren Stadtvierteln und größeren Orten, 1974 Putsch von Anhängern des Militärregimes aus Griechenland gegen den Erzbischof-Präsidenten, bei dem er nur knapp mit dem Leben davonkam. In der Folge nach Gräueln der Putschisten an den Zyperntürken militärische Invasion der Türkei und Zweiteilung Zyperns, die bis heute anhält. Makarios starb an gebrochemen Herzen 1977. Sein Herz wurde hoch droben im Troodos-Gebirge – in das von Paphos eine vielgewundene Straße hinaufführt – ober dem Kloster Kykkou auf einem Gipfel beigesetzt, dem „Throni“. Von diesem Thron schaut Makarios, der kirchlich ein Wegbereiter der Ökumene war, hinaus über seine gespaltene Heimat.



In der ebenfalls zweigeteilten Hauptstadt Nikosia, die am nördlichen Abhang der Berge liegt, steht noch immer Europas letzte „Mauer“. Sie trennt den freien vom türkisch besetzten Teil der Stadt. Zu ihren beiden Seiten ein von UN-Truppen gesichertes Niemaandsland. Genau in diesem erhebt sich stacheldraht-umwunden Nikosias römisch-katholische Kathedrale. Unzugänglich schon bald 43 Jahre! Unweit davon, aber gerade noch auf der zyperngriechischen Seite, der Sitz des Erzbischofs der katholischen Maroniten. Diese stammen aus Libanon, wo sie bei Gelegenheit der Kreuzzüge die Kirchengemeinschaft mit Rom wieder aufgenommen hatten. Nach dem Ende der Kreuzritter-Grafschaft Tripolis flohen viele von ihnen nach Zypern. Sie siedelten sich nicht nur in dessen Städten, sondern vor allem in der nördlichen Kette des Fünf-Finger-Berges (Pentadaktylos) an. 1974 fielen ihre Dörfer in die türkische Zone. Doch wurden die Maroniten nicht wie die orthodoxen Griechen von dort vertrieben. Sie siedelten erst langsam nach Nikosia um, wo sich die Arbeitsplätze der meisten und die Schulen der Kinder befanden. Während des libanesischen Bürgerkrieges von 1975 bis 1990 und jetzt wieder wegen des syrischen Bürgerkriegs kamen viele maronitische Neueinwanderer dazu, zuletzt vor allem aus Aleppo.

Gerade hier an der „Mauer“ von Nikosia leben römische Katholiken und Orthodoxe, Maroniten, Armenier, Anglikaner und Reformierte auf engstem Raum geschwisterliche Ökumene. Auch der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) hat das letzten Oktober mit einer Sitzung seiner Kernorganisation „Glauben und Kirchenverfassung“ auf Zypern gewürdigt.

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